Der Zauberberg – Die zweiten hundert Seiten – Ein Husten ganz ohne Lust und Liebe

Die zweiten hundert Seiten: Schön wärs – Stattdessen ist es wie im richtigen Leben. Ich hänge selbst- und fremdgesetzten Zielen hoffnungslos hinterher. Bis auf Seite 36 konnte ich mich erst vorkämpfen. Meine Erwartungen finden sich bislang bestätigt: Der bourgeoisere der beiden Mann-Brüder weiß durch kunstvollen Gebrauch adjektivhaltiger Sprache und nix-passieren-lassen in mir eine zäh-mürbe-träge Stimmung zu erzeugen und meine bildungsbürgerlichen Bestrebungen ernsthaft zu behindern.

Als positive Abwechslung stach diese originelle Beschreibung eines Hustens hervor: 

„…aber ein Husten, der keinem anderen ähnelte, den Hans Castorp je gehört hatte, ja mit dem verglichen jeder andere ihm bekannte Husten eine prächtige und gesunde Lebensäußerung gewesen war, – ein Husten ganz ohne Lust und Liebe, der nicht in richtigen Stößen geschah, sondern nur wie ein schauerlich kraftloses Wühlen im Brei organischer Auflösung klang.“

Höhepunkt der Langeweile: die seitenlange Beschreibung des Geschirrs aus der Vitrine des längst verstorbenen Großvaters des Protagonisten. Da nützt auch das vom befreundeten Onkel beigesteuerte Hintergrundwissen, dass die Taufschale in der Vitrine von der echten Taufschale der Familie Mann inspiriert ist, nichts.

Um von den nicht gelesenen ersten hundert Seiten abzulenken, initiierte ich in Blogbeitrag Zauberberg Eins einen Thomas Mann Imitier-Contest (sehr neoliberal – mangelnder Inhalt wird durch einen überflüssigen Wettbewerb übertüncht), welcher sehr erfreuliche Resultate zeitigte: Die drei sympathischen Teilnehmenden begeisterten durch konsequente Nichtbeachtung der Vorgaben. Beitrag Eins: Plagiat, Beitrag zwei: „Ich imitiere lieber Ayn Rand“, Beitrag drei: “ Ich imitiere lieber ‚vage bildungsbürgerlich'“. Gewinner, mit sehr knappem Vorsprung, So‘ n Chaos mit Satzkunstwerken wie: „Ganz nach dem Vorbild von Mutter Merkel, gestand ein Teil von ihm sich leise ein, bevor dieser Teil wieder unter Granit verschüttet wurde.“ 

Lange sann ich über mögliche Nachfolge-Wettbewerbe nach, zum Beispiel: „Analysiere und interpretiere den Beitrag von So‘ n Chaos und setze ihn in einen literaturhistorisch-dekonstruktivistischen Kontext“, aber das ist zu schwer. So‘ n Chaos würde wahrscheinlich wieder gewinnen. Wie wäre es stattdessen mit der folgenden Frage: Nachdem wir uns jetzt lange und erfolgreich mit der Aufgabe „Wie würde Thomas Mann Sigmar Gabriel beschreiben“ beschäftigt haben, lassen Sie uns das doch einmal umkehren: Wie würde denn Sigmar Gabriel Thomas Mann darstellen?

Hier ein Vorschlag: „Currywurst, liebe Parteifreunde und Parteifreunde, die SPD ist Currywurst, die Partei der Arbeiterinnen und Arbeiter, des ehrlichen, des kleinen Mannes. Thomas Mann, hingegen, das ist Canapees, Arroganz, Bonzentum. Der Mann lebte nicht von seiner Hände harter Arbeit. Den ehrlichen Arbeiter, den zu stark behaarten Lastwagenfahrer, den bollerigen plumpen Lehrer, da war sich der Herr zu fein für, Genossinnen und Genossen!“

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Der Zauberberg – Die ersten hundert Seiten

Bloggen für dummies 101: don’t drink and blog, wissen alle. Der befreundete Onkel mahnte mich noch zur Zurückhaltung. Ich aber, euphorisiert von Bier und Sex-Hexe, schlug die Warnung in den Wind und kündigte eine Blogreihe zum Zauberberg an. Optimistisch wie ich war, dachte ich, also da werden sich doch interessante Zitate und lustige Bezüge zur Gegenwart zu Haufe finden lassen. Die werden mich von selber anfliegen, ich muss sie dann nur noch aufschreiben und mit Sex-Hexen anreichern.
Vielleicht finde ich eine Verbindung zwischen Zauberberg und GroKo, Zauberberg und Wetten dass..? oder Zauberberg und Pep Guardiola.
Hier eine erste Idee: Wie würde Thomas Mann Sigmar Gabriel beschreiben? Ich könnte daraus sogar einen Wettbewerb für meine drei Lesenden machen – Es gibt individuell zugeschnittene Preise. Ein erster Antwortsvorschlag zur Orientierung: „Sigmar Gabriel soll ich beschreiben?“, tönte er fragend mit sonorer, leicht raspelnd-rauher Stimme, deren Timbre an das Rauschen der Blätter im Koniferen-Hain gemahnte, während der Kalfaktor eine niederländisch-guineeische Chocolade kredenzte, zauselte mit indigniertem Gestus an seinem wohlgeformt-ziselisierten Schnurrbart und wandte sich empört ab.

Euer Onkel Maike