Gelebte Tierfreunde-Vielfalt bei Onkel Maike

Liebe Nichten und Neffen,

folgende Suchbegriffe führten Euch heute auf meinen Blog:

„Hunde Porno“ sowie „Genussvoll vegetarisch“.

Das nenne ich ein pluralistisches Publikum. Die Hundeporno-Onkel müssen aber bald mit einer saftigen Schimpftirade rechnen. Ich muss mir nur noch eine Meinung bilden zu der Frage, ob ich Sex mit Tieren, die über 18 sind und darin eingewilligt haben, in Ordnung finde. Ich melde mich dann.

Euer Onkel Maike

 

Hundeporno bei Bild.de

Nachdem Neffe immerabgelenkt letzte Woche so schön über französische Sexschildkröten berichtete, möchte ich im Themenkreis bleiben und nachziehen. Also: Bin ich jetzt spießig oder ist das hier ein bisschen obszön (spätestens doch in der Kombination mit dem Kind – Und was genau ist mit „Dauerbrenner“ gemeint)? Bild.de hat die besten Hunderassen ausgesucht, an dritter Stelle der Deutsche Schäferhund mit folgendem Symbolfoto:

schäferhundporno

Katzengrillen pro und contra

Bild.de hat es mal wieder geschafft, mich zu verärgern: „Ein Asiate hat die Katze eines Nachbarn gegrillt.„, war dort gestern zu lesen. Kann ja sein, dass ich mich ein bisschen zu ausführlich mit wertschätzender und inklusiver Sprache beschäftigt habe, aber ich bin doch fassungslos. Wer soll das denn sein: „ein Asiate“? Auch, wenn es sich bei den Übeltätern um die Bild-Zeitung handelt: Dass so eine Formulierung es überhaupt von des Autoren Kopf in einen Text, geschweige denn über Lektorat (ok, hat Bild vielleicht nicht) bzw. Redaktion bis zur Veröffentlichung schafft, hat mich überrascht.

Das mit dem Katzengrillen finde ich hingegen nicht so aufregungswürdig. Vielleicht hat meine Mama da was in der Erziehung falsch gemacht und ich sehe das zu kaltherzig, aber ich finde, mit dem Risiko, eingefangen und gegessen zu werden, müssen freilaufende Katzen leben. Das ist ihnen zuzumuten. So eine Grillkatze hat doch bis zum Zeitpunkt des Verzehrtwerdens ein tausendmal besseres Dasein gehabt, als beispielsweise die große Mehrzahl der Hühner, Kühe oder Schweine, in unserem Land, welche in ihrem Leben nie das Tageslicht gesehen haben und die diese häufig trostlose, tierunwürdige Existenz allein deswegen fristen, damit wir sie irgendwann essen können.

Natürlich tun mir die betroffenen Tiere und auch ihre Menschen leid. Aber das überzogene Bohei – Andernach in Panik – erinnert mich mal wieder daran, wie krank ich diese Aufspaltung in Haus- und Nutztiere und die daraus folgende unterschiedliche Behandlung finde. Der neurotische Dackel und die verfettete Katze (Deutsche Leute geben pro Jahr über eine Milliarde Euro für Katzenfutter aus, ich frage mal lieber nicht, wie viel Geld für Flüchtlingsheime aufgewendet wird), die vermenschlicht werden, als Beziehungsersatz dienen und mehr Liebe als der Ehepartner bekommen und auf der anderen Seite die gequälten zukünftigen Schnitzel. Ihr spinnt doch alle, Leute!

Der „mutmaßliche Katzenkoch“ hat Informationen des Express zufolge übrigens Integrationswillen gezeigt: „Gegenüber Polizisten zeigte er sich einsichtig und versprach seine Lebensgewohnheiten anzupassen.“

Katzencafé II – Exclusively for Wolle

Lieber Wolle, leider weiß ich nichts über Drums, geschweige denn E-Drums (manche scheinen sechseckig und von Verrückten gesammelt zu werden). Ohne Schlagzeug ist alle Musik nichts, das weiß ich. Gute Schlagzeuger (Du bist ja einer) sind daher auch schwer zu bekommen und begehrt. Wenn ein guter Schlagzeuger auftaucht, sind alle froh außer die Ehefrau, weil er natürlich oft weg muss. Sehr gut ist es daher auch, dass es Schlagzeug auch in digitaler Form gibt. 

