Dialog mit Jens Spahn

(Quelle: FAZ, indirekte Rede teilweise als direkte Rede wiedergegeben.)

Jens Spahn: „Schon der Westfalle, der ins Rheinland kommt, weiß ja, dass Vielfalt bereichern kann. Es ist aber nicht alles bereichernd, Zwangsheirat und Ehrenmord sind es nicht.“

Irgendeine nicht rechtspopulistische Person (I): „Und niemand, aber auch niemand, außer denjenigen, die Zwangsheirat und Ehrenmord aktiv betreiben, behauptet das.“

Jens Spahn: „Da kann man doch nicht immer sagen, das ist eine andere Kultur, dafür müssen wir Verständnis haben. Das müssen wir nicht.“

I: „Und deswegen hat das ja auch noch nie jemand gesagt.“

Jens Spahn:  „Das ist der Unterschied zwischen Leitkultur und Multikultur.“

I:  „Nein.“

Jens Spahn: „Das Denken der Achtundsechziger und Multikulti sind durch, das wollen die Menschen nicht mehr haben.“

I: „Was meinst Du denn mit Denken der Achtundsechziger, Jens Spahn? Sowas wie die Forderung nach Gleichberechtigung der Frauen oder von homosexuellen Menschen? Die Idee, dass die bundesdeutschen Eliten auch ganz gut ohne Altnazis auskommen könnten? Dass die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit eine sinnvolle Sache wäre, der Vietnamkrieg aber eher nicht?“

Jens Spahn (von hier an fiktiv):  „Ich möchte wiederholen: Wir brauchen ein Burkaverbot, weil sonst, die Frauen beim Autofahren bei der Geschwindigkeitsüberschreitung und so. Außerdem fordere ich ein Verbot von Krokodilfleisch in Pferdelasagne und von spanischsprachigen Kellnern, das wollen die Achtundsechziger nicht. Und wir brauchen wieder mehr NSDAP-Mitglieder im Richteramt, alles andere ist doch Multikulti, äh nein, so meinte ich das nicht, außerdem, wie ginge das, da gibt es ja gewissermaßen einen altersbedingten Fachkräftemangel. Fachkräftemangel, wir brauchen Zuwanderung, aber nur von Fachkräften und nur von Fachkräften ohne Burkas. Und keine spanischen Kellner, ach, nee, englische Kellner, ich meinte englische Kellner, aber auch die müssen nackig duschen im Fitness-Studio, sogar, wenn das den Achtundsechzigern möglicherweise gefällt, da müssen wir durch, spanisch, spanische Gedichte, die sind wiederum gut. Noch Fragen?“

I: „Jens Spahn, Was hat dich bloß so ruiniert?“

 

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Onkel Maike berät die Medien (3)

Liebe „Medien“ und sonstige sich öffentlich äußernde Personen und Institutionen,

immer wieder berate ich Euch gerne zu der Frage, wie Ihr die Qualität Eures Outputs ohne großen Aufwand massiv steigern könntet. Zwar setzt Ihr nicht immer alles sofort um, aber das kenne ich von mir selbst. Tipps und Anregungen können noch so gut und praktikabel sein, häufig ist es dennoch nicht einfach, gewohntes Verhalten zu ändern. (Aktuell, zum Thema: „Warum Verhaltensweisen ändern schwer ist“, ZeitOnline )

Also bin ich geduldig und erlaube mir einfach hin und wieder ein paar Empfehlungen. Heute komme ich mal mit einer dringenden Anregung um die Ecke: Liebe alle Menschen, die vorhaben, sich zur Bundeskanzlerin zu äußern, hört bitte damit auf, von „Machterosion“ zu schreiben. Hört bitte weiterhin sofort damit auf, in irgendeiner Form zu insinuieren, dass Merkel verzweifelt an ihrer Macht klebt und dafür alles in Kauf nimmt (sogar einen SPD-Finanzminister).

Ja, Angela Merkel ist eine bizarre, skurrile Person (aber dabei auch niedlich). Und sie ist, wie ich finde, für viele furchtbare Dinge verantworlich. Vor lauter Alice Weidel und Alexander Gauland vergessen wir manchmal ganz, dass Frau Merkel zu Phänomenen wie der AfD einen beachtlichen Beitrag geleistet hat. Für mich ist sie beispielsweise mitschuldig an der Entpolitisierung des öffentlichen Diskurses. Die Technik des Redens aber Nichtssagens hat sie zu bislang ungekannter Vollendung getrieben und damit unsere demokratische Kultur nachhaltig geschädigt.

