Rom

Rom ist wunderbar. Es hält, was der Name verspricht (keine Selbstverständlichkeit heutzutage) und ist voller römischer Sachen. Selbst so schlichte Gemüter wie ich, die sich aktiv nicht für die Antike und sonstige Kulturgüter interessieren, sind ergriffen. Das geht gar nicht anders. Grundsätzlich ist das Meiste in Rom zu groß, um auf Fotos zu passen. Aber egal. Gestern hatte ich einen schönen letzten Tag. In Travestere saß ich mit anderen Leuten auf einer Treppe und hörte einem Straßenmusiker zu, als auf einmal die ganzen anderen Leute anfingen mitzusingen (Es schien mir ein italienisches Liebeslied zu sein, das ich aber nicht kannte). Das war ja mal eine Überraschung, habe ich noch nie so erlebt. Dann lief ich unverhofft an einer kleinen Anti-Corona Kundgebung vorbei. Heute vermelden deutsche Nachrichten, dass es noch zu gewalttätigen Ausschreitungen kam, weil die Demonstrierenden zu Romano Prodis Amtssitz vordringen wollten. Ich habe der Kundgebung ein wenig gelauscht. Italienischer Querdenker-Talk ist auch für des Italienischen Unkundige ganz gut zu verstehen. Es offenbar in ganz Europa dasselbe: Faschist*innen werfen Nicht-Faschist*innen vor, die wahren Faschist*innen zu sein. Eine wirksame politische Strategie gegen diese Dreistigkeit muss auch langsam mal erfunden werden. Grundsätzlich sind die Leute in Italien konsequenter, was Corona anbelangt. Wer in einen Schnellzug einsteigen will, muss 3G nachweisen. Im Bahnhof von Brindisi haben sie sogar Fieber gemessen, in manchen Supermärkten machen sie das auch. Aber Egal. Jetzt sitze ich hier im Bahnhof auf dem Fußboden und freue mich darauf, nach Siena zu fahren. Insgesamt stelle ich fest, dass ich recht erschöpft bin. Merkwürdig, da ich ja Urlaub habe und somit den ganzen Tag tun und lassen kann, was ich will. Ich will wohl erschöpft sein? Aber vielleicht ist ja so durch die Gegend reisen auch auf eine Weise anstrengend. Es ist eben alles neu. Jede alltägliche Sache muss ja erstmal ausprobiert und herausgefunden werden. Dusche, Klospülung, U-Bahneingang, tausend Sachen haben irgendwo Knöpfe, über die wir im Alltag gar nicht nachdenken. Jeden Tag muss ich rausfinden, wie ich wohin und worein komme, aber auch, wo ich was kaufen kann etc. Essen gehen ist ein zweischneidiges Schwert, immer lecker und interessant, aber meine Abenteuerlust hat auch schon zu ein paar Mahlzeiten geführt, die eher anstrengend als wohlbefindenssteigernd waren (in einer „Fischsuppe“ war ein ziemlich großer Tintenfisch am Stück. Mrs. Columbo hat gesagt „Und irgendwo im Mittelmeer sitzen jetzt die traurigen Tintenfischwaisenkinder von dem und sind ganz traurig und Du hast den gegessen“). Zwei Enttäuschungen kann ich abschließend noch vermelden: Der Fluss hier, ernsthaft, der Name Tiber ist so geheimnisvoll und vielversprechend und der so Bezeichnete doch eher ein Rinnsal. Außerdem hat Rom für meinen Geschmack sein Müllproblem deutlich zu gut in den Griff bekommen. Da gabs für mich Müllfotografin wenig zu holen.


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