Alleine sein pro und contra

„Gegen Fernweh hilft es nicht, in die Ferne zu reisen, denn das Fernweh reist ja mit.“

Aristoteles in: Lonely Planet, Mazedonien

Das erste, was ich am Morgen nach meiner Ankunft in Neapel machte, war Skype zu installieren, um ein Schwätzchen mit der daheimgebliebenen Mrs. Columbo zu halten. Auch, wenn ich erst vor gut 24 Stunden aus Köln aufgebrochen war, freute ich mich doch sehr, das liebe alte Mädchen zu sehen und ein wenig zu plaudern. Gut gelaunt machte ich mich auf den Weg, die Stadt zu erkunden, stolperte frohgemut auf die Straße, bereit, mich ins süditalienische Getümmel zu stürzen und dachte auf einmal:“Ich bin ja gar nicht mehr richtig weg.“ Ich kann mein Zuhause jetzt immer dabei haben. Erst war es nur der Ebook-Reader, dann das Notebook und jetzt auch das Smartphone.
Wer verreist, ist nicht mehr weg, außer they sind zu arm für Internet. Aber ich glaube, wer sich kein Internet leisten kann, macht sich kaum noch auf den Weg. Wir können sein, wo wir wollen, was wir wollen, wer wir wollen und mit wem wir wollen. Ja, vorerst nur virtuell und nicht real, aber da lösen sich die Unterschiede ja auch langsam auf. Das ist gut und schade gleichzeitig. Je mehr wir alles entscheiden können, desto mehr sind wir auch für unseren Zustand verantwortlich, desto weniger können wir uns selbst entkommen und allein sind wir auch niemals mehr.

Nach vier Tagen in Neapel setzte ich mich dann morgens um sechs in einen Reisebus nach Gallipolli, einem Küstenstädtchen in Apulien an der Adria, ganz unten im Schuhabsatz. Wo mein Hotel war, hatte ich mir ungefähr auf googlemaps angeschaut. Wo der Busbahnhof war, hatte ich nicht ganz kapiert, aber gehofft, dass das an googlemaps lag und nicht an mir (so weit draußen schien mir doch etwas unrealistisch.) Egal, wo in anlanden würde, einen Taxistand würde es da bestimmt geben. Nach sieben Stunden Fahrt, fiel ich dann erschöpft aus dem Bus, der doch näher am Nirgendwo geparkt hätte, als ich mir das vorgestellt hatte. Es war sehr heißt, gleichzeitig wehte ein entschlossene Meeresbrise, die mir den letzten Nerv raubte. Keine Schilder, Stadtpläne oder Taxis. Das Smartphone streikte und googlemaps war unavailable.
Um einfach mutige Erkundungsmärsche in alle Richtungen zu starten, war mein Gepäck zu schwer. Ich ging in das einzige öffentliche Gebäude weit und breit, einen Tabakladen, und fragte nach einem Taxistand. „Luigi ist doch Taxifahrer“ sagte der Ladenmann, ging nach draußen und rief Luigi herbei. Der kam und verstand nach einer Weile auch, wo ich hinwollte. Er nahm mich mit zu seinem Auto, wo gar nicht „Taxi“ draufstand, hieß mich dort hineinsetzen und verschwand wieder mit den Worten, er sei in einer Minute zurück. Da saß ich dann auf einmal in eines fremden Mannes Auto, wo nicht Taxi draufstand und dachte, Mensch, Maike, so hat es Dir die Mutter aber damals nicht beigebracht. Und plötzlich war auf ich auf einmal doch ganz allein.

4 Kommentare zu “Alleine sein pro und contra

  1. Sehr spannend… wie ging es dann weiter?
    Ich lieb ja das meatspace-allein und digital-connected sein, aber ganz ohne internet und mal kurz googlen können wo xy ist, fänd ich glaubich schon eher unromatisch.
    Die Fotos sind toll…

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