Entnazifizieren multiplizieren!

Ich habe ja (regionalen) Ruhm als Fahrrad-Entnazifiziererin ernten können. Stete Diskussion mit dem befreundeten Onkel erinnert mich jedoch daran, dass es dabei nicht bleiben kann. Wie hier bereits illustriert, stehen in Köln bald Wahlen an. Leider präsentieren sich dort auch Vereinigungen wie Pro Köln, die den Boden des Grundgesetzes verlassen zu haben scheinen. Parolen wie „Bürgermut stoppt Asylantenflut“ finde ich dann doch etwas zu volksverhetzend. Während ich mich dieses Wochende mit esoterischer Foucault-Exegese beschäftigte, sorgte der befreundete Onkel mit ungefähr 80 Verbündeten dafür, dass der Pro Köln Wahlkampfstand auf dem Heumarkt nicht zugänglich war. Danke dafür! Neffe Sichten (Phantastischer Blog, immer lesen, aber: Lieber Freund, Tumblr nervt!)  berichtet von einer anderen sinnvollen Protestform:

sichten

 

Ich bin bester Dinge, dass wir alle zusammen: Plakate, Versammlungen sabotierend, Bildungsarbeit leistend und alles andere, was wir gut können und in den Kopf kommt, das richtige Ergebnis erreichen werden!

Zweifel an der eigenen Lustigkeit und Verschwörungstheorien

Heute möchte ich von einer amüsanten Begebenheit berichten, die wie im letzten Eintrag, nicht zum Totlachen komisch ist, aber doch ganz charmant. Ihre Besonderheit besteht darin, dass ich sie meinem Kumpel So’ n Chaos (insgesamt ein sehr feiner Gentleman) verdanke, der von sich denkt, er sei nicht besonders lustig.

Einmal, wir waren gerade auf unserem Weg Richtung Kioskbier, erwähnte So’ n Chaos, er könne ja leider keine guten Witze machen. Dann wechselten wir das Thema und jammerten darüber, wie doof Anhänger von Verschwörungstheorien seien.

Schnell waren wir uns einig, dass das Nervige an denen darin bestehe, dass sie zu faul seien, sich mit den Komplexitäten und Interdependenzen von Machtwirkungen und –beziehungen in der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Stattdessen überlegen sie sich eine schöne Verschwörungs-theorie mit einem klar identifizierbaren, für alles Übel ursächlichen, autonomen, allmächtigen Subjekt. Das kritisieren sie  dann zwar, sind aber eigentlich froh, sich die Welt so einfach erklärt zu haben.

So’ n Chaos und ich sind intellektuell weiterentwickelter. Daher ärgern wir uns über die Verschwörungstheoretiker (und, im Sinne der allumfassenden Geschlechtergerechtigkeit, natürlich auch über die Verschwörungstheoretikerinnen sowie die Personen, die sich keiner spezifischen geschlechtlichen Identität zuordnen wollen und außerdem Verschwörungstheorien mögen; aber seien wir ehrlich, es sind meistens Männer!). Die sind alle ziemlich scheiße. Vielleicht auch deswegen, weil Verschwörungstheoretikertum und Antisemitismus uns ja nicht selten in Personalunion begegnen.

Tatkräftig, leistungsbereit, wettbewerbs- und  praxisorientiert, jederzeit willens und fähig konkrete Lösungen zu entwickeln, wie So’ n Chaos und ich nunmal sind, fiel uns dann zum Glück schnell ein, wie das Dilemma zu beheben wäre: Die ganzen Verschwörungstheoretiker müssen einfach in Umerziehungslager mit Foucault-Zwangslektüre-Kurs gesteckt werden. „Ja, und wo ist der Witz?“, fragen sich gerade die aufmerksam Lesenden.

Naja, und um diese ganze Zwangslager-Umerziehungsaktion in die Tat umzusetzen, würden wir natürlich eine große Weltverschwörung organisieren.