Erbauliches für altlinke Sportmuffel

Ab und an sage ich mir: „Die Fußball-WM in Katar guck‘ ich mir nicht an.“ (Was übrigens ein emotional intelligenter Vorsatz ist – Jetzt kann ich mich sieben Jahre lang als moralisch höherwertig bejubeln. Und im Notfall dann eben vier Wochen lang dagegen verstoßen, das ergibt eine sehr positive Bilanz.) Sicherlich geht auch in Brasilien arbeitsrechtlich nicht alles zufriedenstellend vonstatten. Im Grundsatz kann ich aber mit der Vorstellung einer dortigen Fußball-WM ganz gut leben.

Inzwischen überlege ich, zusätzlich auch die kommenden Olympischen Winterspiele nicht anzuschauen. Ganz sicher waren die menschenrechtlichen und sonstigen Bedingungen in Peking nicht besser als in Sotschi. Vielleicht ist es tatsächlich antirussische Propaganda, die uns jetzt die kritischen Aspekte stärker ins Bewusstsein bringt, ganz sicher bin ich mir da nicht. War das nicht alles schon immer so, wie es jetzt ist? Ich sage nur: „Wer baute das siebentorige Theben?“. Gab es jemals menschenfreundliche, ökologisch fortschrittliche Großprojekte? Was auch schon immer da war, sind die Sportsleute und  -funktionärspersonen, die postulieren, die Athletinnen und Athleten sollten sich nicht mit der politischen Lage in den Austragungsorten auseinandersetzen, dies sei dem sportlichen Erfolg schließlich abträglich. Was für eine bescheuerte Beschäftigung ist denn bitte „Sport“, wenn mensch darin schlechter wird, sobald sie_er sich für eine gerechtere Gesellschaft interessiert? Am Ende lande ich ja dann doch wieder bei der Diagnose: Alles kapitalistischer Drecksmist. In diesem Sinne poste ich hier abschließend einen Link zu dem schönen, aber nicht gendergerecht betitelten Gedicht Fragen eines lesenden Arbeiters.