Die Lustigkeit der Anderen, Teil 642

Wir gucken gerade „Die Anstalt“, ZDF. Dort wird eine wichtige Frage aufgeworfen: Hat die ISIS schon eine eigene Fußballnationalmannschaft?

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Onkel Maike wird Hundert!

lieber onkel maike, willkommen im internet.“ (Hildegard, 01.12.2013)

Liebe Nichten und Neffen,

Mit diesem Beitrag wird mein Blog hundert Artikel alt. Ich freue mich und bin ein bisschen stolz. Eines Tages im letzten Jahr, nachdem ich lange und viel bei anderen Leuten herumkommentiert hatte, sagte ich zu mir: Jetzt will ich auch einen Blog haben. Mit Hilfe von Neffe 1falt und einem damals noch sehr unvorteilhaften Template veröffentlichte ich den ersten Eintrag: „Prostitution„. Dann eröffnete ich die Kategorie „Witze“ und fragte: „Was ist heute Lustiges passiert?“ Dazu kamen „Fußball“ mit einem Portrait von Peter Neururer und in einer Schnapslaune: „Zauberberg„.

Seitdem ist einiges passiert: Ich veranstaltete einen Thomas Mann-Imitierwettbewerb mit drei Teilnehmenden, was bei meiner geringen Lesendenzahl ein Erfolg ist (das Preis-Bier wurde an Herrn Königs Stammkiosk hinter dem Melatenfriedhof verliehen), aquirierte eine qualitativ hohe Anzahl von Followern, erschuf meinen ersten Cartoon und eine Peniszeichnung, entnazifizierte ein Fahrrad, knüpfte einige herzerwärmende Blogfreundinnenschaften (mein lieber „last Hippie standing“ immer abgelenkt, die störrische Gesine, mein ewiger Neffe 1falt), überwarf mich mit Muriel Silberfisch, weil er garstig zu mir war und lockte durch Fehltitulierung eines Artikels ungewollt perverse Onkel an (Lesen Sie hier die ganze Geschichte). Viele vergnügliche Momente verschaffte mir die WordPress-Statistik-Funktion. Der am häufigsten geklickte Artikel meines Blogs ist der bereits erwähnte und inzwischen indizierte „freiwillig sex mit onkel“. Unter den lustig bis verstörenden Suchbegriffen, die Euch zu mir führten, finden sich Highlights wie „Pimmelkopf Angela das Merkel ich mir“ oder „Menschenhass nach Zivildienst“.torteneu Sehr häufig geklickt wurde dieses Bild von Greulix (der wirklich aussieht wie Jenny Elvers) und letzte Woche hatte ich meinen ersten Klick aus Neukaledonien. Apropos Klicks: Davon hätte ich gerne mehr gehabt. Ebenso Kommentare. Einmal eröffnete ich einen Fake-GMX Account unter dem Namen „Johannes Meier“ und schickte damit eine Mail an den Bildblog, um meinen Artikel „Kevin Großkreutzkritik-Kritik“ anzupreisen und zur Verlinkung vorzuschlagen. Bei Tageslicht besehen arm und peinlich, aber ich hoffe, dass ich nicht die einzige bin, die je sowas tat.

Außerdem ist es schön genug, so wie es ist. Meine Kommentare sind dünn gesät, dafür aber in der Regel gut und lustig. Danke an die fünf Hauptverantwortlichen, zum Beispiel DEN Wolle oder Neffe 1falt, diesen alten Scherzkeks.

So, danke fürs Lesen und viel Spaß bei den nächsten hundert Artikeln.

Euer Onkel Maike

 

Gute Brasilianer!