Außerdem können wir ihr eine furchtbare, ich nenne das gerne „neoliberale“, Wirtschafts- und Finanzpolitik ankreiden. Meines Erachtens hat die von Merkel verantwortete Austeritätspolitik, vor allem in Südeuropa, soziale Verwerfungen und Elend erzeugt. Dies ist unter anderem mitursächlich für die Auflösungstendenzen in der EU. Deutsche Europa-Politik war stets durch Eigeninteressen und völlige Rücksichtlosigkeit in Bezug auf die Bedürfnisse anderer EU-Staaten geprägt. Dies ist sicher nicht die einzige, aber doch auch eine Ursache für die europäischen Entsolidarisierungsbewegungen. Die Ungar*innen, Brit*innen, Pol*innen, waren und sind nicht die ersten, denen die eigenen nationalen Interessen am wichtigsten sind. Das wird manchmal ganz gerne vergessen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Angela Merkel ist verantwortlich für einen Haufen Scheußlichkeiten. Lasst uns darüber reden. Und dafür nicht über ihre „Machterosion“. Meines Wissens ist sie amtierende Bundeskanzlerin und wird das auch bleiben. Daneben hängt sie aber nicht auf Tod und Leben von diesem Amt ab. Ich glaube ihr, wenn sie darlegt, dass sie sich die Kandidatur zur jetzigen Legislaturperiode sehr gründlich überlegt hat. Im Zuge dessen wird sie sich auch mit dem Leben nach ihrer Kanzlerschaft beschäftigt und sich ein paar attraktive alternative Optionen ausgedacht haben. (Nie vergessen, sie wirkt nur so putzig, sie hat einen sehr scharfen Verstand und macht davon Gebrauch). Das macht sie weniger erpressbar, als manche zu meinen scheinen.

Ja, die CDU hat, unter Führung der Kanzlerin, zur letzten Bundestagswahl ein desaströses Ergebnis eingefahren. Trotzdem ist es, in Anbetracht der Rahmenbedingungen, ein exzellentes Ergebnis. Die  kurze Phase menschenfreundlicher Flüchtlingsspolitik hat zu einer, auch von den bürgerlichen Medien mitgetragenen, massiven Hetz- und Desinformationskampagne (oder kürzer: einer sehr schlechten Presse) gegen Merkel geführt. (Irgendwie auch ungerecht, nichts hat Angela Merkel so geschadet, wie das einzig echt Gute, was sie je gemacht hat). Ja, das führt natürlich zu schlechter Stimmung in der Partei, aber letztlich nicht zu einer Machterosion. Das hat viele Gründe, vor allem aber denjenigen, dass Merkels Konkurrent*innen schlicht zu dumm, unfähig, offensichtlich moralisch völlig verkommen etc. sind, um eine Gefahr  für sie darzustellen. Wer soll ihr denn gefährlich werden? Dieses Bürschchen aus Schleswig-Holstein? Oder gar Jens Spahn? Da lachen ja die Hühner. Wir erinnern uns, Jens Spahn ist der Mann, der sich nicht zu doof ist, politischen Aktivismus für ein Burkaverbot zu entfalten oder sich öffentlich über englischsprachige Kellner*innen zu echauffieren. Mir scheint, er ist da, zum Glück, seiner Zeit ein wenig voraus. Noch denken viele Bundesbürger*innen, auch CDU-Wählende: „Was für ein dummer, populistischer schrecklicher Mensch.“. Soll er sich doch gleich für weniger Krokodilfleisch in Pferdelasagne oder ähnlich relevante Anliegen engagieren. Viele scheinen zu meinen, dass Merkel die Kontrolle entgleitet. Ich glaube, dass sie alles gut im Blick hat und wenn es doch mal haarig wird, hilft die SPD.

