Manchmal erfinde ich Sachen…

… die schon jemand vor mir erfunden hat. Gerade, in der Tagesschau, angesichts der an einen Betonhelm gemahnenden Haartracht unserer Verteidigungsministerin, kam mir in den Kopf, die Dame könnte mit Fug und Recht auch „Frisursula“ genannt werden (das niemals von mir, sondern immer nur von anderen erfundene „Zensursula“ war ja auch schon sehr lustig gewesen.). Die Euphorie währte aber höchstens ungefähr drei Sekunden. Dann, allwissendes Internet hier Fluch und Segen gleichermaßen, ergoogelte ich, dass die Idee vor mir schon viele andere hatten, natürlich gibt es längst den Hashtag. Ganz genauso erging es mir im letzten Sommer mit dem, sich als leider nicht so lecker wie ausgemalt herausstellenden Strandgetränk „Rhabarbier“. Ein Rezept dafür findet sich auf essen-und-trinken.de (es sollen Eiswürfel aus Himbeersirup hinein geworfen werden). Vor lauter Enttäuschung und zum Troste erfand ich dann schnell den „Rhabarsekt“. Der hat zwar einen deutlich uneingängigeren Namen, schmeckt aber besser (und war außerdem natürlich, laut glaubhafter Auskunft von Neffe immerabgelenkt, zu jenem Zeitpunkt bereits von anderen entdeckt worden).

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Bild.de veröffentlicht falsches Foto zu Artikel

Gestern noch kritisierte ich die FDP, einen Tag später hat sie sich das laut bild.de zu Herzen genommen und macht jetzt sinnvollere Sachen (Bier kann es nie genug geben). Das Bild zur Artikelüberschrift wurde aber offensichtlich mit einem Portrait des aktuellen Führungspersonals verwechselt.

fdpVon links nach rechts: Christian Lindner, Wolfgang Kubicki, Uwe Barth

Verspätete Sprachkritik

So. Das bayerische Fußballpräsidenten-Alphamännchen wurde jetzt zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, Weihnachten wird es wohl schon wieder, zumindest in Teilzeit, freigelassen werden können. Gut, dass die doch etwas zu umfangreiche öffentliche Auseinandersetzung jetzt vermutlich bald mal vorbei ist. Da ich aber zur Krimkrise (bis auf: “Ey Leute, findet Euch damit ab, Ihr hättet es auch vorher wissen können, dass die Russen sich das mit der Ukraine so nicht bieten lassen, auch wenn es nicht so nett ist und außerdem wissen alle, dass eigentlich alle Konfliktparteien keinen Bock auf Sanktionen und dritten Weltkrieg haben, außerdem finde ich das Verhältnis von aufrechten Freiheitskämpfern zu Nazis auf dem Maidan von Deutschland aus echt schwer zu beurteilen, wem soll ich denn noch was glauben? Julia Timoschenkos Zopf finde ich albern.“) nichts zu sagen habe, soll hier nun im Nachgang noch ein bisschen Sprachkritik zur Steueraffaire geübt werden. 

Gleich zwei verhunzte Redewendungen sind mir in diesem Zusammenhang schmerzhaft auf die Ohren geschlagen. Erstens: Wenn ein Amts- oder Hoheitsträger das Steuergeheimnis verletzt hat, sagen wir neuerdings diese Informationen seien „durchgestochen“ worden.  „Man weiß nicht, wer das durchgestochen hat.“ Aus zwei Gründen ärgere ich mich hierüber: Zunächst passt das für meinen Geschmack nicht zur Natur der beschriebenen Tätigkeit. „Stechen“ heißt für mich so viel wie: „Überwinden bzw. Eindringen in eine relativ feste oder zähe Materie mittels eines scharfen, spitzen Gegenstandes.“ Mit diesem Verb assoziiere ich eine offensive, direkte, aggressive Handlung. (Laut summend fliegt die Wespe zum Angriff und verhehlt zu keinem Zeitpunkt ihre undiplomatischen Absichten!) Wenn jedoch Steuergeheimnisse an die Öffentlichkeit weitergegeben werden, passiert das in der Regel heimlich und hintenherum. Außerdem wird keine feste Materie (der Panzer des Gesetzes etwa? Ach Quatsch!) mit einem spitzen Gegenstand überwunden. Aber die neue Redewendung passt nicht nur nicht – Es besteht auch kein Bedarf an ihr. Wir haben schon genügend angemessene Tuwörter: Verraten, weitergeben, durchsickern lassen, leaken, aufdecken, weitersagen oder ausplaudern sind Beispiele, die mir spontan einfallen.