„Verlieren können sie“ lobte Spiegel-Online den sportlichen Umgang der Brasilianer mit ihrer vernichtenden Niederlage. Das stimmt, ist aber meines Erachtens noch zu kurz gegriffen. Schon vor der gestrigen Apokalypse, so berichten viele Deutsche, die im Land unterwegs sind, benahmen sich die Brasilianer vorbildlich. Es scheint selbstverständlich zu sein, deutschen Fans höchste Wertschätzung und Freundlichkeit für ihr Team zu kommunizieren. Ich kann das aus persönlicher Erfahrung bestätigen: Zur WM in Südafrika veranstalteten wir online ein international besetztes Tippspiel, an dem neben beispielsweise einem US-Amerikaner und einem Franzosen auch Paolo aus Brasilien teilnahm. Auch er überraschte mich mit der genuin-wohlwollenden von großer Expertise getragenen Freundlichkeit, die er der deutschen Mannschaft entgegenbrachte. Ich will hier ja nicht in überkommene Stereotype verfallen, aber mir scheint, dass handelsübliche Deutsche so eine Haltung gegenüber anderen Teams meistens nicht an den Tag legen. Unser Fußball-Alltag ist da doch eher von vielfältigen Feindschaften geprägt (Nun, ich weiß natürlich nicht, wie Paolo über Argentinien spricht. Sein Kommentar zu gestern lautete: Naja, es ist ja nur ein Spiel und ihr habt ja auch wirklich eine gute, charismatische Mannschaft.). Natürlich erkennen auch teutonische Herren und Damen die Qualitäten  anderer Mannschaften und Spieler an. „Ich verehre Andrea Pirlo“, schnauben sie. Aber man kann nie ganz sicher sein, ob da möglicherweise doch eine Prise gehässiger Ironie mitschwingt. Objektiv sehr gute Leistungen nichtdeutscher Fußballakteure werden, der protestantische Ethos sitzt tief, zugestanden. Das geht aber immer mit einem grimmigen Ernst einher, der leicht in die Richtung von „Diese technische Komponente hätte ich auch gerne für meinen Panzer“ tendiert.

Unser Tippspiel damals hat übrigens Paolo gewonnen. Als Preis mussten die in aller Welt verteilten MitstreiterInnen ihm ein Geschenk schicken. Unseres aus Köln enthielt eine Mundharmonika, auf der er angeblich immer noch begeistert spielt. Eines Tages klingelte es auch an unserer Tür und der Nachbar brachte ein Päckchen aus Brasilien. Der nette Sieger hatte sich meine Begeisterung für Päckchen durch die Welt schicken zu Herzen genommen und wollte mir eine Freude machen. Seitdem besitze ich ein Trikot und einen Schlüsselanhänger des FC Curitiba und einen Untersetzer, auf dem ein VW-Bus abgebildet ist. Mit anderen Worten: Die Brasilianer sind auch gute Gewinner.

Onkel Maike Fußballvorhersager!

Ich stehe in dem Ruf, gute Fußballprognosen abzugeben. Überprüfen wir das doch einmal an meinen bisherigen Blogeinträgen zur aktuellen WM. Am dritten Juni noch während der Vorbereitung schrieb ich bezüglich des Gejammers über die vielen nicht fitten Spieler sinngemäß: „Die verbleibenden Spieler sind mir immer noch zu hochbegabt.“ Einen Tag später verletzte sich Marco Reus. Das hatte ich zwar nicht gewollt und es tut mir immer noch unglaublich leid, Recht behielt ich aber trotzdem. Im selben Beitrag schrieb ich auch, dass Deutsche Mannschaften zum Erfolg keiner guten Spieler bedürfen:  „Ich meine mich zu erinnern, dass auch schon sehr medioker veranlagte  Truppen mit Trainern von zweifelhaftem Rang sich ausschließlich mit Hilfe eines guten Torwarts bei Welt- und Europameisterschaften zu hervorragenden Ergebnissen gekämpft haben.“ Im Spiel gegen Algerien war das dann mal wieder genau so, Manuel Neuer Superlibero! Abschließend hielt ich den damals (das ist übrigens noch gar nicht lange her) noch sehr lauten Unkenrufern noch entgegen: „Die WM wird ganz bestimmt eine tolle Sause! Das Halbfinale wird sicher erreicht. Und ganz ehrlich: Viel mehr sollten wir auch nicht wollen, der Titel darf ruhig an die Gastgeber gehen.“ Tja, Recht behalten, tolle Sause it is! Nicht vorhergesagt habe ich allerdings Neymars Wirbelbruch. Das wird jetzt ganz schwer für die Brasilianer, meiner Prognose gerecht zu werden. Ebenso geht es leider auch Kevin Großkreutz, von dem ich am 25. Mai schrieb, er werde bei dieser WM mindestens zwei Tore schießen.

