Kirchen und Oliven

Ich kann mit Kirchen nichts anfangen. Sie sind unwohnlich, die Malerei ist in der Regel auch nicht schön und es sind insgesamt unerfreuliche Orte. Die meisten Kirchen lassen mich einfach unberührt (z. B. die Sixtinische Kapelle), manchen stehe ich offen feindselig gegenüber (vor allem dem Kölner Dom, das ist ein dunkler, grober, stacheliger furchteinflößender Klotz, ja es war sicherlich eine Leistung den zu bauen, vor sechstausend Jahren, aber das ist mir egal). Um es klarzustellen: Gegen die Kirche als Institution habe ich nichts (irgendwer musste die Welt ja erklären und für Trost sorgen, als wir noch kein Internet hatten), nur der liebe Gott und die Gebäude gefallen mir nicht. Da ich als Frau sozialisiert wurde, suche ich den Fehler für diese Abneigung natürlich bei mir. Ich bin vermutlich einfach nicht kunstbeflissen genug. Also gebe ich nicht auf, übe praktische Reue und gehe immer wieder in jede Kirche hinein, die mir über den Weg läuft. So wie mir mit Kirchen geht es Mrs. Columbo übrigens mit Oliven. Im Gegensatz zu gefühlt allen anderen Erwachsenen mag Mrs. Columbo keine Oliven. Sie wundert sich, gibt aber nicht auf und konfrontiert sich tapfer regelmäßig immer wieder mit Oliven und ihrem Geschmack. Nur um festzustellen, dass sie die nicht lecker findet und weiter vor dem Rätsel steht, was anderen Menschen wohl an Oliven gefällt.

Zwei Kirchen sind mir inzwischen begegnet, die ich doch mag: Die Kirche St. Joseph in Le Havre und der Dom von Siena. St. Joseph ist allerdings mindestens ebenso ein Manifest der brutalistischen Meisterschaft ihres antiklerikalen, kommunistischen Architekten, Auguste Perret, wie eine Kirche.
Der Dom von Siena wurde zwar nicht von Kommunisten erbaut, wirkt aber auch so als hätten bei der Gestaltung zumindest Menschenfreund*innen ihre Finger mit im Spiel gehabt. Er ist mit seinen grün-weißen Marmorsäulen und leuchtend blauen Innenausmalung so ein fröhliches Prachtstück, dass man ihn einfach mögen muss.
In Florenz habe ich nun den Dom besucht. Auch hier gibt es wenig zu meckern. Das ist einfach ein wunderschöner grün-weißes Palast. Trotz seiner Masse fügt er sich lieblich und luftig in seine Umgebung ein. Wir haben es hier mit einer Form sakraler Baukunst zu tun, die den User nicht einschüchtert und fürchten macht (ich erinnere nur an den Kölner Dom), sondern ihn mit sich wachsen lässt. Witzigerweise sieht dieses wichtige Werk der Renaissancekunst aus der Ferne ja ein bisschen aus als wäre es eine Zeichnung. (Ich nehme an, das liegt an der Struktur des Marmors?) Von Innen ist der Dom recht schlicht, wenig Malerei, der große Raum erzeugt ein Gefühl von Weite und Möglichkeit. Auffallend schön und interessant sind die vielen abstrakt gemusterten Marmorböden.

Naja, die Geschicht‘ hat keine Moral. Dass sich Neugierde und stetes Probieren am Ende immer auszahlt, würde ich nicht behaupten. Aber ich hoffe für Mrs. Columbo, dass sie irgendwann noch mal eine Olive finden wird, die sie mag.

Ein Kommentar zu “Kirchen und Oliven

  1. ich war eine freundin der baukunst, bewunderte jahrhunderte kirchen und brücken. dann saß ich vor vielen jahren in florenz am platz st. maria novella(?)in der kirche und bewunderte wieder die marmorböden. dabei fiel mir ein, wie zur zeit der erbauung die handwerker mit ihren familien leben mussten, während der klerus in palästen hauste. seitdem mag ich keine kirchen mehr ansehen. die handwerkskunst wurde nie richtig geehrt. viele entdeckungen wünscht roswitha
    weggefaehrtin.blogspot.com

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