Katzencafé II – Exclusively for Wolle

Lieber Wolle, leider weiß ich nichts über Drums, geschweige denn E-Drums (manche scheinen sechseckig und von Verrückten gesammelt zu werden). Ohne Schlagzeug ist alle Musik nichts, das weiß ich. Gute Schlagzeuger (Du bist ja einer) sind daher auch schwer zu bekommen und begehrt. Wenn ein guter Schlagzeuger auftaucht, sind alle froh außer die Ehefrau, weil er natürlich oft weg muss. Sehr gut ist es daher auch, dass es Schlagzeug auch in digitaler Form gibt. 

Gestern war ich im Kölner Katzencafé „Schnurrke“. Katzencafés sind für Leute, die aus was für Gründen auch immer, selber keine Katzen haben können, aber gerne mal welche treffen möchten (und sich nicht zu sehr an maximal unhippen Cafénamen stören, „Schnurrke“- Hilfe!). Ich, mit meinem unerfüllten Katzenwunsch (dem unerfüllten Kinderwunsch für Arme), gehöre zur Zielgruppe. Also hin da: Man betritt das Etablissement durch eine Doppeltür. Es hat etwa Wohnzimmergröße, ist grau gefliest und in der Mitte liegt ein grüner, recht schäbiger Teppich. Als ich ins Café kam, befand sich auf dem Teppich gerade eine junge Frau mit wasserstoffblonden Haaren, die mit einer mäßig interessierten Katze spielte. Um den Teppich herum gruppieren sich ca. 10 Café-Tische, am Fenster befindet sich eine lange Bank aus hellem Holz, der gegenüber liegende Küchen/Cafébereich ist durch eine Glaswand vor Katzenhaarverunreinigung geschützt. Die Einrichtung ist spartanisch aber nicht ganz ungemütlich. Das für mich zunächst Verstörende am Ensemble waren die ca. 10 Gäste (nicht nur Frauen, übrigens) die an ihren Tischen saßen und nichts taten, außer dem nicht gerade actionreichen Geschehen auf dem Teppich zuzuschauen. 10 erwachsene Menschen haben nichts besseres zu tun als eine blonde Frau beim Spielen mit einer Katze anzustarren? (Die Katze machte wirklich überhaupt nichts Spektakuläres). Habt ihr denn alle kein Leben? Oder zumindest, wie ich, was zu Lesen dabei? Fragte ich die Leute in Gedanken während ich unter lautem, peinlichen Krauscheln (es redete nämlich tatsächlich niemand) meine Kickerhefte und Kindle aus dem Rucksack holte. Ich hatte mir natürlich was zu tun mitgebracht. Das macht mich doch auch für die Katzen interessanter, war ein bisschen die Strategie dahinter gewesen – Katzen mögen keine Verzweifelten, weiß doch jeder, die kommen lieber zu jemandem, der gerade mit was Wichtigem beschäftigt ist. Als ich endlich meine ganzen Sachen auf den Tisch gepackt hatte, ich muss es leider zugeben, konnte ich mich für die gesammelte Lektüre nicht so richtig interessieren sondern schaute mir auch erstmal ungefähr zehn Minuten lang die Katzen an. Die wirklich nichts Interessantes machten. Ich bin also froh, dass ich keine investigative Journalistin bin, da gäbe es jetzt nichts zu berichten. Die eine Katze hatte keinen Schwanz, nur so einen ungefähr fünf Zentimeter langen Stummel, der sich merkwürdigerweise zu Ende hin verdickte. Nach zehn Minuten des Nichtspassierens und mich in diese traurige Gesellschaft Einreihens fing ich dann an, erst mein Kickerheft durch- und dann in meinem Buch zu lesen. Es kamen neue Gäste, die sich auch miteinander unterhielten und ich merkte, dass ich mich seit langem nicht so entspannt gefühlt habe. Das passiert eben, wenn Katzen in der Nähe sind. Mein heimlicher Wunsch, es könnte sich eine Katze auf meinen Schoß verirren, hat sich leider nicht erfüllt. Der befreundete Onkel tröstete mich später mit: „Na, diese Katzencafékatzen sind doch sicher auch völlig überkuschelt!“ Kann sein. Aber: Falls die NSA oder Peta mitlesen: Das Katzencafé hat ein gutes Konzept, wenn es den Katzen zu viel wird, können sie den Caféraum durch eine Katzentür verlassen und auch nach draußen. Also: Ich werd da nochmal hingehen, vielleicht stecke ich mir dann eine tote Maus in die Hosentasche, damit ich besser rieche.

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Katzencafé

Grundsätzlich finde ich mich unkonventionell. Eigenwillig aber umgänglich, so dass sich die Spießer dieser Welt ruhig mal eine Scheibe von mir abschneiden sollten (damit rechtfertige ich übrigens auch meine Nicht-Frisur vor mir selber).  Wenn ich mich da mal nicht irre. In einem Punkt wenigstens bin ich mega-mainstream: Katzen. Nix finde ich besser als Katzen. Ich muss eine Katze nur sehen, schon bessert sich meine Laune. Oft gucke ich mir im Internet Videos von ihnen an und oft reichen auch Fotos. Laut Erzählung meiner Mutter bekamen wir, als ich zwei war, eine schwarze Katze, ich legte mich zu ihr auf den Teppich, wir schnurrten zusammen (wobei das die Geschichte unglaubwürdig macht, zumindest bin ich inzwischen des Schnurrens nicht mehr mächtig) und wurden Freunde. Seit dem sind fast vierzig Jahre vergangen (nicht weitersagen) und ich habe viele verschiedene Katzen kennengelernt. Ich finde, dass keine Katze gleich ist. Natürlich gibt es, wie bei Menschen, bestimmte Typen, aber keine Katze ist, wie bei den Menschen, ganz gleich. Bei Hunden, die ich auch nett finde, aber nicht so interessant, ist das anders. Es gibt Katzen, die benehmen sich wie Hunde (aber keine Hunde, die sich wie Katzen benehmen, das ist der Unterschied). Kater Neo, die Katze meiner letzten Mitbewohnerin, war so einer. Er apportierte gerne Sachen, war nicht der Raffinierteste, treudoof, von melancholischem Gemüt und wuchs mir schnell ans Herz. Neo jaulte viel und wenn man ihn auf den Arm nahm, streckte er die Vorderbeine vor und die Hinterbeine nach hinten und drückte sich mit dem Bauch an einen, um mit möglichst viel Körperoberfläche Körperkontakt zu haben. Dieses liebesbedürftige Viech. Irgendwann gab meine Mitbewohnerin ihn an eine befreundete Familie mit großem Garten ab. Das war besser für ihn und nur kurz traurig. Als wir ihn zu zweit ihn die Katzentransportbox stopften, wehrte er sich so sehr, dass ich dachte ich würde ihm gleich Knochen brechen und er jaulte so laut wie nie. Nach ein paar Wochen fragte ich die Mitbewohnerin: „Wie geht es Neo, wie kommt er in der neuen Familie zurecht?“, „Gut.“, antwortete sie: „Er benimmt sich nur immer noch nicht wie eine Katze.“ Ach ja. Das mit dem Katzencafé erzähle ich dann morgen.