Mailand

Ups, gleich bin ich schon in Mailand. Da will ich gar nicht hin. Lieber würde ich noch weiter in der Toskana herumfahren. Aber ich muss so langsam wieder nach Hause. Der Regionalzug von Siena nach Empoli war wieder allerliebst. Zwar war er vergleichsweise lang, immerhin zwei Wagons. Dafür waren seine Trennwände mit originalgetreuen 70er-Jahre Tapeten ausgekleidet, die (unironisch) recht geschmackvoll anmuteten: Ein Muster aus Kreisen in verschiedenen Grautönen. Morgen geht es von Mailand weiter nach Bern. Das hoffe ich zumindest. Der Mann am Fahrkassenschalter hat mir eine Karte nach „Berna“ verkauft und ich gehe jetzt optimistisch davon aus, dass wir das selbe meinten. Mein Fantasie-Soähnlich-Italienisch klappt meistens gut, aber nicht immer. So heißt z. B. „A Sinistra“ nicht „Ab in die Finsternis“, sondern, anscheinend, „nach links“. Naja. Müssen die selbst wissen. Meinen Namen finden die Menschen hier auch merkwürdig. Ich lege deswegen im Hotel, am Bahnhof etc. immer ungefragt meine EC-Karte vor. Dann können die den da einfach abschreiben. Dachte ich. Im Bahnhof von Brindisi zeigte die freundliche Fahrkartenverkaufsfrau stirnrunzelnd auf meinen Namen auf der Karte und fragte ungläubig „Is that your Name?“. Sie fand es anscheinend genauso wahrscheinlich, dass ich „Stadtsparkasse KölnBonn“ heiße wie Maike Mustermann. „In Germany thats a normal name“, antworte ich entschuldigend und frage mich beim Rausgehen, ob das nicht etwas kulturimperialistisch geklungen haben mag. Es war aber auf keinen Fall so gemeint. Ich freue mich immer, wenn Leute meinen Namen exotisch finden. Apropos Kulturimperialismus, wenn ich sage, dass die Züge hier in Italien niedlicher sind, ist das nicht herablassend gemeint. Die italienische Bahn funktioniert in allen Belangen um Längen besser als die deutsche Bahn. Sie ist (wissenschaftlich bestätigt, soweit ich weiß) pünktlicher, sie zwingen die Leute, 3G nachzuweisen und verschenken im Schnellzug Wasser, Masken und Desinfektionsgel.
Aber dieses „Italien ist viel besser als Deutschland“ ist natürlich naiver, egozentrischer Unfug von mir. Italien behandelt Geflüchtete in vielerlei Hinsicht viel schlimmer um als Deutschland, um nur ein Beispiel zu nennen und so weiter, das ist mir schon alles klar.
Abschließend war ich gestern noch im Dom von Siena. Das hat sich gelohnt. Der Dom ist riesig, die Wände komplett bemalt und voller Säulen aus grünem und weißem Marmor, die dem ganzen eine helle Leichtigkeit verleihen. Eine üppige Pracht, der Kölner Dom ist eine trübe Hütte dagegen (ehrlich gesagt, find ich den Kölner Dom sowieso eine trübe Hütte). Auf dem Weg ins Hotel traf ich dann die beiden ersten richtigen Straßenkatzen überhaupt. Zerzaustes Fell, ehemals weiß jetzt grau, drei Augen auf zwei Katzen verteilt und null Interesse, mich kennenzulernen, Schade. (Außerdem glaube ich, dass die beiden etwas lernbehindert waren, jedenfalls hingen ihnen die ganze Zeit ihre Zungen aus dem Mäulchen, was zwar einerseits niedlich war, aber echt so ein bisschen trottelig wirkte, wobei das Wort „trottelig“ wahrscheinlich nicht mehr benutzt werden darf. Hm. Wie sag ichs unableistisch? Ich werde drüber nachdenken.).


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