K.-o.-Tropfen – Pro und Contra

Grundsätzlich lehne ich K.-o.-Tropfen (Schreibweise von Wikipedia übernommen) ab. Wenn ich von K.-o.-Tropfen-Ereignissen und ihren Opfern lese, fühle ich mich alt und denke, dass ich eine weniger anstrengende Adoleszenz hatte als junge Damen dieser Tage. Teenagerin sein, sich unglücklich verliebt und manchmal auch im Alkohol Trost suchend auf Tanzveranstaltungen und anderen Ereignissen herumzutreiben, war bereits ohne die allgegenwärtige Bedrohung, dabei  noch betäubt und vergewaltigt zu werden, Mühsal genug.

Daher sind mir bis eben keine guten Argumente für K.-o.-Tropfen eingefallen. Der Express hat mich nun gerade mit der Schlagzeile:

Express

zu einer günstigeren Interpretation der Möglichkeiten der Tropfen inspiriert: So doof diese auch sein mögen, der einen oder anderen weiblichen Person können sie  nach einer rein alkoholinduzierten Danebenbenehmung vielleicht als wohlfeile Ausrede dienen, zum Beispiel: „Im fümpfzehnten Glühwain wahn K.-o.-Tropfen“! – „Na gut, dann ist es nicht so schlimm, dass Sie vor den Verkaufsstand gekackt haben, diese hinterhältigen Männer aber auch immer!“. Frau sollte es in einem solchen Falle dann aber nicht auf eine polizeiliche Beweiserhebung ankommen lassen.

Pegida – Pro und Contra

Eine Sache gefällt mir an Pegida: Und zwar, dass die nicht mit der „Systempresse“ reden. Wäre ich eine Protestbewegung, ich machte es genauso. Zwar glaube ich nicht, dass Fernsehsender und Zeitungen sich verabredet haben, nur noch die Unwahrheit zu verbreiten, aber dem öffentlichen Bildungsauftrag und der damit einhergehenden Verpflichtung zum Bemühen um Objektivität wird auch niemand mehr so richtig gerecht (naja, sagen wir mal: alle außer Phoenix). Indigniert stellte Günther Jauch gestern fest, dass Pegida nicht in seine Talkshow kommen will. Heul doch! Ich würde zu dem auch nicht hingehen. Ausreden lässt einen da keiner und wenn es schlecht läuft, wird man hinterher wochenlang als „Quassel-Imam“ beschimpft.

Natürlich gibt es auch Sachen an Pegida, die mir nicht gefallen, zum Beispiel die öffentliche Auseinandersetzung damit. Ich habe mir die Talkshows zum Thema angeschaut und hätte noch was zu ergänzen. Meines Erachtens wird den Pegida-Aktivistinnen und -Aktivisten zu viel entgegenkommendes Verständnis zuteil: „Wir müssen die Sorgen der Demonstrierenden verstehen!“, fordern Diskutantinnen und Diskutanten jeglicher politischer Provenienz. Nein, liebe Leute, das müsst Ihr nicht. Ich verstehe ja, dass Ihr Euch auch an die unsympathischen Elemente des Wahlvolkes ranwanzen wollt, aber dabei solltet Ihr Maß halten. Pegida muss nicht verstanden, sondern als rassistisch benannt und beschimpft werden: „Die Islamisierung des Abendlandes“ ist keine reale Bedrohung und keiner Sorge wert. Der sich dahinter nur sehr schlecht versteckende kulturelle Rassismus hingegen schon. Gruselige Ergebnisse erreicht man auch durch Ersetzen von „Islamisierung“ durch „Judaisierung“ („Patriotische Europäer gegen die Judaisierung des Abendlandes“, zum Beispiel).

Sorgen sollten sich die VolksvertreterInnen und alle anderen um die Frage, wo eigentlich unsere Empathie und Humanismus geblieben sind. Die Leute in den Flüchtlingsheimen sind die Schwächsten unter den Schwachen bei uns, und auf denen wird jetzt rumgetrampelt. Vielleicht sind nicht alle diese Menschen politisch verfolgt im Sinne des deutschen Asylrechts. Na und? Trotzdem sind es Menschen, denen es, da wo sie herkommen, schlecht ging und die sich ein besseres Leben wünschen, sonst wären sie ja nicht hier und würden sich diesen entwürdigenden Umständen aussetzen. Ich habe selber öfter mal mein Herkunftsland für länger verlassen. Das war immer freiwillig, aus Neugierde und Abenteuerlust, ich hatte immer genug Geld, Freunde, Familie und ein Zuhause in das ich zurück konnte. Trotzdem habe ich mich manchmal sehr alleine und einsam gefühlt. Und das, obwohl niemand gegen mich demonstrierte, meine Abschiebung forderte, mich persönlich bedrohte oder versucht hat, mich anzuzünden.

