Siena

Die Anreise aus Rom war herzallerliebst. Siena ist nicht sonderlich gut an das italienische Zugnetz angebunden, aber das macht nichts. Umsteigen musste ich in einer kleinen Stadt namens „Chiusi Chianciano Terme“. Das ist doch kein Name für eine Stadt! In mein Fantasieitalienisch übersetzt heißt es „Badeanstalt geschlossen, singend“. Ich bin zu faul, das mit der Realität abzugleichen. In Chiusi Chianciano Terme musste ich dann eineinhalb Stunden auf den Anschlusszug nach Siena warten. Das allerdings hat sich gelohnt. Der Zug nach Siena bestand nur aus einem einzigen Wagon und der war noch nicht mal besonders lang, dafür aber wirklich nicht mehr der Jüngste. Pittoresker als Mittelaltermarkt! In dem Zug war außer mir noch ein Tourist, der es auch nicht so ganz glauben wollte und mich fragte, ob das wohl der Zug nach Siena sei.

Zufällig hat es sich dann ergeben, dass ich in Sienas schönstem Hotel gelandet bin: In einem ehemaligen Kloster namens „Alma Domus“. Der Blick aus dem Fenster zeigt auf die Altstadt, mittelalterliche Gotik (gibts noch andere Gotik als mittelalterliche, bin zu faul nachzugucken), Unesco-Weltkulturerbe. So ganz mein Geschmack ist das aber nicht, alles ziemlich dunkel. Hier ist alles voller Backsteine, die mich an Preußen erinnern. Und, schlimmer, voller deutscher Studienrät*innen, die mich daran erinnern, wo uns Preußen hingeführt hat. Ich könnte jetzt losschimpfen über deutsche Studienrät*innen und an den deutschen Staat appellieren, dass er seine Lehrer*innen schlechter bezahlt, damit ich die im Urlaub nicht mehr treffen muss. (nichts gegen Dich, Mutter, Du bist nicht gemeint). Aber ich schenk mir das. Eins sei aber gesagt: Obwohl ich kein Italienisch kann, kann ich mit hundertprozentiger Sicherheit, Volkshochschulitalienisch sprechende deutsche Lehrer*innen identifizieren. Sehr entschlossen und selbstsicher aber ohne Gefühl für die Sprache oder sonst irgendwas Relevantes.

Außerdem erinnert mich Siena ein wenig an Venedig. Die Altstadt ist so wertvoll und berühmt, dass dort niemand mehr normal wohnt, es ist einfach ein Tourist*innenreservat, schön, aber auch ein bisschen künstlich.

Ich glaube noch nie hat jemand sich so unfreundlich über Siena geäußert, das als eine der schönsten Städte Italiens gilt (und das will was heißen). Aber ich bin auch etwas erschöpft und griesgrämig. Außerdem sind zwei Tage zu wenig, um sich eine Stadt anzuschauen, auch wenn sie klein ist. Puh, und jetzt muss ich mich langsam mal aufmachen, den Dom hier besichtigen gehen. Sonst kriegt mein inneres Lehrerkind ein schlechtes Gewissen.

6 Kommentare zu “Siena

  1. Bisher bin ich stiller Mitleser. Aber jetzt, wo ich „meine“ Reise (vor 15 Jahren, allein, mit Zug durch die Toskana) nochmal nachlesen kann, muß ich einfach mal danke sagen: Danke.

  2. tolle berichte von der reise, danke. ich fuhr mit dem normalen linienbus von florenz nach siena, vor vielen jahren, sehr mühselig und warm war es. und voller war der bus auch. alles gut, es war zu warm zu schauen, damals.

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