Mailand oder Neapel – Hauptsache Italien

Onkel Maike ist mal wieder auf Reisen. Wie weit wird er kommen? Ich habe beschlossen, dass es mir egal ist, Hauptsache ich bin mal wieder woanders. Zum Beispiel in Karlsruhe, wo der italienische Zug nach Mailand, in dem ich sitze, gerade gehalten hat. Normalerweise war ich immer ehrgeizig, was das Erreichen anvisierter Reiseziele anbelangt, Zug verpassen etc. werte ich als Versagen, aber mit sowas will ich mich nicht mehr aufhalten.

Eineinhalb Jahre Lockdown (ja, es war kein Lockdown im rechtlichen Sinne, aber wir wissen doch alle, was gemeint ist) und gründliche freiwillige Vermeidung annähernd jeglichen Woreingehens, verändern die Maßstäbe.

Noch länger als Lockdown habe ich keine Blogbeiträge mehr erstellt. Im Nachhinein bedaure ich zum Beispiel, kein „Corona-Tagebuch“ geschrieben zu haben. Ich glaube, zwischendurch war es spektakulär. Am Anfang hatte ich das Gefühl, in einem Katastrophenfilm mitzuspielen. Zum Beispiel erinnere ich mich, dass Mrs. Columbo und ich uns anfangs nur nachts auf die Straße getraut haben und ich Angst vor an mir vorbeifahrenden Radler*innen hatte. Andererseits denke ich, dass mein Corona-Tagebuch nicht interessant geworden wäre. Auf eine Weise war ich die ganze Zeit innerlich ziemlich abgestumpft. War das die Isolation oder der tumbe Charakter, eine handelsübliche Depression? Egal. Jetzt bin ich geimpft und möchte wieder etwas mehr am sogenannten Leben vor dem Tod teilnehmen. Und ich weiß nicht, wie viele Tage und Stunden ich mich darauf gefreut habe, wieder mal im Zug zu sitzen und durch die Alpen zu fahren. Gerade tauchen am Zug-Horizont ebensolche auf. Hallo Berge! Aber wie es so ist, wenn die Dinge passieren, die wir ersehnen, gucken wir erstmal distanziert zu (oder ist das nur bei mir so?).

Ich bin außerdem aufgeregt, ob es mir wohl gelingen wird, nach Italien einzureisen. Die Vorbereitungen waren nicht unerheblich: Mrs. Columbo musste Impfzertifikate aus der Apotheke per QR-Code auf mein Handy laden und ich selbst habe im Internet ein ca. 12seitiges Einreise-Formular ausgefüllt, dessen Angaben nicht alle vollumfänglich wahr sind (woher soll ich denn die Zugart oder den Ort des Grenzübertritts wissen, Ihr Vögel), hoffentlich merkt es der Schaffner nicht.
Gleich hält der Zug in Freiburg und dann kommt erstes Ausland (naja, die Schweiz) und bei den von mir im vorherigen Absatz angepriesenen Alpen handelt es sich in echt um den Schwarzwald, ich habe den Geographen, der mir gegenüber sitzt, gefragt. Er hat mir dann gleich noch erklärt, wie der Rheingraben entstanden ist, cool, Mansplaining ist nicht immer schlecht.

Hahahaha erste geile Szene: paar Sitze hinter mir unterhalten sich Leute, eine Person fragt eine andere: „Why does he behave so well?“ (Hui, gehts da um ein Kind oder was anderes fragt sich die neugierige Lauscherin) „?“ – „He is very calm“, setzt die fragende Person konkretisierend hinzu. „Yeah, he is shy, I got him from a shelter“, antwortet die befragte Person. und die Umsitzenden lassen ein empathievolles hundepositives, „aawww“ ertönen. „He is a rescue“, präzisiert die befragte Person und das halbe Abteil fällt in ein kollektives „AAWWWWWWW“, ein. Hahahahaha, der ganze Zug lacht. Wie goldig. Ich sags doch, Zugfahren mit italienischen Leuten ist netter.

3 Kommentare zu “Mailand oder Neapel – Hauptsache Italien

  1. bin schon ganz aufgeregt, meine letzte zugreise nach florenz war 2011. ich freue mich sehr über erlebnisse vom weggesrand. gute fahrt, hab es gut. gruß roswitha

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