Ich glaube, es ist der Bart!

Heute fand ich Bild.de mal wieder besonders perfide. In bewundernswertester Weise bedienen sie sich eigentlich gegenseitig ausschließende Ressentiments: „Russen-Hass gegen Conchita Wurst. Üble Hetze aus Russland!„, erfahren wir auf der ersten Seite. Das stimmt ja sogar, aber seit wann hat Bild was gegen üble Hetze?  Außerdem ist es natürlich immer gemein, gerade im Moment, zu betonen, dass „die Russen“ grobe Barbaren sind. Wie werden denn nun aber außerdem noch die hiesigen Homophoben zufrieden gestellt? Na, da lassen sie einfach, ebenfalls auf der Titelseite, den ehemaligen Regierungssprecher und stellvertretenden Chefredakteur Béla Anda raisonnieren: „Muss ich Conchita Wurst gut finden? Nein, muss ich nicht!“ Das stimmt natürlich. Das Grundgesetz gewährleistet bekanntlich die Gut- bzw. Dooffindefreiheit. Béla Anda weiß das auch. Der ist ja nicht dumm und ungebildet, sondern gemein. Das Ganze ist nur eine sprachliche Finte, um herausposaunen zu können, wie abartig diese Transe ja doch ist. Im nächsten Satz täuscht der Autor dann erneut Unkenntnis vor: Er wisse selber gar nicht genau, was ihm Unbehagen bereite: „Ich glaube, es ist der Bart!“  Dabei handelt es sich wiederum um einen rhetorischen Trick. In Wirklichkeit hat Béla längst herausgefunden, dass es die Gesichtsbehaarung ist, die ihm nicht gefällt:  „Ein Bart im Gesicht einer Frau, noch dazu ein Vollbart, stört mich, stört mein ästhetisches Empfinden, stört auch mein Rollenverständnis von Mann und Frau.“ Hä? Die Rolle der Frau besteht darin, keinen Bart zu haben? Aber vor allem: Conchita ist ja gar keine Frau, auch das dürfte sich unter den europäischen Boulevard-Journalisten herumgesprochen haben. Die Grandprix-Siegerin ist ein homosexueller Mann, der sich ab und zu als Frau verkleidet, die einen Bart trägt. So weit so unkompliziert. Hat Herr Anda vielleicht eigentlich was gegen Schwule? Nein, nein: „Einige meiner besten Freunde sind homosexuell. Einer meiner journalistischen Lehrmeister war schwul. Und ich habe viel von ihm gelernt.“ (Was mag er von dem Lehrmeister gelernt haben? – hübsches Deutsch wohl eher nicht). Ach ja, das gute alte „ich kenne selber viele Schwule“-Argument. Ganz billig. So ist am Ende festzustellen, dass nichts bleibt, worüber man sich ärgern müsste – Außer die Freude am Verkleiden vielleicht. Was also als Erkenntnisgewinn beim Artikel herauskommt, ist dünn: Höchstwahrscheinlich ist Béla Anda kein Kölner.

 

Postillon oder Taz?

Also, bei dieser Nachricht dachte ich: „Postillon“ oder doch wenigsten Taz-Satire? Allem Anschein nach handelt es sich aber einfach um einen normalen Artikel (erscheint zumindest im Ressort „Gesellschaft“ und nicht bei „Wahrheit“). Ich sags Euch, Leute: in drei Jahren gehen die jungen Frauen zum Chirurgen und lassen sich Schamhaare außerhalb der Bikinizone transplantieren.

Nachtrag:

Ja, verdammte Axt – Ich verweise ja öfter mal auf Neffe 1Falt. Bis jetzt war die Sprachregelung, dass ich hier die Lustige bin und er dafür alles andere kann. Aber der überholt mich jetzt einfach auf diesem Feld auch noch (Kann ich zum Trost bitte den Hund bekommen?).