Davon, dass sich die Kanzlerin verzweifelt an ihre Macht klammert, kann nicht die Rede sein. Die Primärquelle für besagte Anamnese liegt in dem Umstand begründet, dass laut Koalitionsvereinbarungen das Finanzministerium der SPD zugeschlagen werden wird. Was für einen Aufruhr hat das erzeugt. Ich finde, dass wer in dieser Personalie einen Ausdruck merkelscher Verzweiflung sieht, sich ganz tüchtig irrt. Wir müssen uns doch nur mal vor Augen halten, wie erpressbar die CDU war. Ohne eine Zustimmung der SPD zum Koalitionsvertrag droht ja tatsächlich einiges Chaos im Lande. Aus Neuwahlen würden vermutlich sowohl die SPD als auch die CDU geschwächt hervorgehen. Und dann? Dasselbe Spiel von vorne? Auch wenn das ein interessantes Spektakel würde, so richtig wollen kann das bei vernünftiger Betrachtung niemand und schon gar nicht die konservative CDU und ihre Klientel.

Vor diesem Hintergrund hat Angela Merkel großartig verhandelt. Soll sich die SPD doch über ihr doofes Finanzministerium freuen. Wir erinnern uns währenddessen ans Grundgesetz, in dem irgendwo steht, dass die Richtlinienkompetenz, also das Recht, die Grundlinien des Regierungshandelns festzulegen, der Kanzlerin zukommt. Der Finanzminister darf schön brav alles ausrechnen und sich mit frechen Griech*innen herumschlagen (bestimmt muss er sich auch gut mit Excel auskennen). Wofür das Geld im Großen und Ganzen ausgegeben werden darf, bestimmt dann aber doch wer anders.

Ich halte Angela Merkel für vergleichsweise unverzweifelt. Sie guckt sich das alles mit ihren Kulleraugen interessiert an, wartet geduldig, bis die anderen sich einen noch größeren Fehler erlauben und ist vermutlich der Meinung, dass ihren Job niemand besser machen kann als sie selbst. Und, dass das deswegen nicht nur für sie persönlich gut wäre, sondern für alle Menschen im Land. Im Rahmen der gegebenen Umstände spricht einiges für diese Vermutung. Stellen wir uns sowas wie eine Nuklearkrise, eine Eskalation der Lage in der Ukraine, in Syrien oder eine andere Katastrophe vor. Wen hätten wir dann gerne in der Verantwortung? Jens „Krokodilfleisch“ Spahn ganz sicher nicht. Christian Lindner, Frauke Petry, Sarah Wagenknecht? Angela Merkel möchte uns das ersparen und das ist auch gut so. Nicht gut ist natürlich, dass mir auch nicht einfällt, wie der Untergang der Welt noch aufzuhalten wäre, aber danach war ja gerade nicht gefragt.

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Was haben Eulen und Angela Merkel gemeinsam? Sie gucken so harmlos aus ihren freundlichen Kugelaugen, sind tatsächlich aber zu sehr grausamen Maßnahmen willens und in der Lage. Fragt nur Mäuse oder Menschen in Griechenland.

 

 

 

 

 

SPD-Gedöns

Mein Verhältnis zur SPD und zu der Frage, ob sich überhaupt mit ihr auseinandergesetzt sollte, ist ambivalent: Korrupter Verräter*innenhaufen (aber es gibt doch viele Einzelmitglieder mit dem Herz am richtigen Flecken, hach), sowieso alles ein bürgerlich-neoliberaler Einheitsbrei, alles eine Inszenierung, wenn ich darüber spreche als sei es real, mache ich mich nur zur Mittäterin (aber hach, jetzt guck ich doch mal den ganzen Tag lang Sonderparteitag, wo mir dann bei Andrea Nahles‘ Rede fast übel wird, so fies finde ich die, aber es sind ja nicht alle so wie Andrea Nahles, und die ist ja auch nur so geworden, wegen dem System.). Und so dreht es sich im Kreis.

Einerseits ist das alles ein würdeloses Spektakel, tatsächlich geeignet, die Politikverdrossenheit noch zu steigern. Andererseits liegt die Katastrophe doch in den Inhalten, im erneuten Entschluss zur Groko und der Weigerung der SPD, konsequent vom neoliberalen Kurs abzukehren. Apropos: Bei allem Geschimpfe über die SPD, ich höre nur höchst selten Kritik daran, dass ihr in der letzten Legislatur Wille und Mut gefehlt haben, die noch vorhandene linke Mehrheit für die sozialdemokratische Sache nutzbar zu machen. Wir könnten Martin Schulz auch vorwerfen, dass er sich im Wahlkampf von Anfang an deutlich von der Linken distanziert hat. Dass er am Ende dieses ganzen Chaos gerne Außenminister werden wollte, und dabei irgendwie nicht mehr gepeilt hat, dass an dieser Stelle nun die Partei sagen würde, jetzt ist aber mal Schluss,  finde ich fast nachvollziehbar.

