Was ist heute Lustiges passiert?

„Witze sind ein Minenfeld“ sagt mein Freund, als ich ihm berichte, dass eine von meinen Blogkategorien „Witze“ heißen soll. 

Mag sein, Witze und Lustigkeit sind andererseits aber auch wichtige Themen. Worüber und warum Leute lachen, kann gar nicht genug untersucht werden. Es eröffnet sich ein Füllhorn an Fragestellungen:

Wieso schafft es der Postillon mit einem Mitarbeiter so viel lustiger zu sein als Titanic-Online mit einer ganzen Redaktion? Lacht man betrunken über andere Witze, insbesondere sexistische, als nüchtern? Wieso versteht man in Siegmund Freuds Aufsatz „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“ die Witze nicht? Warum schaffe ich es nicht, meinen Freund für das von mir erfundene, sehr gute Spiel „Witze erfinden“ zu begeistern? Sind witzige Leute immer gleichzeitig auch traurige Leute, bedingt sich das?  Was ist heute Lustiges passiert?

Bei mir noch nichts.

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8 Kommentare zu “Was ist heute Lustiges passiert?

  1. Ernsthaften Texten mit witzig, poinierten Kommentaren begegnen: Herzerfrischend. Witzige, pointierte Texte mit noch witzigeren Kommentaren zu übertreffen suchen: Unsympathisch. Witzige, pointierte Texte mit ernsthaften Kommentaren bedenken: Stimmungstötend. Witzige, pointierte Texte mit Betroffenheit parieren: Deplatziert.
    Fazit: Dieser Kommentar ist imageschädigend! Aber herzlich!

    • Liebe 1falt,
      herzlichen Dank für den differenzierten Kommentar. Sie sind aber streng kategorisch – Könnte es sein, dass Sie nicht aus Köln kommen?
      Zur letzten Variante: Ich frage mich manchmal, ob ich weniger über sexistische Witze lachen würde, wenn ich emanzipierter wäre.
      Viele Grüße

      Dein Onkel Maike

  2. Lachen scheint mir emanzipatorisch unbedenklich. Würden Sie vornehmlich kichern, könnten ein paar befreiende Lockerungsübungen hilfreich sein. Und in der Tat: Ich bin kein Kölner. Noch nicht einmal meine besten Freunde sind Kölner. Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt Kölner kenne. Ich wohnte hier nur.

    • Liebe_r 1falt –
      ich erinnere mich, in ihrem freundeskreis befindet sich sogar die kölnophobste person, die mir je begegnet ist (chapeau). mit der emanzipation und dem lachen ist es glaube ich nicht so einfach – nehmen sie als beispiel „ausländer“feindliche-witze. über die würden wir nicht lachen, und die leute, die drüber lachen, stoßen uns ab. ist es nicht so ähnlich mit frauen- oder schwulenfeindlichen witzen? wobei ich „köln ist die einzige stadt, in der sich die bauarbeiter gegenseitig hinterherpfeifen“ immer noch gut finde 🙂

      Ihr Onkel Maike

  3. Gilt Hannover* im R(h)einland als Ausland?
    * „Die Stadt mit dem gewissen Nichts“ (Harald Schmidt, Wahlkölner)

    Wenn ja, zeigt der Selbstversuch, dass ich als Randgruppenelement durchaus über einen Randgruppenwitz lachen kann.

    Lustiger finde ich allerdings den Lieblingswitz von Herrn Genscher:
    Eva zu Adam: „Liebst du mich?“ Adam: „Wen sonst?“

    Ist der jetzt blasphemisch? Koalitionsfeindlich? Monogamophob?
    Wäre er weniger lustig, wenn Herr Brüderle ihn erzählen würde?