Also bitte kein Verständnis für die Sorgen der Pegida-Leute, sondern für die Menschen, die von denen angegriffen  werden. Ich möchte zum Beispiel gerade nicht gerne (vermeintlicher) Muslim in Sachsen sein. Ich würde mir wie ein Teil einer kleinen (es sind ja nur 4.000), dafür aber ziemlich bedrohten Minderheit vorkommen. Und das wäre ich ja auch.

 

 

Charles Manson heiraten pro und contra

Wer sich ab und an im Internet herumtreibt, dem konnte, neben Tim Wieses Wrestling-Einsatz, die Nachricht nicht verborgen bleiben, dass Charles Manson sich mit einer 26jährigen Blondine zu vermählen gedenkt.

Attraktive junge Dame, die das Leben mit allen seinen Chancen noch vor sich hat, heiratet Massenmörder/Person von vergleichbar problematischem sozialen  Status – Es ist ja nicht nur Charles Manson, von diesen Fällen gibt es viele. Fast scheint die Verpaarung normaler Frauen mit Massenmördern ein Massenphänomen, und damit der näheren Betrachtung wert: Wie erklären sich die Beziehungspräferenzen dieser eigentlich doch mit allen Wahlmöglichkeiten ausgestatteten Damen? (Kurzer Einschub: Manchmal ist die Klassifizierung des Sujets kompliziert: Gefährlicher Psychopath oder „Husband-Material“ –  Oft liegt die Abgrenzung sehr im Auge der Betrachterin. Um ein paar Beispiele zu nennen: Lothar Matthäus, Markus Lanz, Uli Hoeness – Discuss!).

Einige Vorteile der genannten Konstellationen liegen  unmittelbar auf der Hand. Kapitalverbrecher dürfen in der Regel nicht zu Hause wohnen – und können damit auch nicht in die Entscheidung über das Fernsehprogramm eingreifen (Hm, Jörg, ich glaub, ich fahr mal kurz nach Ossendorf). Aber nehmen wir diese These mal etwas ernster:

Abwesenheit ist gut, Abwesenheit schafft Raum. Menschen, die nicht da sind, bieten Vorteile: In der Beziehung mit jemandem, der nicht da ist, kann ich einfacher meine Autonomie bewahren. Wir sind weniger verletzlich und haben mehr Raum für Projektionen. Die Phase der Verliebtheit lässt sich länger ausdehnen, die Liebe muss sich niemals im Alltag bewähren, praktisch, denn meistens scheitert das ja früher oder später. Die Beziehung mit einem Abwesenden kann ich weitestgehend selber definieren und bestimmen. Wenn ich, wie doch viele, noch nicht so genau weiß, wer ich bin und was ich will, ist das erstmal hilfreich. Die Liebe zu Charles Manson ist damit der völlig normalen Teenagerliebe zu Justin Bieber oder derjenigen der älteren Frau zu ihrer Katze gar nicht mal unähnlich.

Aber inhaftierte Massenmörder sind ja nicht nur nicht da – Sie haben außerdem noch viel Zeit:  Zum Schreiben romantischer Briefe, dazu auf die Besuche der geliebten Person zu warten etc. Dass mir ein Galan einen echten Liebesbrief schrieb, ist lange her (Naja, was sollte er heutzutage auch schreiben – „Gib mir mal die Fernbedienung!“?). Aber eigentlich war sowas doch schön (Ossendorf, ich komme!). Zwischen der gefangenen und der sich in Freiheit befindlichen Person besteht ein Machtgefälle. Der Eingesperrte muss warten und sich, im Rahmen seiner eingeschränkten Möglichkeiten, ziemlich anstrengen, enge Grenzen sind häufig eine unverzichtbare Voraussetzung kreativer Prozesse. (Von einer Beihilfe zum Gefängnisausbruch würde ich im Interesse der Beziehungsdynamik daher abraten).

