Die Lustigkeit von Karnevalskostümen

Als ich nach Köln zog und Karneval kennenlernte, war ich von der Lieblosigkeit mancher „Verkleidungen“ überrascht.  Verrutschte Blauhaarperücke auf besoffenem Kopf, sonst nix. So traut sich in Hannover keiner zu Fasching auf die Straße. Inzwischen habe ich aber eine gesunde Distanz zu diesem analfixierten Überehrgeiz in der Kostümgestaltung erlangt und schätze das basisdemokratische Element, welches der Toleranz  gegenüber auch dem allereinfallslosesten Gewand ja innewohnt. Nur ganz manchmal macht mich der Anblick eines verdreckten Polyester-Zebras noch ein bisschen traurig und ich denke still resigniert vor mich hin: „Musste es wirklich wieder „Biene“ sein?“.

Karnevalskostüme können Originalität und Witzigkeit auf verschiedenen Stilebenen erlangen. Zum Beispiel, weil sie lustig aussehen. Sehr gut gefiel mir bis zu ihrem Tod „Amy Winehouse“.  Aus irgendeinem Grund erheitert mich auch das Modell: „Zuhälter mit einer Gruppe Nutten“.  Dann gibt es die Variante „Anspielung auf aktuelles politisches Geschehen“, vor ein paar Jahren ging jeder zweite Herr in Köln als „Guttenberg“.  Billiges Kostüm, es kostete nur eine Tube Haargel. („Edathys“ werden wir wohl diese Saison nur wenige sehen.) Manche Verkleidungen funktionieren über Wortwitz oder andere Abstraktionen. Das Lieblingskostüm einer Freundin ist „Werft“, einzig und allein, um Männern sagen zu können: „Willst Du bei mir andocken?“ (Das war noch im überformalisierten Hannover, wo dem Sex mit fremden Leuten ein Anmachspruch vorauszugehen hat).  Mein momentaner Favorit (Dank an Nörgelvid für die reizende Idee) in dieser Reihe ist „Forscher, kurz nach einem schiefgegangenen Experiment“. Ich prognostiziere, das wird dieses Jahr nicht zu steigern sein, aber wer weiß, vielleicht schickt mir ja jemand noch andere gute Beispiele.