  4. Liebe 1Falt,
    da stellst Du ein paar außerordentlich kluge Überlegungen an. „Ausländer“ sagt mensch ja nicht mehr. Aber wie ich hast Du einen protestantisch-niedersächsischen Migrationshintergrund, der von Zeit zu Zeit durchaus zu Diskriminierungssituationen führen kann (oder dass frau unter den schlechten kölschen Witzen leidet).
    Der Genscherwitz ist top, ich kannte ihn noch nicht. Leider kann ich Dir für die Analyse keine Eins plus geben, da Du die wichtigste Gruppe, derer, die durch ihn diskriminiert wird, vergessen hast: Die Zoophilen. In einer Welt, in der auch Liebesbeziehungen in die Tierwelt hinein gleichberechtigt wären, würde der Witz ja nicht funktionieren (Tiere gab es doch genug im Garten Eden, oder, bin ja nicht so bibelfest).
    Aber vielleicht mal ein ernstes Beispiel, vor vielen Jahren kaufte ich mir mal das Comic „Adolf die Nazisau“ (Walter Moers finde ich super), danach ging ich ins Kino und sah „Das Leben ist schön“ von Roberto Benigni, der ja in einem KZ spielt. Als ich nach Hause kam, fand ich mein neues Comic nicht mehr lustig.

  5. kölner sind schlimm und roberto benigni ist lustig?
    langsam gerät die diskussion hier aber in gefährliche fahrwasser!

    dass die kölner nunmal der lustigste menschenschlag überhaupt sind, weiss doch jeder in köln. ausser den zugezogenen. und den durchreisenden. und jenen kölnern, die eine eigenartige ablehnung der kölschen lustigkeit entwickelt haben, da sehe ich übrigens deutliche parallelen zum „jüdischen selbsthass“. auch da wird ja nicht vermutet, dass es einfach juden sind, die judentum und jude sein doof finden, sondern dass sie den indirekten folgen des antisemitismus anderer erliegen, hier also des anticolonianismus (auch des niedersächsischen). an köln an sich kann es ja nicht liegen, köln ist toplustig.

    wäre ich protestant, würde ich aber auch am lustigen köln herummäkeln. warum sollen denn auch die anderen spass haben, während ich das trockene brot des pietismus beissen muss? die geissler waren der protestantische karnevalszug – noch bevor es protestantismus überhaupt gab.
    und man vergleiche doch einfach die lustigkeit eines protestantischen herrschers wie joachim gauck mit den immer einen heiteren witz auf den lippen habenden katholischen regenten wie ludwig ii!

    dein freund, der sich so hartnäckig gegen das spiel „witze erfinden“ wehrt, hat auch grosse schwierigkeiten mit dem von dir mit ähnlicher begeisterung forcierten spiels „witze erklären (lassen)“.
    der protestant mag sich erklären wollen, dass adam sicher lieber eva liebt als die emanzipierte lilith, und dass hierin die unausgesprochene kritik am patriarchat liegt, die dem witz seine qualität verleiht.
    der katholische kölner hingegen denkt: „haha, ein witz!“, trink noch einen und geht zur beichte.

    dem protestantischen humor hat ingmar bergman mit seinen komödien ein beeindruckendes denkmal gesetzt.

    (Zwei kölsche Putzfrauen bei der Arbeit. Die eine: Ich mach’ Diät. Darauf die andere: Joot, dann maach ich die Finster.)

    • Lieber Jupp-Zupp,
      nun ja. Da ich gute Kontakte zur NSA habe, bin ich über folgendes informiert – Sie sind ja gar nicht rein kölscher Herkunft – vielmehr ein protestantisches Halblut – haben wir es bei Ihrer abwegigen Köln-Verteidigung nicht eher mit protestantischem Selbsthass zu tun?
      Des Weiteren hat mir die NSA verraten, dass mein Freund sich gegen das sehr gute Spiel „Witze erklären“ zunehmend weniger wehrt. Er sieht es so langsam ein, auch wenn er in Phasen der Regression manchmal unter dem Pseudonym „jupp-zupp“ in Blogkommentaren herumrandaliert.

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