Ich glaube nicht, dass MartinSigmarOlafAndrea persönlich korrupt oder bewusst brutal rücksichtslos sind. Vielmehr scheint mir das System, die Ämter, das Politker*innenleben darauf hinzuführen, dass die darin Verstrickten einerseits den Bezug zur Realität verlieren, andererseits, damit verbunden, aber auch davon abhängig werden. Sie glauben alle daran, dass es ohne sie nicht oder zumindest nicht so gut laufen wird. Bei Angela Merkel befürchte ich sogar manchmal, dass das stimmt (ich meine nicht im Vergleich zu Che Guevara, aber eben im Vergleich zu Jens Spahn). Martin Schulz, das müssen wir ihm doch lassen, wollte ursprünglich nicht in eine Groko eintreten. Wäre es nach ihm gegangen, wäre die nicht zustandegekommen. Dann hat die Staatsraison zugeschlagen. (Inzwischen hätte ich vor Neuwahlen übrigens auch Angst, die AfD würde möglicherweise direkt zweitstärkste Partei werden und nicht erst in vier Jahren, das muss auch nicht sein).

Und dann hat Martin sich gedacht, jetzt habe ich das Europakapitel im Koalitionsvertrag so schön ausgehandelt, jetzt will ich es auch umsetzen. Keiner ist dafür  besser geeignet als ich, Sigmar kann ja nicht mal Spanisch. Egal, wie lächerlich und unbeliebt ich mich jetzt kurz mache, im Amt des Außenministers ist noch die absurdeste, vorbelasteteste Knalltüte zum beliebtesten Politiker der Republik mutiert. Und fast hätte das auch geklappt. Schulz hat, vielleicht nur ganz leicht, den Wahnsinn von Sigmar Gabriel unterschätzt. Aus diesem heraus brach, sobald der Außenministernimbus, wie eine Schutzschicht, zu schwinden drohte, einem Werwolfe gleich, der innere Grobian hervor: „Meine Tochter findet den Martin auch doof.“, ließ er die Weltöffentlichkeit wissen. (Für meinen Geschmack übrigens unterdiskutiert: die Frage, ob Gabriels Frau ihn dafür eigentlich angemessen sanktioniert hat. Rausschmiss wäre das Mindeste. Schließlich ist ja der Grund für Sigmars Wut, die er seiner Tochter in den Mund legte, die Tatsache, dass er künftig deutlich mehr Zeit für Frau und genau jene Tochter haben wird.).

Jetzt lassen alle SPD-Führungskader, die was auf sich halten, verlauten, dass die Sachfragen nun wieder in den Vordergrund treten mögen. Auch dafür sind sie sich nicht zu doof, dabei sind sie doch für alle diese Verwerfungen gemeinsam verantwortlich. Absurd, kaum zu glauben, immer neue, überraschende Volten, dramatische Schicksale: Als Bild, Metapher oder Geschichte funktioniert das gut. Politisch würde ich sagen, dass die skizzierten personellen Querelen einen Spiegel des strukturellen, inhaltlichen Bankrotts der Partei darstellen. Wenn das System, die Verhältnisse, die Menschen, die in ihm agieren, so werden lassen, dann ist im Kern etwas falsch. Naja, als hätten wir das nicht schon gewusst.

euli

Mein anderes aktuelles Stecken“pferd“ neben der SPD: Eulen. Die haben auch mehr Grazie.

 

 

Die Lustigkeit von Karnevalskostümen

Vor-Vorbemerkung: Dies ist schon der zweite Re-Post meines Karnevalartikels, der weiterhin nichts an seiner Aktualität verloren hat. Nur die Kostüm-Themen ändern sich natürlich von Jahr zu Jahr. Wird es heuer viele „Martins“ geben? Was ist der hotteste Shit in der S13 nach Leverkusen? Wir berichten in den Kommentarspalten (sofern Mrs. Columbo Lust hat).

Vorbemerkung: Der befreundete Onkel berichtet mir per Chat aus den Karnevalswirren des Kölner öffentlichen Nahverkehrs, da fiel mir dieser drei Jahre alte Artikel ein, der im Grunde nichts von seiner brennenden Aktualität (Kostüm „Trump“ – Totes Eichhörnchen auf den Kopf nageln, fertig) eingebüßt hat. 