Nachtrag: Angesichts der für mich immer noch ziemlich unfassbaren Ereignisse gestern, die ich so dermaßen nicht vorhergesehen habe, verkünde ich offiziell meinen Abschied aus dem Prognosegeschäft und suche mir was, das ich besser kann.

Onkel Maike goes antideutsch

Es ist ungefähr so wie am Ende einer großen Liebe. Man will das nicht und versucht lange, es zu verdrängen. Schließlich war es eine große Liebe. Aber es kommt der Punkt, an dem die Gefühle nicht mehr da sind. Auf einmal steht es klar vor Augen und man sagt sich: okay, nun ist es so, wir müssen da jetzt durch. So geht es mir gerade mit der Deutschen Nationalmannschaft, natürlich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Und es trifft mich hart.

Ich komme aus einer Fußballerfamilie. Mein Vater, ziemlich talentfrei dabei, und seine drei Brüder spielten alle im Verein, litten unter dem lieblosen Opa und außer Fußball hatten sie, um es zurückhaltend zu formulieren, nicht viel Schönes oder Verbindendes. Als Kind verbrachte mein Vater viel Zeit vor dem Radio, als junger Mann widmete er sich zum Entsetzen meiner Mutter immer noch ausgiebig seinen Fußballtips, momentan ist er, da HSV-Fan, wahrscheinlich mit Trauerarbeit beschäftigt. Lieber als Französischlehrer wäre er Sportreporter geworden. Einmal, ich war so im Grundschulalter, lieh er sich von seinem Schwager, der für eine Sportzeitung arbeitete, dessen Presseausweis, wir gingen zu einem Spiel von Hannover 96 in Lüneburg, schlichen uns auf die Pressekonferenz und er interviewte Hannovers Trainer Jürgen Wähling. Diesen ersten (und soweit ich weiß auch letzten) Auftritt als Fußballjournalist absolvierte er tadellos, meiner Erinnerung nach stellte er von allen Reportern die klügsten Fragen.

Während ich also väterlicherseits früh für die Wichtigkeit von Fußball sensibilisiert wurde, sorgte meine Mutter dafür, dass ich eine solide antinationalistische Haltung ausprägen konnte (vielleicht auch eher: musste). Meine Mutter findet Deutschland scheiße (und die USA gefallen ihr auch nicht viel besser). Sie neigt dabei, wie grundsätzlich, ein bisschen zum unreflektierten Fanatismus und ich bin froh, dass es in ihrer Jugend noch keine Antideutschen gab. Als ich in die erste Klasse ging, hatte ich einen Parka (kennen die Jüngeren unter uns Parkas noch?), auf diesen war eine Deutschlandfahne aufgenäht, die sie angewidert abknibbelte. Meine Kinderbücher, wie „Damals war es Friederich“, handelten vornehmlich von den Greueltaten des dritten Reichs. Freundliche Kinder aus jüdischen Familien wurden unvermittelt aus einem schönen Leben mit liebevoller Mutter und Hausmusik gerissen und im KZ ermordet. Von Deutschen. Auch wenn ich mich gerne ein bisschen über sie lustig mache, bin ich meiner Mutter für diese Form der frühkindlichen Bildung durchaus dankbar. Sie hat ja Recht. Wer sich nicht erinnert, wiederholt! Und wenig ist so schädlich und überflüssig wie Nationalismus. Ich weiß noch, da war ich ungefähr zehn Jahre alt, als mir mit großem Erschrecken auffiel, dass ich ja auch eine Deutsche bin. So ähnlich stelle ich es mir vor, wenn ein Teenager aus einer konservativen mormonischen Familie bemerkt, dass sie/er* homosexuell und monogam ist. Man schämt sich erstmal. Als junge Frau war ich dann manchmal in Frankreich unterwegs und erzählte den Franzosen, ich käme aus Dänemark. Einmal wurde ich für meine überraschend guten Kenntnisse der deutschen Politik gelobt.

