Prostitution III

Der befreundete Onkel und ich streiten nach wie vor trefflich über Prostitution. Ich, beeinflusst von Stellungnahmen wie dieser, welche die existierenden Ausbeutungs- und Gewaltverhältnisse in den Fokus rücken, sympathisiere mit restriktiven Ansätzen wie der von der CSU vorgeschlagenen Mindestalter-Erhöhung auf 21. Der befreundete Onkel ist eher auf der queer-libertären Ebene, repräsentiert von Positionen wie dieser. Hier wird (unbedingt lesen!) dargelegt, dass repressive Regelungen von Prostitution, z. B. Freierstrafbarkeit, immer auch strukturelle Gewalt gegen Sexarbeiter_innen sind. Daneben wird die Vermischung bzw. Gleichsetzung der Begriffe Armuts- und Zwangsprostitution kritisiert: „Warum muss man einen abwertenden Begriff dafür schaffen, dass Menschen (nur) aus ökonomischen Gründen arbeiten?

Ermüdet von steter Debatte haben der Onkel und ich uns längst den Themen des Boulevards zugewendet. Ich so: „Bah, ekelhaft, dieser Journalist, der als Priester verkleidet in Schumis Krankenhaus eingedrungen ist, also, da würde ich mich ja lieber prostituieren, als sowas zu machen.“ Der befreundete Onkel so: „Hm, das war vielleicht ein Zwangsjournalist.“