Homerun for Hitzlsperger

Ich wurde mehrfach gefragt, warum ich eigentlich nichts zu Hitzlsperger schrübe. Ja, wieso nicht? Antwort: Zu einfach, das ist wie beim Elfmeter, da kann nur versagt, aber kein Ruhm geerntet werden. Das ist so ähnlich, wie nach der Bundestagswahl zu schreiben, dass die FDP eine schlechte Partei ist. Andererseits: Eine muss den Drecksjob ja machen, also Augen zu und durch:

Ja, der deutsche Männerfußball ist ausgrenzend und homophob, Ja, deswegen ist es ein guter Schritt, dass Hitz sich geoutet hat. Seine Zeitkolumnen gefielen mir leider nie. Ich hab mich nur gefragt: Alle gratulieren jetzt, Friede Freude Eierkuchen, hm, wann werden sich die ersten Gegner_innen aus Ihren Löchern trauen? – Es ist geschehen, Jasper von Altenbockum, F.A.Z. sowie der Chefredakteur des Kicker haben sich freundlicherweise entblödet. Danke, sonst wäre das ja alles noch langweiliger.

Apropos entblöden. Es ist mir fast zu blöd, auf deren lächerliche Argumente nochmal zu antworten:

Nein, es ist nicht überflüssig, über die sexuelle Orientierung von Fußballspielern zu reden. Nein, wir befinden uns seit Klaus Wowereits Outing nicht in einer Welt, in der alle Formen des Zusammenlebens anerkannt sind, weswegen es total aufdringlich von diesen Homosexuellen ist, uns mit ihrer Homosexualität zu belästigen. Und so ganz nebenbei, liebe hysterische Schwulenfeinde und Schwulenfeindinnen, wenn ein Mensch sagt, er möchte lieber mit einem Mann zusammenleben und/oder einen heiraten, dann hat er uns über sein Sexualleben eigentlich noch gar nichts mitgeteilt. Und, nein, deswegen ist das eben alles nicht Privatsache. Im sozialen Feld Fußball werden homosexuelle Jugendliche und Männer immer noch diskriminiert und ausgegrenzt – Und zwar in einem sehr hohen Maße, sie werden nämlich unsichtbar gemacht. Warum wir das, was im Fußball passiert, ernst nehmen müssen, es meiner Meinung nach überragende gesellschaftliche Bedeutung hat, habe ich hier schon erläutert. Und, ja, liebe ganz schlaue Leute, im Frauenfußball ist Homosexualität kein Problem – Aber, liebe ganz schlaue Leute, Frauenfußball hat leider nicht annähernd die gesellschaftliche Relevanz wie Herrenfußball (selbstredend prangere ich das an).

Homophobie und damit die Macht der Reaktionärinnen und Reaktionäre schwinden nur langsam. Ja, es gibt inzwischen schwule Fanclubs – Das finde ich fast wichtiger als den Hitz. Aber nein, ich fürchte, dass es noch eine Weile dauert, bis sich der erste aktive Fußballer in der Bundesliga outet (leider, ich wäre extrem neugierig, was dann genau passiert). Denn das wird, Rudi Assauer merkte das einmal an und wurde dafür fälschlicherweise zur Sau gemacht, mit persönlichen Opfern verbunden sein.

Es ist nämlich so, dass zwar die Mehrheit der bürgerlichen Biofleischkaufmenschen (das sind auch eher die, die sich in den Zeitungen und im Parlament äußern), bis auf Jasper von Altenbockum halt, sich auf die Sprachregelung geeinigt hat, dass das mit der Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit so offiziell nicht mehr geht. Aber dann gibt’s ja leider auch noch das, was immer noch zu viele Leute wirklich denken (bisschen ekelig ist es ja doch und, hm als Werbeträger ist er jetzt aber zumindest nicht mehr geeignet; mal ehrlich auch, diese Lesben, die haben doch alle keinen Humor und müssen die sich immer wie Männer anziehen? Also für mich wäre das nichts. Ich hab auch nichts gegen Schwule, solange sie mich nicht anbaggern, Oh der ist schwul, hat der jetzt unter der Dusche auf meinen Pimmel geguckt? – Nein, hat er nicht, viel zu kurz!). Und dann gibt’s noch die, denen von vorneherein egal ist, was Heribert Prantl in der Süddeutschen so schreibt und die die Tunte dann gerne im Stadion fies angrölen oder ihr gleich mal ins Gesicht treten wollen.

Ich glaube daher, dass ein homosexueller Profifußballer nach einem Outing starken Belastungen ausgesetzt sein könnte und Schwierigkeiten haben würde, seine optimale Leistung abzurufen. Das genaue Ausmaß negativer Reaktionen wäre schwer abzuschätzen, ein Risiko, das so schnell wohl keiner eingehen möchte. Vielleicht ist der erste ja ein Freiburger.

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