Pegida – Pro und Contra

Eine Sache gefällt mir an Pegida: Und zwar, dass die nicht mit der „Systempresse“ reden. Wäre ich eine Protestbewegung, ich machte es genauso. Zwar glaube ich nicht, dass Fernsehsender und Zeitungen sich verabredet haben, nur noch die Unwahrheit zu verbreiten, aber dem öffentlichen Bildungsauftrag und der damit einhergehenden Verpflichtung zum Bemühen um Objektivität wird auch niemand mehr so richtig gerecht (naja, sagen wir mal: alle außer Phoenix). Indigniert stellte Günther Jauch gestern fest, dass Pegida nicht in seine Talkshow kommen will. Heul doch! Ich würde zu dem auch nicht hingehen. Ausreden lässt einen da keiner und wenn es schlecht läuft, wird man hinterher wochenlang als „Quassel-Imam“ beschimpft.

Natürlich gibt es auch Sachen an Pegida, die mir nicht gefallen, zum Beispiel die öffentliche Auseinandersetzung damit. Ich habe mir die Talkshows zum Thema angeschaut und hätte noch was zu ergänzen. Meines Erachtens wird den Pegida-Aktivistinnen und -Aktivisten zu viel entgegenkommendes Verständnis zuteil: „Wir müssen die Sorgen der Demonstrierenden verstehen!“, fordern Diskutantinnen und Diskutanten jeglicher politischer Provenienz. Nein, liebe Leute, das müsst Ihr nicht. Ich verstehe ja, dass Ihr Euch auch an die unsympathischen Elemente des Wahlvolkes ranwanzen wollt, aber dabei solltet Ihr Maß halten. Pegida muss nicht verstanden, sondern als rassistisch benannt und beschimpft werden: „Die Islamisierung des Abendlandes“ ist keine reale Bedrohung und keiner Sorge wert. Der sich dahinter nur sehr schlecht versteckende kulturelle Rassismus hingegen schon. Gruselige Ergebnisse erreicht man auch durch Ersetzen von „Islamisierung“ durch „Judaisierung“ („Patriotische Europäer gegen die Judaisierung des Abendlandes“, zum Beispiel).

Sorgen sollten sich die VolksvertreterInnen und alle anderen um die Frage, wo eigentlich unsere Empathie und Humanismus geblieben sind. Die Leute in den Flüchtlingsheimen sind die Schwächsten unter den Schwachen bei uns, und auf denen wird jetzt rumgetrampelt. Vielleicht sind nicht alle diese Menschen politisch verfolgt im Sinne des deutschen Asylrechts. Na und? Trotzdem sind es Menschen, denen es, da wo sie herkommen, schlecht ging und die sich ein besseres Leben wünschen, sonst wären sie ja nicht hier und würden sich diesen entwürdigenden Umständen aussetzen. Ich habe selber öfter mal mein Herkunftsland für länger verlassen. Das war immer freiwillig, aus Neugierde und Abenteuerlust, ich hatte immer genug Geld, Freunde, Familie und ein Zuhause in das ich zurück konnte. Trotzdem habe ich mich manchmal sehr alleine und einsam gefühlt. Und das, obwohl niemand gegen mich demonstrierte, meine Abschiebung forderte, mich persönlich bedrohte oder versucht hat, mich anzuzünden.

Also bitte kein Verständnis für die Sorgen der Pegida-Leute, sondern für die Menschen, die von denen angegriffen  werden. Ich möchte zum Beispiel gerade nicht gerne (vermeintlicher) Muslim in Sachsen sein. Ich würde mir wie ein Teil einer kleinen (es sind ja nur 4.000), dafür aber ziemlich bedrohten Minderheit vorkommen. Und das wäre ich ja auch.

 

 

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