Und, als wenn das noch nicht schrecklich genug wäre, wurde in den bundesdeutschen Talkshows noch die folgende wirklich geschmacksgefühlsverletztende Formulierung entwickelt und exzessiv zelebriert: Wenn erst mal entscheidende Infos durchgestochen wurden, kann es für die Betroffenen erheblich erschwert werden, sich steuerehrlich zu machen.  „Sich steuerehrlich machen“ ist genau wie „durchstechen“ eine überflüssige Wortschöpfung, da wir auch hier bereits über hinreichend exakte Begriffe verfügen. „Sich steuerehrlich machen“ heißt in altdeutscher Sprache: „Gestehen, den Straftatbestand der Steuerhinterziehung verwirklicht zu haben.“ (Dies in der Regel nicht altruistisch motiviert, sondern aus dem Interesse heraus, unangenehme Sanktionen zu vermeiden). Aber gestehen, Geständnis, das erinnert ja doch sehr an die hohe kriminelle Energie, welche die nun steuerehrliche Person vor nicht allzu langer Zeit an den Tag gelegt hat, an ihr gieriges, egoistisches, unsoziales, von Leuten wie Jesus mit Sicherheit missbilligtes Verhalten. Der sich steuerehrlich Machende ist hingegen ein „Macher“, ein hemdsärmeliger, gutmütiger, letztlich eben ehrlicher Kerl, mit dem man jederzeit Würstchen grillen würde, der dazu Dosenbier trinkt, nicht etwa Champagner, und nun vollumfänglich in die Gemeinschaft der rechtstreuen Bürgerinnen und Bürger zurückgekehrt ist (ach, eigentlich war er auch nie ganz draußen).

Naja, und wo ich schon mal dabei bin und dieser Text sowieso schon viel zu lang ist: Da gibt es noch eine Redewendung, die ich überhaupt nicht mag, und in der auch das Wort „machen“ vorkommt. Hier in Köln ist in Kneipen recht häufig zu hören, dass Gäste zum Personal sagen: „Machst Du mir mal ein Bier.“ Oder, noch schlimmer: „Machst Du mir mal eine Cola.“ Ich ärgere mich dann immer. Zwar werden nicht, wie beim sich „steuerehrlich machen“, kriminelle Akte sprachlich verbrämt, ein Trost. Wie beim „Durchstechen“ haben wir es aber mit einer semantisch fehlgehenden Verwendung eines Verbs zu tun.  Die Dienstleistung, zu der man Ober und Oberin auffordert, besteht nämlich keineswegs darin, dass etwas „gemacht“ wird. Machen beinhaltet immer ein Element des (Er)schaffenden, gerichtet auf materielle oder auch immaterielle Gegenstände. Etwas, wenn auch möglicherweise geringes, Neues kommt in die Welt, verändert sich durch kreative oder auch nur handwerkliche oder körperliche Betätigung: Gedanken, falsche Versprechungen, Pause, Pläne, einen Haufen, das oder ins Bett machen, zum Beispiel. Ein Bier oder eine Cola hingegen werden nicht gemacht – Sie werden lediglich einer Orts- und Behältnisveränderung unterworfen. Ich mutmaße, dass die bestellende Person durch den Gebrauch des dem Sachverhalt nicht angemessenen Verbs den eigentlich sehr schnöden Vorgang „keinerlei Skills erfordernde Besitz- und Eigentumsübertragung von Alkohol (oder Cola) aus Gewinnstreben“ und damit sowohl die eigene als auch die Rolle der das Getränk verkaufenden Person inhaltlich überhöhen will. Menschlich nachvollziehbar, inhaltlich aber falsch.

Nachtrag:

Zwei Dinge möchte ich vorsichtshalber noch klar stellen. Zum einen freue ich mich nicht über die Gefängnisstrafe für Herrn Hoeneß. Ich bin grundsätzlich gegen diese Form der Sanktion, auf jeden Fall bezüglich Vermögens- und Eigentumsdelikten. Sozialstunden fände ich, gerade bei Menschen wie Uli, die sinnvollere Maßnahme. Lustigerweise sieht das die Grüne Jugend laut Express genauso. Zum anderen möchte ich betonen, dass ich den Beruf der Kellnerin_des Kellners in der Gesamtsumme der erforderlichen Fähigkeiten für einen sehr anspruchsvollen halte.