Pegida-Party!

Heute ist Pegida-Party in Köln. Oder sagen wir: Das hoffe ich zumindest. Alle Netten (alle Netten, die ich kenne, wenigstens) versammeln sich in Köln-Deutz und um Köln-Deutz herum und werden einer geringen Anzahl von Rassistinnen und Rassisten, die planen, sich bestimmungsgemäß am „Ottoplatz“ zu versammeln, verdeutlichen, dass sie ihren fiesen Quatsch hier nicht machen können. Eigentlich finde ich die persönliche Teilnahme an Demonstrationen (zum Missvergnügen des befreundeten Onkels) lästig und unbekömmlich. Die heutige Veranstaltung hat aber einen gewissen Event-Charakter und, was heute anbelangt, bin ich mir ziemlich sicher, dass meine Mannschaft gewinnt. Ich prognostiziere ein „Mindestens 10.000 zu 138“. Mal sehen.

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Birlikte

Am Pfingstwochenende wurde in Köln-Mülheim zum zehnten Jahrestages des NSA-Anschlags in der Keupstraße das Birlikte-Festival veranstaltet. Birlikte ist türkisch und heißt „zusammenstehen“. Auch ich wohnte dem Ereignis kurz bei. Während ich Wolfgang Niedecken betrachtete und hoffte, dass bald ein anderer Künstler auftreten möge, damit ich meinen Vorsatz, den Abend bierfrei zu gestalten einhalten könnte, wurde das Konzert wegen einer Unwetterwarnung abgebrochen. Meter Paffay und Udo Lindenberg konnten deswegen nicht auftreten. Schade. Der Anlass für den Eintrag sind meine ambivalenten Gefühle gegenüber antirassistischen Groß-Konzerten in Köln. Vorläufer von Birlikte sind die „Arsch Huh“-Konzerte. 100.000 Kölner versammelten sich 1992 auf dem Chlodwigplatz, um gegen die rechtsradikalen Übergriffe auf ein Flüchtlingheim in Rostock-Lichtenhagen zu protestieren. Köln und die kölschen Bands sind sehr engagiert gegen Ausländerfeindlichkeit. So ein großes Konzert setzt sicher ein eindrucksvolles Zeichen. Die Pessimistin in mir fragt sich allerdings, wer genau da beeindruckt wird. Die Nazi-Skinheads, die gerade den nächsten Überfall auf eine Dönerbude vorbereiten? Die NPD? Die Antisemitinnen auf den Montagsdemos? Der Verfassungsschutz? Ich fürchte nicht, die fühlen sich ja eh schon als Märtyrer in einem politisch-korrekt totalitären System, das ihnen die Meinung verbieten will. Die Hannoveranerin in mir hat immer ein bisschen den Eindruck, als erfreuten sich die Kölner auf diesen Veranstaltungen vor allem an sich selbst. Sie sind dann ganz ergriffen, vor allem von ihrer eigenen Toleranz. Auf eine Schule mit einem hohen Ausländeranteil möchten viele von ihnen ihre Kinder aber doch lieber nicht schicken. Musikalisch sind die Kölnerinnen und Kölner Antirassisten. Wenn dann aber in der Keupstraße eine Bombe gezündet wird, kann sich die kölner Polizei gar nicht vorstellen, dass es einen rechtsradikalen Hintergrund geben könnte und hält erst mal die türkischen Anwohner für die Schuldigen. Es dauerte dann knapp zehn Jahre und bedurfte einer Selbstoffenbarung der Attentäter, dass von solchen Ideen Abstand genommen wurde. Deswegen hadere ich mit dem schönen Fest, auch wenn es in dessen Rahmen sicherlich viele sinnvolle Veranstaltungen gab. Zum Beispiel ist mir die Zielrichtung nicht so ganz klar, wogegen genau stehen wir zusammen? Nagelbombenanschläge dürfte sogar die Mehrheit der NPD-Wähler ablehnen. So darf dann zum Beispiel Alfred Neven DuMont auf der großen Bühne das Wort ergreifen und verkünden, das Festival sei „ein Triumph für die Nation“. Das ist mir dann, bei aller Sympathie, doch ein bisschen zu sehr Teil des Problems und nicht der Lösung. Jürgen Zeltinger im Kaftan – „Egal was früher war, jetzt sind wir unvermittelbar“ – war natürlich trotzdem toll.