Thomas Mann und die Sex-Hexe

Dieser Blogbeitrag entsteht allein aus Begeisterung für den Terminus „Sex-Hexe“ – Er begegnete mir erstmals (Googlerecherchen ergeben zu meiner Enttäuschung, dass es ihn durchaus bereits, unbemerkt von mir, schon gab – ungeklärt ist, ob auch als Bild-Schlagzeile) in einem Sofa-Gespräch mit dem, hier schon häufiger erwähnten, befreundeten Onkel. Wir plauderten über den Zauberberg. Von da ist es, Bildungsbürger_innentumsspersonen wissen das, zu Wagner nicht weit.
Ich so: „Also Tannhäuser mag ich ja, echt schmissig, aber dieses ganze mythologische Brimborium drumrum zu behalten (den Anspruch ich als Lehrer_innenkind ja hab), schaff ich nicht.“ Dem befreundeten Onkel geht es da anders, er hat sich einiges gemerkt. Im Gegensatz zu mir las er den Zauberberg ganz durch. Ich hingegen brach auf Hans Castorps Zugfahrt zum Sanatorium ab (ist ab dem Zeitpunkt schon völlig klar, dass da nix bei rumkommt). Der befreundete Onkel las außerdem Sekundärliteratur. Er beginnt mit Erläuterungen: Schopenhauer, Nietzsche, der Erste Weltkrieg, Wagner (von  dem die Leitmotivtechnik), Tannhäuser, in diesem Berg, festgehalten von dieser Sex-Hexe, die Zeit nach dem ersten Weltkrieg, erst dachte Thomas Mann das, dann aber das, und Bruder Heinrich, der Zivilisationsliterat…
Viele, viele interessante Informationen. Aber in meinen primitiven Ohren hallt nur nach… die Sex-Hexe! Ich kreische begeistert: „Sex-Hexe“, der Onkel findet das, ob der auch erwähnten Nietzsches und Konsorten, oberflächlich.
Dieser Diagnose möchte ich mich stellen. Meine bisherige Haltung zu Thomas Mann („Wäre er mal rechtzeitig einem zu stark behaarten LKW-Fahrer begegnet und hätte sich getraut, wäre uns diese schwurbelige Literatur erspart geblieben; Heinrich Mann ist, wie ja auch die ganze DDR bereits wusste, der bessere Bruder“) bedarf der Revision. Ich werde nun den Zauberberg noch mal lesen und darüber bloggen. Es könnte mich die beiden freiwilligen Lesenden kosten.