Als ich nach Köln zog und Karneval kennenlernte, war ich von der Lieblosigkeit mancher „Verkleidungen“ überrascht.  Verrutschte Blauhaarperücke auf besoffenem Kopf, sonst nix. So traut sich in Hannover keiner zu Fasching auf die Straße. Inzwischen habe ich aber eine gesunde Distanz zu diesem analfixierten Überehrgeiz in der Kostümgestaltung erlangt und schätze das basisdemokratische Element, welches der Toleranz  gegenüber auch dem allereinfallslosesten Gewand ja innewohnt. Nur ganz manchmal macht mich der Anblick eines verdreckten Polyester-Zebras noch ein bisschen traurig und ich denke resigniert vor mich hin: „Musste es wirklich wieder „Biene“ sein?“.

Karnevalskostüme können Originalität und Witzigkeit auf verschiedenen Stilebenen erlangen. Zum Beispiel, weil sie lustig aussehen. Sehr gut gefiel mir bis zu ihrem Tod „Amy Winehouse“.  Aus irgendeinem Grund erheitert mich auch das Modell: „Zuhälter mit einer Gruppe Nutten“.  Dann gibt es die Variante „Anspielung auf aktuelles politisches Geschehen“, vor ein paar Jahren ging jeder zweite Herr in Köln als „Guttenberg“.  Billiges Kostüm, es kostete nur eine Tube Haargel. („Edathys“ werden wir wohl diese Saison nur wenige sehen.) Manche Verkleidungen funktionieren über Wortwitz oder andere Abstraktionen. Das Lieblingskostüm einer Freundin ist „Werft“, einzig und allein, um Männern sagen zu können: „Willst Du bei mir andocken?“ (Das war noch im überformalisierten Hannover, wo dem Sex mit fremden Leuten ein Anmachspruch vorauszugehen hat).  Mein momentaner Favorit (Dank an Nörgelvid für die reizende Idee) in dieser Reihe ist „Forscher, kurz nach einem schiefgegangenen Experiment“. Ich prognostiziere, das wird dieses Jahr nicht zu steigern sein, aber wer weiß, vielleicht schickt mir ja jemand noch andere gute Beispiele.

seehofer

Hihihi, das ist doch schon mal klasse!

Wie man seinen Twitter-AfD-Grind mit Tier-Emoticons aufwerten könnte, wenn es Storch-Emoticons gäbe

Neulich nacht konnte ich nicht schlafen und habe mir, wie ich so wach vor mich hinlag, überlegt, dass beim Twittern die Namen vieler AfD-Politiker*innen mit Tier-(oder auch anderen) Emoticons geschrieben werden könnten. Beatrix von Storch würde mit dem Storch-Emoticon und Alexander Gauland mit einem Pferde-Emoticon plus die Buchstaben „and“ dargestellt werden. Alice Weidel könnten wir durch ein Weide/Wiesen- Emoticon präsentieren (ja, eine Weide ist kein Tier, aber immerhin ein Tier-Aufenthaltsort). Als ich dann aufwachte und im Twitter-Emoticon Menü nachschaute, stellte ich fest, dass es kein Storch-Emoticon gibt. Ich war enttäuscht, in meiner Vorstellung gibt es so einen Storch, er ist ganz süß, und gab den Plan auf. Aber weil ich die Idee lustig und auch praktisch finde, werde ich sie jetzt trotzdem präsentieren. Die Rolle des nicht vorhandenen Storchs wird einfach von einem Geier-Emoticon übernommen, gewöhnungsbedürftig, aber vielleicht am Ende ein würdiger Vertreter.

Jetzt aber in Medias Res: Stellt Euch vor, Ihr möchtet etwas twittern, Euch zum Beispiel, wie es unsereins ja oft ein Bedürfnis ist, negativ über die AfD und Ihre Führungskräfte äußern:

„Beatrix von Storch ist ja so 1 hater.“, würdet Ihr vielleicht twittern wollen. Hierfür könntet Ihr in Zukunft ein Emoticon verwenden und schreiben: „🦅 ist ja so 1 hater.“ (Stellt Euch vor, wie toll das wirkte, wenn da jetzt statt dem Geierkopf ein Storch stünde).  Damit würdet Ihr 15 Zeichen sparen und hättet damit Raum geschaffen für weitere 🦅-Beschimpfungen oder aber auch Platz für Verunglimpfungen anderer AfD-Politiker*innen, Alexander Gauland zum Beispiel. Um auch hier wiederum Zeichen zu sparen, brauchen wir nicht mehr „Alexander Gauland“ auszubuchstabieren, sondern können uns von nun an einfach mit einem  knappen „🐴and“ begnügen.

