Lustig, ernst und Donaldisten

Gestern war ein trauriger Tag. Gespickt mit Misserfolgen und Demütigungen zog der Arbeitstag sich zäh und bedrückend bis zum Ende hin. Auf dem Nachhause weg fiel mir nichts ein, wozu ich Lust haben könnte, außer Biertrinken, und ich sinnierte über Obdachlosigkeit. 

Diese einleitenden grauen Zeilen dienen dazu, meine heutige Ausgangsthese zu illustrieren: Es ist einfacher, was ernstes zu schreiben als was lustiges (in Hollywood sagen das auch alle). Woran liegt das? Ganz einfach: vom Vorkommen her gibt es mehr ernste, problematisch-betrübliche als heitere Sachverhalte. Der zweite Weltkrieg beispielsweise hat kein Äquivalent in lustig.

Dieses Mengenverhältnis spiegelt sich dann eben auch in meinem Tagesverlauf wider. Das erste potentiell witzige Erlebnis ereignete sich spät, gegen 19.24 Uhr. In meiner Lust- und Ratlosigkeit war ich zum Besuch in meine wiedereröffnete Skat-Stammkneipe, den Weißen Holunder, gefahren, um mir die vielgerühmten, seit 30 Jahren zum ersten mal geputzten Fenster anzuschauen und ein alkoholfreies Bier zu trinken. Außer mir waren noch ein paar Leute da und es tagte der Donaldisten-Stammtisch. Donaldisten sind, wie der Name schon vermuten lässt, Menschen, die sich viel mit Donald Duck beschäftigen. Mehr weiß ich nicht – siehe aber hier.

Die Donaldisten hatten einen bunten Wimpel auf dem Tisch stehen und ein älterer Herr, der eher aussah wie Onkel Dagobert, brachte einen Rettungsring, auf dem „Donaldisten“ stand. Ansonsten wirkte die Gruppe auf mich wie ein normaler Stammtisch. Griesgrämig wie ich ja war, überlegte ich, dass vielleicht manche der Stammtischmitglieder in echt gar nicht so donaldduckinteressiert sind, wie sie vorgeben und eher aus allgemeinem Bedürfnis nach Anschluss da mitmachen. Hätte ich ein paar mehr kölsche Gene, anstatt so eine verstockte Hannoveranerin zu sein, würde ich die netten Leute vermutlich einfach mal gefragt haben, woraus ihr Donaldistentum denn konkret bestehe – dann gäbe es wahrscheinlich jetzt mehr zu berichten. Stattdessen beschränkte ich mich darauf, sie zu beobachten und abzuwarten, ob einer aufstünde und anfinge zu schnattern. (Das ist keine überzogene Erwartung, glaubhaften Augenzeuginnenberichten zufolge machen die Mitglieder dieses Stammtisches das manchmal). Nun aber die Frage: Ist Donaldismus lustig oder nicht doch eher traurig? Tja, hätte ich mich mal mit den Leuten unterhalten. Walt Disneys lustige Taschenbücher habe ich jedenfalls überhaupt nicht lustig in Erinnerung. Vielleicht liegt es ja, wie bei den Fernsehserien, an der Synchronisation. Aber ich habe da meine Zweifel.

So fuhr ich dann aus der Kneipe nach Hause und machte mich daran, meinen Blogeintrag über geschlechtergerechte Sprache zu schreiben. Hier auch wieder das ernst-lustig Verhältnis: seitenweise sich selbst super ernstnehmendes politisches Gelamentiere und ganz selten mal eine kleine Witzigkeit. Als mein Freund nach Hause kam, empfing ich ihn begeistert und nötigte ihn (ja, tatsächlich, keine rhetorische Übertreibung) den Beitrag zu lesen, und die amüsanten Stellen zu loben. Das wiederum ist irgendwie traurig – Mein Blog hat bis jetzt zwei Lesende – Davon nur eine Freiwillige – der Rest: ein Zwangsarbeiter. Ich bin kurz davor, meiner Mutter Bescheid zu sagen. Das ist doch wiederum auch ganz lustig.

Euer Onkel Maike

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