Je länger ich schreibe, desto sinnvoller scheint mir eine Ehe mit Charles Manson. Na gut, er hat ein Hakenkreuz auf die Stirn tätowiert, eigentlich nicht cool und auch nicht sympathisch, dafür aber auch sehr unalltäglich – Und eine effektivere Form der Rebellion gegen die Eltern ist kaum vorstellbar. Außerdem der ganze Ruhm und Thrill – Ganz ohne eigene Arbeit/gute Ideen schaffe ich es in die Bildzeitung und Geschichtsbücher – Ohne dass ich was Besonderes gemacht habe, werde ich zu jemand Besonderem (so erkläre ich mir beispielsweise die aktuelle Ehefrau von Helmut Kohl). Ich bekomme einen ganzen Menge Bonnie und Clyde-Experience ohne mich tatsächlich in Gefahr zu begeben.

Und Contra? Naja, wiederum ist es offensichtlich. In der Liebe zum Abwesenden begeben wir uns der Chance, einen anderen wirklich kennen- und lieben zu lernen. Sofern es sowas denn überhaupt gibt. Kann man wirklich was über einen anderen wissen oder gibt es sowieso nur unüberwindbare Grenzen und Projektionen? Lohnt sich die Mühe? Georg Büchner legte Danton dazu mal die folgenden Worte (als Antwort auf eine diesbezügliche Frage seiner Geliebten) in den Mund:

„Was weiß ich! Wir wissen wenig voneinander. Wir sind Dickhäuter, wir strecken die Hände nacheinander aus, aber es ist vergebliche Mühe, wir reiben nur das grobe Leder aneinander ab – wir sind sehr einsam.“

 

 

 

 

 

Politisch aktive Hooligans pro und contra

Eigentlich finde ich es gut, wenn sich Hooligans und andere Fußballfans allgemeinpolitisch engagieren. Schon immer hat mich der Gedanke verstört, dass es so viele Menschen gibt, die sich mit anderen Menschen prügeln, nur weil sie unterschiedliche Fußballmannschaften gut finden. Diese Überidentifikation mit einem Verein, der doch primär an ökonomischen Prinzipien ausgerichtet ist, halte ich für eine entfremdete, unproduktive Kanalisierung fehlgeleiteter Energien. Ähnlich entfremdet finde ich, nebenbei gesagt, die ganzen Damen und Herren, welche sich so sehr mit der Firma identifizieren, die ihre Telefone und Computer herstellt. „Eigentlich müsst Ihr doch noch ein paar weitergehende Interessen und Anliegen haben, reflektiert das doch mal, Leute“, sage ich in Gedanken, begleitet von einem kleinen Überlegenheitsgefühl, öfter mal zu denen allen.

Im Grundsatz ist daher die gestrige Demonstration in meinem Sinne. Die konkrete Ausprägung war dann allerdings entsetzlich. Unter dem Motto „Hooligans gegen Salafisten“ versammelten sich über 4.000 Fußballfans, Nazi-Skinheads und andere Rechtsradikale hinter dem Kölner Bahnhof und übernahmen dort für ein paar Stunden die Macht. „So etwas habe ich noch nie erlebt, zum ersten Mal in meinem Leben hätte die Polizei mich beschützen müssen, aber sie hat versagt.“, teilte mir mein nachhaltig erschütterter Freund mit, der unter den paar hundert Gegendemonstranten, die sich vor dem Bahnhof zusammengefunden hatten, gewesen war. Mitten in Köln (immer noch Hauptstadt der antifaschistischen Folklore!) trat die Nazi-Band Kategorie C auf und sang: „Heute schächten sie Schafe und Rinder, morgen vielleicht schon Christenkinder. Zu unseren „Wir sind ja so tolerant zu allen Ausländern“-Großkonzerten – das Birlikte-Festival ist noch nicht lange her – versammeln sich immer zehntausende Kölner. Jetzt, wo es mal drauf ankam, waren alle (außer ein paar Aufrechten), inklusive mir, woanders. Zu unserer Verteidigung: Diese Veranstaltung war viel gefährlicher, sehr unerbaulich und im engeren Sinne auch nicht familienfreundlich.

Rechtsradikale Demonstrationen bestanden in Köln meiner Erfahrung nach bislang in der Regel aus ca. 20 kläglich-verbitterten Kleinbürgern, die die Abschaffung des Autonomen Zentrums, der Moschee oder ähnlichen Quatsch fordern und es dann mit einer ihre Personenzahl um ein Vielfaches übersteigenden linken Gegenveranstaltung zu tun bekommen. Zu einer interessanten Begegnung auf Augenhöhe wird das Ganze immer erst durch die nachteilsausgleichende Unterstützung der Stadt Köln, die den Rechten zur Hilfe eine große Menge Polizisten vorbeischickt. Diese heiteren Zeiten scheinen vorbei zu sein. Irgendetwas gerät da nachhaltig und immer weiter aus den Fugen. Gestern war nichts mehr lustig, mit viel Galgenhumor betrachtet vielleicht noch die Berichterstattung: Die plötzliche Bedrohung titelt Spiegel Online, „Das Thema Salafismus ist nur vorgeschoben“ Süddeutsche.de.