Hiermit haben wir wiederum 14 Zeichen gespart: „🦅 und 🐴and sind ja solche hater.“, könnten wir künftig schreiben, hätten 28 Zeichen ersetzt und Raum für noch viel mehr Informationen.  🦅 und 🐴and haben ja gemeinsam, dass sie jeweils mit einer häufig kritisierten äußeren Erscheinung gesegnet sind (ob das allerdings Gegenstand der politischen Auseinandersetzung sein sollte, ist eine andere Frage.):

„🦅 und 🐴and sind ja solche hater und sehen dazu auf ihre jeweils eigene Art sehr scheiße aus. 🐴and hat dazu immer noch diese hässliche Hundekrawatte um den Hals gebunden.“, könnte zum Beispiel, dank des durch Einsatz von Emoticons geschaffenen Platzes noch ergänzt werden. Aber auch hier gibt es weiteres Optimierungspotential:

„🦅 und 🐴and sind ja solche hater, sie sehen scheiße aus und dazu hat 🐴and immer noch diese hässliche 🐶👔 um.“, könnte man einfach schreiben und damit wiederum, zählt selber nach, ca. 36 Zeichen sparen. Ich muss hier allerdings dringend anmerken, dass ich Kritik an 🐴ands  🐶👔 aufs 🌶️ verurteile. Die 🐶👔 ist doch ganz witzig und lässt vermuten, dass 🐴and sogar ein bisschen Selbstironie aufzuweisen hat. Wirklich. Also schreibt lieber: „🦅 und 🐴and sind ja solche hater und bis auf 🐴ands 🐶👔 sind beide innerlich und äußerlich hässlich.“  Dabei wird durch Emoticon-Anwendung sehr viel Platz geschaffen, so dass sogar Raum ensteht, zusätzlich einige ehemalige AfD-Würdenträger*innen in unsere Beschimpfungen zu integrieren:

„🦅 und 🐴and sind ja solche hater und bis auf 🐴ands 🐶👔 sind beide innerlich und äußerlich hässlich. Zumindest äußerlich gar nicht hässlich, sondern irgendwie so fies-gemein-sexy ist hingegen Frauke Petry.“, könnten wir schreiben, den Platz hätten wir. Aber auch hier, Ihr ahnt es schon selber. „Frauke Petry“ würde ich mit einem „👠“ darstellen. Der „👠“ steht, unter anderem für eine strenge Domina und ist daher geeignet, dieses gemein-sexy menschenhasserische Wesen von Frauke Petry symbolisch einzufangen. Wir müssen dann auch nicht mehr schreiben: „Frauke Petry ist eine gemeine, miese Menschenhasserin, aber irgendwie macht mich das auch ein Bisschen geil, oh Gott, oh Gott, was ist meiner Kindheit da nur schiefgelaufen.“, all das ist durch den Gebrauch von „👠“ erfasst:

„🦅 und 🐴and sind ja solche hater und bis auf 🐴ands 🐶👔 sind beide innerlich und äußerlich hässlich. Zumindest äußerlich gar nicht hässlich ist hingegen 👠.“ So haben wir ungefähr weitere 56 Zeichen gespart und können auch noch etwas über den Mann von 👠, Markus 🥨, schreiben. Wir sparen damit wieder mindestens zehn Zeichen und können sagen: „🦅 und 🐴and sind ja solche hater und bis auf 🐴ands 🐶👔 sind beide innerlich und äußerlich hässlich. Zumindest äußerlich nicht hässlich sind hingegen 👠 und ihr Mann, 🥨.“

Und so weiter und so fort. Je mehr wir schreiben, desto mehr Zeichen sparen wir ein und können wiederum mehr schreiben, zum Beispiel über die schlechten Eigenschaften von 👠, 🥨 und Ihrer Partei, die 🔵, oder den bösartigen Björn 🐪 (🐪 schreiben wir mit einem Dromedar, denn der hat ja auch genau einen Höcke). Wenn wir einmal damit anfangen, hört es nie wieder auf und das kann noch sehr gefährlich für die AfD und ihre Ableger werden.