Gestern war ich im Kölner Katzencafé „Schnurrke“. Katzencafés sind für Leute, die aus was für Gründen auch immer, selber keine Katzen haben können, aber gerne mal welche treffen möchten (und sich nicht zu sehr an maximal unhippen Cafénamen stören, „Schnurrke“- Hilfe!). Ich, mit meinem unerfüllten Katzenwunsch (dem unerfüllten Kinderwunsch für Arme), gehöre zur Zielgruppe. Also hin da: Man betritt das Etablissement durch eine Doppeltür. Es hat etwa Wohnzimmergröße, ist grau gefliest und in der Mitte liegt ein grüner, recht schäbiger Teppich. Als ich ins Café kam, befand sich auf dem Teppich gerade eine junge Frau mit wasserstoffblonden Haaren, die mit einer mäßig interessierten Katze spielte. Um den Teppich herum gruppieren sich ca. 10 Café-Tische, am Fenster befindet sich eine lange Bank aus hellem Holz, der gegenüber liegende Küchen/Cafébereich ist durch eine Glaswand vor Katzenhaarverunreinigung geschützt. Die Einrichtung ist spartanisch aber nicht ganz ungemütlich. Das für mich zunächst Verstörende am Ensemble waren die ca. 10 Gäste (nicht nur Frauen, übrigens) die an ihren Tischen saßen und nichts taten, außer dem nicht gerade actionreichen Geschehen auf dem Teppich zuzuschauen. 10 erwachsene Menschen haben nichts besseres zu tun als eine blonde Frau beim Spielen mit einer Katze anzustarren? (Die Katze machte wirklich überhaupt nichts Spektakuläres). Habt ihr denn alle kein Leben? Oder zumindest, wie ich, was zu Lesen dabei? Fragte ich die Leute in Gedanken während ich unter lautem, peinlichen Krauscheln (es redete nämlich tatsächlich niemand) meine Kickerhefte und Kindle aus dem Rucksack holte. Ich hatte mir natürlich was zu tun mitgebracht. Das macht mich doch auch für die Katzen interessanter, war ein bisschen die Strategie dahinter gewesen – Katzen mögen keine Verzweifelten, weiß doch jeder, die kommen lieber zu jemandem, der gerade mit was Wichtigem beschäftigt ist. Als ich endlich meine ganzen Sachen auf den Tisch gepackt hatte, ich muss es leider zugeben, konnte ich mich für die gesammelte Lektüre nicht so richtig interessieren sondern schaute mir auch erstmal ungefähr zehn Minuten lang die Katzen an. Die wirklich nichts Interessantes machten. Ich bin also froh, dass ich keine investigative Journalistin bin, da gäbe es jetzt nichts zu berichten. Die eine Katze hatte keinen Schwanz, nur so einen ungefähr fünf Zentimeter langen Stummel, der sich merkwürdigerweise zu Ende hin verdickte. Nach zehn Minuten des Nichtspassierens und mich in diese traurige Gesellschaft Einreihens fing ich dann an, erst mein Kickerheft durch- und dann in meinem Buch zu lesen. Es kamen neue Gäste, die sich auch miteinander unterhielten und ich merkte, dass ich mich seit langem nicht so entspannt gefühlt habe. Das passiert eben, wenn Katzen in der Nähe sind. Mein heimlicher Wunsch, es könnte sich eine Katze auf meinen Schoß verirren, hat sich leider nicht erfüllt. Der befreundete Onkel tröstete mich später mit: „Na, diese Katzencafékatzen sind doch sicher auch völlig überkuschelt!“ Kann sein. Aber: Falls die NSA oder Peta mitlesen: Das Katzencafé hat ein gutes Konzept, wenn es den Katzen zu viel wird, können sie den Caféraum durch eine Katzentür verlassen und auch nach draußen. Also: Ich werd da nochmal hingehen, vielleicht stecke ich mir dann eine tote Maus in die Hosentasche, damit ich besser rieche.

