Liebe griechische Regierung!

Mit banger Hoffnung verfolge ich Eure Bemühungen um eine sozialverträglichere europäische Finanzpolitik. Fleißpunkte bekommt Ihr von mir auf jeden Fall, habt Ihr doch schon so viele gute Tricks und Manöver ausprobiert.
Los ging es mit Yanis Varoufakis‘ Versuch, den deutschen Finanzminister durch unkonventionellen Kleidungsstil, insbesondere Krawattenverweigerung, nachhaltig zu irritieren. Die Frauenwelt war überzeugt, Wolfgang Schäuble wohl nicht: „Bürschchen, da braucht es schon mehr, damit ich Haudegen auch nur zucke“, wird er in sich hinein gekeckert haben.
Auf den ersten Blick substantiierter und erfolgsversprechender wirkte dann schon die Forderung nach einem „Merkel-Plan“ (in Anlehnung an den Marschallplan und Schulden, die den Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg erlassen worden sind) verbunden mit Erinnerung an historische Verantwortlichkeiten, insbesondere deutsche Kriegsverbrechen auf griechischem Boden. Auch das scheint mir weiträumig gescheitert. Seit „Unsere Mütter, Unsere Väter“, sind wir rehabilitiert, mit der Vergangenheit braucht Ihr nicht mehr ankommen.
Weil politisch-historische Argumente nicht zogen, habt Ihr Euren Außenminister zum Spiegel-Interview geschickt, um uns am Beispiel seiner Person daran zu erinnern, dass griechische und deutsche Leute auch auf der individuellen Ebene viele Gemeinsamkeiten haben, zum Beispiel mit Onkel Maike („Früher war ich nicht so dick.“) oder Frank-Walter Steinmeier („Wir haben in Gießen in der selben Straße gewohnt.“). Mich hat Herr Kotzias überzeugt, am deutschen Amtskollegen prallte die Charme-Offensive jedoch ab. Selbst, dass Ihr Euch bei der Regierungszusammensetzung sehr an deutschen Aufsichtsräten und Vorständen orientiert habt (je weniger Frauen, desto besser), hat hier niemanden von Eurer Reformwilligkeit und Zukunftsfähigkeit überzeugt.
Liebe griechische Regierung, ich drücke Euch weiter die Daumen, gebt nicht auf! Nach wie vor glaube ich nicht, dass die EU wirklich will, dass Ihr aus dem Euro austretet. Lasst Euch nicht als Linkspopulisten oder gar -extremisten beschimpfen und mit der europäischen Rechten in einen Topf werfen. Schließlich benehmt Ihr Euch wie Menschenfreunde und versucht vor allem, denen zu helfen, die unter der Austeritätspolitik am meisten gelitten haben, denen die am wenigsten haben.
Leider könnt Ihr wohl gerade nicht damit drohen, dass Ihr Euch das Geld, was Ihr dafür braucht, einfach von den Russen leiht, aber es wird sich schon eine Lösung finden.
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