Die Neururer-Challenge

In meinem letzten Fußballbeitrag habe ich in einem Anfall von Übermut behauptet, mit dem Thema Peter Neururer könne ein ganzer Fußballblog gefüllt werden. Das war mutig. Wie kam ich überhaupt auf die Idee? Es liegt wahrscheinlich an meiner Schwäche für Männer mit Humor. Denn eins steht fest: Peter Neururer ist lustig. Natürlich ist das nicht nur mir aufgefallen, sondern beispielsweise dem Fußballfachmagazin 11 Freunde, das sich, unter Hinzufügung eigener Witzigkeit, vom Bochumer Trainer zu vielen erquicklichen Artikeln inspirieren ließ. Hier wären unter anderem dieser Beitrag über „Seine schönsten Entlassungen„, oder auch dieser, in welchem er zu seiner Fähigkeit, Donald Duck zu imitieren (beeindruckend!!!) interviewt wird, zu nennen.

Peter „die eingeflogene Blutgrätsche war ein wirkungsvolles Stilmittel von mir“ Neururer überzeugt durch gute Sprüche und Taten. Zur Bochumer Torflaute fand er die angemessenen, wenngleich schon etwas zu heteronormativ geprägten Worte: „Das ist wie in der Liebe. Immer nur Petting ist auf Dauer sehr frustrierend. Irgendwann muss auch mal einer rein.“  Lange her, aber längst nicht vergessen ist, wie er, 1993, nach der Entlassung bei Saarbrücken mit Trainingshose und Porsche beim Amt vorfuhr, um sich arbeitslos zu melden.

Viel zitiert ist auch folgende Selbsteinschätzung: „Wenn wir ein Quiz machen würden unter den Trainern in Deutschland, wer am meisten Ahnung hat von Trainingslehre, Psychologie, und der Trainer mit den besten Ergebnissen kriegt den besten Club, dann wäre ich bald bei Real Madrid.“ Peter Neururer ist prollig und größenwahnsinnig, aber ein Teil von ihm ist sich dessen bewusst, was ja dann auch wieder nett ist.

Seine Trainer-Biographie hat darüber hinaus durchaus das Zeug zum Epos. Peter selber denkt, er sei der beste Fußballtrainer der Welt. Die Welt denkt das aber nicht, guter Stoff für einen Schelmenroman. Tatsächlich hat er auf seinen vielen Trainerstationen immer wieder bewiesen, dass er ein guter Feuerwehrmann ist, verschiedene Mannschaften, zum Beispiel meinen Verein Hannover 96, konnte er vor dem Abstieg retten. Trotzdem war ich höchst betrübt, als ihm damals bei uns eine Vertragsverlängerung angeboten wurde. Denn Neururer ist bekannt und geschmäht dafür, dass es ihm nie gelang, mit seinen Mannschaften konstante langfristige Leistungen und Erfolge zu erreichen. Auch in Hannover wurde er schnell wieder entlassen. So weit so üblich, Feuerwehrmänner sind im Fußball nicht selten. Bei Peter gibt es jetzt aber die freundliche Wendung, dass da ein Verein existiert, für den das eben Gesagte nicht gilt: der VfL Bochum. Man kann das auch als Allegorie über die einzige wahre Liebe lesen. Hier wirkte er über vier Jahre, führte die Mannschaft von der zweiten in die erste Bundesliga und war dann dort über eine längere Zeit sehr erfolgreich. Vorher und nachher hat er das nicht erreichen können. Irgendwann war er dann drei Jahre durchgehend arbeitslos, vertrieb sich die Zeit mit Golfspielen und als „Experte“ im Fernsehen, hatte einen Herzinfarkt und wurde, einen anderen Job hätte er wohl nie wieder bekommen, zum Ende der letzten Saison von einem VfL Bochum in fast aussichtsloser Abstiegsbedrängnis in der zweiten Liga wieder eingestellt. Es folgte eine fulminante Rettung in letzter Minute, momentan steht die Mannschaft auf dem 13. Platz.

Ich wünsche Peter Neururer aufrichtig, dass seine zweite Station in Bochum noch lange gut läuft (ich werde es verfolgen und ausführlich darüber berichten). Er ist zwar ein großmäuliger Clown aber seine Liebe zum Fußball, gepaart mit der Fähigkeit, über sich selber zu lachen, geben der Figur in ihrem zeitlos hässlichen Trenchcoat auch einen verletzlichen, etwas tragischen Anstrich. „Oh je, wenn er jetzt nochmal entlassen wird, dann ist er wieder traurig, langweilt sich beim Golfspielen, raucht zu viel und kriegt noch einen Infarkt“, denkt die besorgte Beobachterin. Außerdem macht kein anderer Trainer so nette (und glaubhafte) Scherze darüber, dass es für seine Familie wirklich nicht zumutbar sei, wenn er länger als zwei Wochen zu Hause ist.

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Pro und Contra Fußball

Bei  allem, was ich tue, nehme ich die Auseinandersetzung mit dem befreundeten Onkel über den Sinngehalt dessen bereits vorweg. Ich frage mich also: Wird er die Einrichtung einer Fußballkategorie in meinem Blog befürworten (ich meine, er ist ja einer meiner drei Lesenden – der Zwangsleser, genaugenommen)?

„Fußball? Damit vertreibst Du doch die mühsam aquirierten Zauberberginteressierten! (auch deren Existenz er begründeterweise bereits bezweifelte)“, so würde er vielleicht einwenden. Er hätte da nicht Unrecht. Auch habe ich mein sämtliches Fußballwissen schon in meinem „Martin Kind, so besser nicht!“-Artikel verbraucht. Was soll da noch kommen? Andererseits, und ich muss selber schon lachen, während ich es schreibe: Allein Peter Neururer – Allein das Sujet „Peter Neururer“ ist so ergiebig, dass sich die Kategorie Fußball sicher lohnt. Wartets ab!