Ja, Süddeutsche, das ist aber mal eine ziemlich naheliegende und nicht so schlagzeilenträchtige Idee. Nein, Spiegel, die Bedrohung kommt gar nicht so plötzlich. Für die antimuslimische, rassistische Stimmung in Deutschland seid Ihr und viele andere Vertreterinnen und Vertreter der bürgerlichen Medien mitverantwortlich. Mir kommt da zum Beispiel Günther Jauchs unrühmliche Talkshow „Gewalt in Allahs Namen – wie denken unsere Muslime?“ (allein der Titel ist hanebüchen) in den Sinn. Wer vorgibt, neutral und objektiv über ein Thema, „den Islam“, informieren zu wollen, und dann viel Mühe aufwendet, um mit Abdul Adhim Kamouss einen der unsympathischsten Vertreter herauszusuchen, den diese Religionsgemeinschaft vermutlich zu bieten hat und der sogar Heinz Buschkowsky im Vergleich sympathisch erscheinen lässt, sollte sich über die Folgen nicht beschweren. Die aktuelle (von der politischen Mitte mehrheitlich getragene) nationale und europäische Flüchtlingspolitik ist meines Erachtens menschenfeindlich und rassistisch. Das wäre noch ein anderer Artikel. Aber wenn die EU das Mare Nostrum-Programm aufgibt, mit dem in den letzten beiden Jahren im Mittelmeer über hunderttausend Flüchtlinge aus Seenot gerettet werden konnten, weil es mit 9 Millionen Euro im Monat zu teuer ist, dann darf sich doch niemand wundern, dass manche Leute auf die Idee kommen, dass manche Menschen weniger wert sind als andere.

Katzengrillen pro und contra

Bild.de hat es mal wieder geschafft, mich zu verärgern: „Ein Asiate hat die Katze eines Nachbarn gegrillt.„, war dort gestern zu lesen. Kann ja sein, dass ich mich ein bisschen zu ausführlich mit wertschätzender und inklusiver Sprache beschäftigt habe, aber ich bin doch fassungslos. Wer soll das denn sein: „ein Asiate“? Auch, wenn es sich bei den Übeltätern um die Bild-Zeitung handelt: Dass so eine Formulierung es überhaupt von des Autoren Kopf in einen Text, geschweige denn über Lektorat (ok, hat Bild vielleicht nicht) bzw. Redaktion bis zur Veröffentlichung schafft, hat mich überrascht.

Das mit dem Katzengrillen finde ich hingegen nicht so aufregungswürdig. Vielleicht hat meine Mama da was in der Erziehung falsch gemacht und ich sehe das zu kaltherzig, aber ich finde, mit dem Risiko, eingefangen und gegessen zu werden, müssen freilaufende Katzen leben. Das ist ihnen zuzumuten. So eine Grillkatze hat doch bis zum Zeitpunkt des Verzehrtwerdens ein tausendmal besseres Dasein gehabt, als beispielsweise die große Mehrzahl der Hühner, Kühe oder Schweine, in unserem Land, welche in ihrem Leben nie das Tageslicht gesehen haben und die diese häufig trostlose, tierunwürdige Existenz allein deswegen fristen, damit wir sie irgendwann essen können.

Natürlich tun mir die betroffenen Tiere und auch ihre Menschen leid. Aber das überzogene Bohei – Andernach in Panik – erinnert mich mal wieder daran, wie krank ich diese Aufspaltung in Haus- und Nutztiere und die daraus folgende unterschiedliche Behandlung finde. Der neurotische Dackel und die verfettete Katze (Deutsche Leute geben pro Jahr über eine Milliarde Euro für Katzenfutter aus, ich frage mal lieber nicht, wie viel Geld für Flüchtlingsheime aufgewendet wird), die vermenschlicht werden, als Beziehungsersatz dienen und mehr Liebe als der Ehepartner bekommen und auf der anderen Seite die gequälten zukünftigen Schnitzel. Ihr spinnt doch alle, Leute!

Der „mutmaßliche Katzenkoch“ hat Informationen des Express zufolge übrigens Integrationswillen gezeigt: „Gegenüber Polizisten zeigte er sich einsichtig und versprach seine Lebensgewohnheiten anzupassen.“