emoi

 

Auch mal das Positive erwähnen, nicht immer nur jammern

Habe mir bei Kaufland so niedliche kleine Schnapsfläschchen gekauft, alle möglichen Sorten, Originalsorten, Whiskey, Cognac, Pastis, Rum, alles sowas, gefüllt in Mini-Fläschen aus Bitterschokolade, finde sehr süs. Eingepackt in Aluminium, da aufgedruckt die Originallabels – wie in 1 Alkoholikerpuppenstube. Womit trinkst Du Dir eine desaströse politische Zukunft schön? – Algrokol!

snäpse

 

 

 

 

Alles scheise

Eigentlich wollte ich heute noch mehr über die SPD und darüber, dass eine erneute Groko in ihren Untergang führen würde, schreiben. Ich hatte ausführlich gegrübelt, wie die Sprache von Martin Schulz am treffendesten zu charakterisieren wäre. „Ich kann Martin Schulz nicht mehr hören.“, wollte ich sagen. Das ist wirklich so, ich kann ihn nicht mehr hören. Er macht mich aggressiv. Gut dressiertes Lehrerkind, das ich bin (da fällt mir ein, dass geplant war, diesen Post in vong-Sprache zu verfassen, formales Stilmittel, um die Egalheit allen Strebens zu illustrieren, aber das Über ich hat noch gewisse Kontrolle), also, gut dressiertes Lehrerkind, das ich bin (vong Bemühung um präzise Sprache her), wollte ich beschreiben, was das Besondere an Martin Schulz‘ Sprachduktus ausmacht. Gar nicht einfach #fürSiegetestet. „Martin Schulz hat ja eine ganz eigene Sprache.“ wollte ich sagen: „Ein warmer, leichter rheinischer Singsang, etwas nasal und immer emotional aufgeladen; stets schwingt die Möglichkeit mit, die Stimme könnte brechen und ins Weinen gleiten, weil das sozialdemokratische Herz vor Sorge über die Mühsal des kleinen Mannes bald überquillt.“ Zu viele Adjektive, aber sie stimmen alle. „Martin redet viel, sagt dabei jedoch, der Kanzlerin darin gleich, meistens wenig, zumindest nichts Konkretes.“, hätte ich angefügt.

Daran anschließend wollte ich darlegen, in was für eine auswegslose Situation Martin die SPD manövriert hat (wie passt der Titel „Tod eines Koalitionverhandlungssreisenden“?) und, dass es mit der SPD nach der nächten Groko endgültig vorbei sein wird , was wiederum auch egal wäre, wenn es eine andere sozialdemokratische Kraft gäbe (und nicht nur diese Nationalsozialdemokrat*innen um Wagenknecht/Lafontaine, die ja noch viel schlimmer als alles andere sind), welche die dann entstehende Lücke ausfüllen könnte.

Das war so die Gedankenlage bis heute morgen. Da machte mich Mrs. Columbo auf einige Spiegel-Artikel aufmerksam. Zum einen war zu lesen, dass die deutsche Regierung die Beschränkungen von Waffenexporten in die Türkei  aufheben will und außerdem, dass die türkische Armee jetzt kurdische Dörfer in Syrien angreift. Es ist so deprimierend. Zwar lassen sich aus den Berichten keine direkten Kausalzusammenhänge zwischen den konkreten Panzerdeals und aktuellen Militäroperationen ableiten. Sie stützen aber durchaus die Beobachtung, dass unsere Regierung, unter Mitwirkung von SPD-Außenminister Gabriel (laut letztem ZDF Politbarometer der beliebteste Politiker der Republik) grundsätzlich eine Politik „gestaltet“ die zu mehr Krieg, Tod und Flucht führt und nicht zu weniger. Eine klare Abgrenzung zu Erdogan und seinem Regime wäre in dieser Situation das Mindeste. Stattdessen lassen sich die bürgerlichen Parteien (rühmliche Ausnahme hier: die Grünen) von der AfD in der Flüchtlingsdebatte vor sich her treiben, vereinbaren de facto Aussetzungen des Familiennachzuges und scheinen kein wichtigeres Problem zu kennen als die Altersfeststellung bei Minderjährigen. Das ist alles so widerlich und die Frage, ob Groko oder No Groko scheint in diesem Lichte doch sehr nebensächlich.