Katzencafé

Grundsätzlich finde ich mich unkonventionell. Eigenwillig aber umgänglich, so dass sich die Spießer dieser Welt ruhig mal eine Scheibe von mir abschneiden sollten (damit rechtfertige ich übrigens auch meine Nicht-Frisur vor mir selber).  Wenn ich mich da mal nicht irre. In einem Punkt wenigstens bin ich mega-mainstream: Katzen. Nix finde ich besser als Katzen. Ich muss eine Katze nur sehen, schon bessert sich meine Laune. Oft gucke ich mir im Internet Videos von ihnen an und oft reichen auch Fotos. Laut Erzählung meiner Mutter bekamen wir, als ich zwei war, eine schwarze Katze, ich legte mich zu ihr auf den Teppich, wir schnurrten zusammen (wobei das die Geschichte unglaubwürdig macht, zumindest bin ich inzwischen des Schnurrens nicht mehr mächtig) und wurden Freunde. Seit dem sind fast vierzig Jahre vergangen (nicht weitersagen) und ich habe viele verschiedene Katzen kennengelernt. Ich finde, dass keine Katze gleich ist. Natürlich gibt es, wie bei Menschen, bestimmte Typen, aber keine Katze ist, wie bei den Menschen, ganz gleich. Bei Hunden, die ich auch nett finde, aber nicht so interessant, ist das anders. Es gibt Katzen, die benehmen sich wie Hunde (aber keine Hunde, die sich wie Katzen benehmen, das ist der Unterschied). Kater Neo, die Katze meiner letzten Mitbewohnerin, war so einer. Er apportierte gerne Sachen, war nicht der Raffinierteste, treudoof, von melancholischem Gemüt und wuchs mir schnell ans Herz. Neo jaulte viel und wenn man ihn auf den Arm nahm, streckte er die Vorderbeine vor und die Hinterbeine nach hinten und drückte sich mit dem Bauch an einen, um mit möglichst viel Körperoberfläche Körperkontakt zu haben. Dieses liebesbedürftige Viech. Irgendwann gab meine Mitbewohnerin ihn an eine befreundete Familie mit großem Garten ab. Das war besser für ihn und nur kurz traurig. Als wir ihn zu zweit ihn die Katzentransportbox stopften, wehrte er sich so sehr, dass ich dachte ich würde ihm gleich Knochen brechen und er jaulte so laut wie nie. Nach ein paar Wochen fragte ich die Mitbewohnerin: „Wie geht es Neo, wie kommt er in der neuen Familie zurecht?“, „Gut.“, antwortete sie: „Er benimmt sich nur immer noch nicht wie eine Katze.“ Ach ja. Das mit dem Katzencafé erzähle ich dann morgen.

Hitlers Oma

Der befreundete Onkel und ich diskutieren die Frage, ob jeder Mensch von Geburt an freundlich sei und erst später durch Familie und Gesellschaft bösartig gemacht werde. Oder gibt es genuin schlechte Leute? Der Onkel nennt (wenig originell) Hitler. Ich entgegne: „Aber Hitler hatte auch einen netten Kern, er mochte Hunde!“, „Aber die Hunde hatten Angst vor ihm!“, gibt der Onkel zu bedenken, „Das ist auf den Fotos von Hitler und seinen Hunden an den Ohren der Hunde deutlich zu erkennen.“. Ich entgegne mit einer meiner Kindheitserinnerungen, derenzufolge ich unsere damaligen Katzen zeitweise etwas untiergerechten Behandlungen unterwarf und die deswegen auch Angst vor mir gehabt haben könnten (ich bin nicht stolz darauf). „Ja, aber da warst Du viel jünger als Hitler“, argumentiert der befreundete Onkel und schließt die Vermutung an, dass dies eine selten geäußerte Aussage unter Paaren sei. Lustig genug. Aber mir kommt eine weitere Jugenderinnerung in den Sinn. Mit Anfang 20 hatte ich eine depressive Phase und wollte mein Bett nicht mehr gerne verlassen (zu damaligen Zeiten, als es noch keine Bachelorstudiengänge gab, karrieretechnisch nicht so problematisch, für die unmittelbare Umwelt aber dennoch nervig). Meine Oma wollte helfen, rief an und fragte, was mich bekümmere: „Ich bin ein schrecklicher Mensch und niemand mag mich!“ sagte ich. „Ja, aber Kind, ich habe Dich doch lieb!“, versuchte sie mich zu trösten. „Das zählt überhaupt nicht“, wehrte ich ab, „Hitlers Oma mochte Hitler auch!“ Scharfsinnig argumentiert, nicht wahr? Die psychologische Forschung hat ja ergeben, dass depressive Menschen zu größerem Realismus neigen als die sogenannten Gesunden, die sich immer etwas überschätzen. Eigentlich glaube ich aber, dass Hitler keine derartig nette Oma hatte wie ich, sonst wäre er nicht so geworden.

