Re-Post: Wahlplakate-Spotting in Köln-Ehrenfeld

Vorweg: Findet Ihr auch, dass Wahlkampf ist, aber so richtig danach anfühlen tut es sich nicht? Immer wieder mal tauchen unmotiviert ein paar Wahlplakate auf, aber auch nicht zu massiv. Natürlich sollte sich die SPD die, wie ich gehört habe sollen es 17 Millionen sein, Wahlkampf-Euro sparen und lieber für noch bittere Zeiten aufheben. AfD-Plakate gibt es hier, wo ich mich herumtreibe keine, dafür viele der wackeren MLPD. Wenn ich mir so diese Wahlplakate anschaue, dann gilt immer noch, was ich mal zur Europawahl schrieb und deswegen poste ich diesen Artikel einfach noch mal.

Heute war ich mit dem befreundeten Onkel zur Wahlplakate-Schau auf der Venloer Straße unterwegs. (Neben den Europawahlen sind in Köln auch Kommunalwahlen geplant). Dass zeitgenössische Wahlplakate verstörend beliebig und gestalterisch verhunzt sind, hat sich bereits herumgesprochen. Ein näherer Blick lohnt sich trotzdem: Parteienwerbung ist schrecklich, aber es gibt durchaus Unterschiede.

Wahlplakate und ihre Slogans sind ein Eldorado für Hobbypolitologinnen. Sie lassen sich auf viele Arten und Weisen klassifizieren. Die folgenden Ausführungen eignen sich übrigens auch als Quiz, zu den jeweiligen Slogans kann die zugehörige Partei geraten und durch Klick überprüft werden.

Recht naheliegend ist eine Einteilung in die Kategorien „konkrete politische Forderungen vs. völlig beliebige Phrasen“. In Gruppe eins fallen zum Beispiel „Fahrscheinlos statt planlos„, „Mehr Kitas und Gesamtschulen für Köln„, „Ein Freund für ein gutes Radwegnetz“ oder „Erzeugerpreise rauf – Lebensmittelpreise runter„. Hier handelt es sich um klare Forderungen, deren Erfüllung (oder zumindest Bemühen um eine solche) am Ende der Wahlperiode einfach zu überprüfen sein wird. Wesentlich schwerer ist das in der zweiten Gruppe: „Wir können Köln!„, „Einfach mobil„, „Damit es gerecht zugeht“ oder „Mitreden, Mitdenken, Mitmachen!“ sind schöne Beispiele. Der Grad der Allgemeinplatzhaftigkeit solcher Forderungen kann überprüft werden, in dem sie in ihr Gegenteil verkehrt werden: „Damit es ungerechter zugeht“, „Bezahlbarer Wohnraum nirgendwo in Köln“ oder „Mit Köln wissen wir nichts anzufangen“, würde keine Partei je postulieren. Eine verwandte Kategorisierung lautet: „sich ranwanzen an alle Kölner vs. Forderungen aufstellen, die voraussichtlich bei erheblichen Teilen der Wähler nicht so gut ankommen werden“. Gewinner in Gruppe eins sind beispielsweise: „Mehr Raum für unsere Pänz“ oder „Gelebte Nähe im Veedel„. Schöne Beispiele für Gruppe zwei sind das unvergleichliche „Rebellion gegen die EU ist gerechtfertigt“ oder aber auch „Weniger Kriminalität in Köln – Legalize it„, was gerade bei konservativen Mitbürgern nur bedingt mehrheitsfähig ist. Eine hohe Prävalenz in dem von mir untersuchten örtlichen Ausschnitt weist auch die Untergruppe „Versuchtes Einschmeicheln bei der Damenwelt, welches aufgrund mangelnder Expertise und/oder Glaubwürdigkeit aber fehlgeht“ auf. Hier weiß „Für die Befreiung der Frau“ zu gefallen. Wer ist „die Frau“, die da „befreit“ werden soll. Das sind Fragen, die wohl nur sehr schwer zu beantworten sein werden und eine geringe weibliche Beteiligung bei der Plakatkonzeption vermuten lassen. Ganz ähnlich, hier schlägt es sich in der visuellen Umsetzung nieder,  der Slogan „Erfolgreich im Beruf und mehr Zeit für die Familie„, wo sich auf dem Plakat, in Abwesenheit jeglicher Frauen, natürlich die zwei Alpha-Männchen der werbenden Partei über diese wichtige Aufgabe Gedanken machen. Die CDU scheitert dann mit „Kinder? Job? Beides!“ zumindest an denen, die sich noch an die nicht allzulang zurückliegende Einführung des Betreuungsgeldes erinnern.

Abschließend sei noch meine persönlich favorisierte Plakatkategorie genannt: „Kuhschnauze ragt so unmotiviert deplaziert und perspektivisch verzerrt aus ihrem Rahmen, dass eine Abgrenzung zwischen voll daneben und interessanter Kunst gar nicht so einfach ist.

 Wahlplakate13Mlpdkuhschnauze

 

 

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