Mein daher schwieriges Verhältnis zur eigenen Staatsangehörigkeit (was sich übrigens durch einen längeren Russlandaufenthalt nachhaltig besserte) hielt mich aber nie davon ab, mich mit der deutschen Nationalmannschaft zu identifizieren. Was wäre eine Identität ohne Widersprüche?, tröstete ich mein schlechtes Gewissen und erlebte großartige Fußballräusche. Wie alle Fans habe ich noch viele genaue Erinnerungen, wo ich bei welchem Spiel war. 2006, nach dem Match gegen Argentinien malte ich im Überschwang der Begeisterung unserer weißen Katze schwarz-rot-goldene Ohrspitzen. Das ist mir noch heute peinlich, aber es war schick und meine Mutter konnte es ja nicht sehen. Nun ist das alles eben vorbei. Die endgültigen Auslöser waren wohl die Werbefilme vom joggenden Jogi Löw am brasilianischen Strand und Thomas Müllers Wandlung vom sympathischsten Storch, der jemals ein Länderspiel bestritt zum selbstherrlichen Miasanmia-Fatzke. Vielleicht finde ich nun eine andere Möglichkeit zur Gruppenekstase oder konvertiere zu den Holländern. Spaß macht das Fußball-Antideutsch sein übrigens nicht. Meine Abkehr von der Deutschen Nationalmannschaft ist leider frei von selbstgerechter Befriedigung, die mir eigentlich gar nicht so fremd ist. Ich komme mir vor wie eine verbitterte narzisstische Spaßbremse, die versucht, an der falschen Stelle einen Punkt zu machen. Hup Holland Hup!

NACHTRAG: Auf Freitag.de berichtet ein Autor namens „Onkeli“ von seinem gespaltenen Verhältnis zur deutschen Mannschaft.

 

Frankreicher und Österzosen

Der befreundete Onkel hat gestern beim Fußballgucken ein Spiel erfunden. Es heißt (working title): „Sich über die extrem uneinheitlichen Bezeichnungen von Ländern und deren Bewohnern in der deutschen Sprache lustig machen“ (wie gesagt, working title). Das Spiel als solches ist dafür schon ausgereift und geht ganz einfach: Man nehme beliebige Ländernamen, die die gleiche Struktur aufweisen, z. B. Frankreich/Österreich, Deutschland/Schottland, Serbien/Kolumbien und leite die jeweiligen Bezeichnungen für die Staatsangehörigen verkehrt herum ab: z. B.: Frankreicherin/Österzösin, Deutschländer/Schotter, Serbianer/Kolumbe oder auch Chinenser/Palästinese. Über das Resultat kann dann, zumindest von Leuten, die so einen Pennälerhumor haben, wie der befreundete Onkel und ich, gelacht werden. Die deutsche Sprache benimmt sich hier wirklich außerordentlich unregelmäßig, man möchte das nicht als Erwachsene lernen müssen. Arme Holle oder Spanen, die das versuchen. Apropos arme Spanen: Ist Euch auch aufgefallen, wie sehr die Länderschicksale bei der Fußballweltmeisterschaft denen in der EU gleichen? Die meisten kacken ab, nur Deutschland startet durch und droht alle niederzuwalzen, was niemandem gefällt, außer den Deutschen? Manche dürfen trotz steten Bemühens und gutem Potential gar nicht erst mitmachen (Türken). Einige treten vorzeitig aus (Engländer). Andere müssen den finanziellen und spielerischen Offenbarungseid leisten (Spaniener) oder halten sich so gerade noch im Geschehen, pfeifen aber in höchst prekärer Situation monetär und physisch aus dem letzten Loch (Italen). Naja, damit der Vergleich jetzt hunderprozentig passt, müsste der Trainer der frankreichischen Nationalelf sich bei einer außerehelichen Affaire erwischen lassen und der Spielerrat von Rechtsradikalen übernommen werden. Auch scheint die Regierung des Teams der Belgen relativ stabil und die Mannschaft nicht akut davon bedroht, sich in einen französisch- und einen hollsprachigen Teil aufzuspalten. Kann ja noch kommen, ansonsten: Ausnahmen bestätigen die Regel.