Carsten, der Papagei

Um Leserinnen anzulocken, wurde eine Überschrift mit fiktivem Inhalt gewählt. „Hui, was hat der tüchtige Vogel wohl für Abenteuer erlebt?“, werden sich einige erwartungsvoll gefragt haben, die ich jetzt enttäuschen muss: Den Papageien Carsten, ebenso seine Käfiggenossen Sven und Volker-Christian, gibt es  in der echten Welt nicht. Papageien haben, wie auch alle anderen Tiere, sehr selten normale Menschennamen. In der Regel suchen ihre Besitzer Tiernamen für sie aus, wobei sie dann noch nach Spezies differenzieren. Papageien heißen Cora, Katzen Tiger und Hunde Arko, Rex oder Jackie. Formen der Segregation, die nicht unhinterfragt bleiben dürfen. Onkel Maike schreitet zur Aufklärung:

Zunächst muss eingestanden werden, dass auch ich selber nicht schon immer die angemessenes Problemsensibilität aufweisen konnte: Als Kind fröhnte ich einer ziemlich eklektizistischen Tiernamenauswahl. Die erste Katze, die  ich selber taufen durfte, hieß Klara (nach der Frauenrechtlerin Clara Zetkin einerseits und Goofys Freundin Klarabella andererseits). Klaras, in meinem Kleiderschrank geborene, Kinder wurden nach der Indianertocher „Pocahontas“ (Sie hatte einen weißen Pfeil auf der Stirn) und „Roncalli“ (dem Zirkus) benannt. Erst in fortgeschrittenerem Alter wurde mir die namentliche Ungleichbehandlung der Tierwelt bewusst und ich plante die Anschaffung einer Katze, einzig und allein zu dem Zweck, sie Jens-Uwe zu nennen.

Aufgrund unsteter Lebenumstände und vorgetäuschter Tierallergien der Lebens-abschnittsgefährten kam es dazu aber nie. Bis heute leide ich unter einem unerfüllten Katzenwunsch (dem unerfüllten Kinderwunsch für Arme) und brachte es lediglich zu zwischenzeitlichen felinen WG-Mitbewohnern namens Filou und Neo. Darüber hinaus musste ich mir einzugestehen, dass es noch andere gab, denen das Tiernamenproblem aufgefallen war. Lustige Hipster-Avantgardisten nennen ihre vierbeinigen Freunde schon längst gerne mal lässig-ironisch Frank, Regina oder Jürgen. In der Körnerstraße in Köln-Ehrenfeld (für die vielen überregionalen und internationalen Lesenden: wichtiges Hipsterghetto in der Rheinmetropole) werden wohl keine Hunde, die Bello oder Hasso heißen, mehr ansässig sein. Auch Mitglieder der sozialen Kaste der Punker haben eine natürliche Neigung zu unspießigen Tiernamen. Als gelungenes Beispiel sei  der Mülheimer Rüde „Krise“ genannt.

Damit bleibt das grundsätzliche Problem aber ungelöst, schließlich werden nicht alle Frettchen dieser Welt in der Körnerstraße oder von Punkern aufgezogen und haben damit gute Chancen, geschmackvoll getauft zu werden. Unser Blick wird damit auf wichtige offene Fragen gelenkt: Die Schichtspezifität von Tiernamen (Für Menschennamen wurde das Phänomen ja umfassend untersucht, die Eltern von Phillipp-Alexander und Sophie erwarten mehr als einen Realschulabschluss, während das bei Pierre-Jacques wahrscheinlich anders ist). Nennen die Leute in Köln-Chorweiler ihre Französischen Bulldoggen anders als die in Rodenkirchen? Heißen Zuchtmöpse aus dem Edelzwinger anders als durchschnittliche Tierheimmischlingszottel? Und wie wirkt sich das auf deren Lebens- und Bildungschancen aus? Eine andere Referatsaufgabe könnte darin bestehen, die Fragestellung in einen historischen Kontext einzuordnen, „Von Hasso zu Krise: Tiernamen im Wandel der Zeit“. Und wie sieht es in anderen Ländern aus? Abschließend sollen noch ein paar tröstende Worte an all jene gespendet werden, die ohne eigenes Verschulden an Tiere mit doofen Namen geraten sind, zum Beispiel weil sie diese aus einem Tierheim geholt haben. Ich glaube, dass es allen Katzen ganz egal ist, wie sie heißen und mit welchem Namen sie angesprochen werden. Die sind da pragmatisch, wenn von einem Kommunikationsangebot ein positives Ergebnis zu erwarten ist, gehen sie gerne darauf ein.

Über Lesendenkommentare mit lustigen (Gegen)-Beispielen würde ich mich freuen. Vielleicht meldet sich ja die empörte Eigentümerin des Korallensittichs Volker-Christian oder jemand kennt eine Boa Constrictor namens Gerd. Interessierte können erstmal hier weiterlesen: www.kuhnamen.de