So, es muss jetzt schnell ein neuer Blogbeitrag verfasst werden!

Denn der aktuelle ist einfach peinlich und entlarvt mich als weltschlechteste Politikvorherseherin. Onkel Maike, das Anti-Orakel, so werde ich in die Annalen eingehen. „Wer wird uns enttäuschen? – Sozialdemokräuschen!“ prognostizierte ich am Vorabend der Griechenland-Wahlen dummdreist das politische Schicksal von Alexis Tsipras und seiner Partei. Während es, wie wir nun wissen, hätte heißen müssen: Wer wird uns aufs Vortrefflichste unterhalten und überraschen? – Sozialdemokraschen!“

Es ging ja schon damit los, dass keine drei Stunden nach der Verkündung des amtlichen Endergebnisses (also, falls Griechenland sowas hat, zumindest aber wirklich SEHR kurz nach der Wahl) Alexis Tsipras bekannt gab, sich mit Hilfe der hellenischen AfD, eine Partei namens „Anel“ zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen. „Ein Skandal!“, schimpften die Grünen, während die ziemlich blamierte Linkspartei erklärte, die Anel sei gar keine AfD, sondern so etwas wie eine sehr rechte CSU (na dann ist ja alles gut!). Also allein dafür hat sich der Aufwand ja schon fast gelohnt. Während die Nachdenklicheren unter den Linken noch grübelten, ob Koalitionen mit Rechtspopulisten (die dem Parteivorsitzenden Kammenos nachgesagten antisemitischen Äußerungen scheint er allerdings nicht getätigt zu haben) in Ordnung gehen, wenn dafür ganze Bevölkerungen, zum Beispiel durch Reintegration in die Krankenversicherung, vor der Verelendung gerettet werden könnten, ging es munter weiter. Zum Finanzminister wurde Starökonom und George Clooney-Lookalike (finde ich ja nicht, wurde aber geschrieben und hübscher als Rainer Brüderle ist er schon) Yanis Varoufakis ernannt (ich habe schon seinen Blog abonniert, schaut hier). Der war nicht nur als Person spektakulär, sondern benahm sich auch schnell so und ließ es beim Treffen mit der Troika zum Eklat kommen. Währenddessen deutete sich an, dass die Griechen sich in einem höheren Maße als es manche Deutsche für zulässig halten, ihren orthodoxen Glaubensbrüdern aus Russland anzunähern trachten. Auch wenn die Fraternisierung dann tatsächlich harmloser ausfiel, als teilweise dargestellt, so war der Grusel-(und heimliche Schadenfreude)Faktor doch beträchtlich. George Clooney (welcher ebenfalls durchaus nicht alles, was ihm von deutschen Medien in den Mund gelegt wurde, Beispiel: „Am Ende zahlen die Deutschen sowieso alles!“, in der Form gesagt hat) fuhr indessen nach Frankreich und kuschelte mit Ministerkollegen Michel Sapin (der wiederum ungefähr so aussieht wie Rainer Brüderle). In den deutschen Talkshows hatten Politiker der Linkspartei (Maybritt Illner sinngemäß zu Gregor Gysi – „Herr Gysi, wenn Sie hier in Deutschland die Wahlen gewinnen, werden Sie dieselben Sachen machen wie Herr Tsipras gerade in Griechenland?“ – Antwort Gysi: „Ja, so ungefähr.“) gute Auftritte. Der Spiegel blieb in der ganzen Aufregung unterdessen nüchtern-ausgewogen und titelte: „Europas Alptraum Alexis Tsipras – Der Geisterfahrer“ und in Spanien mobilisierte die Podemos-Partei hunderttausend Leute, die gegen die europäische Austeritätspolitik demonstrierten. Es hat ein bisschen den Anschein, als würde sich der Diskurs substantiell nach links verschieben, als wäre die Macht des Alternativlosigkeitspostulats gebrochen oder zumindest angeknackst. Natürlich ist die Sachlage komplex und unübersichtlich und ich hätte mangels ausreichender Kompetenz eigentlich auch nicht darüber schreiben wollen, aber als ich nun auf Spiegel Online lesen durfte, dass die griechische Regierung ihren Luxusfuhrpark verkauft hat, um von nun an nur noch Taxi oder Motorrad“ zu fahren, musste ich was dazu schreiben. Spitze, Syriza! (Aber: Ich glaube, durch Taxifahren spart man eigentlich kein Geld, vielleicht könnte das noch mal reformiert werden – Herr Schäuble, schreiten Sie ein!)

 

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