Ein schöner Tag

Dass es mehr als die erwarteten 20.000 Teilnehmer*innen werden würden, ließ sich erahnen, als wir uns auf den Weg zur Demo begaben und schon auf den Stufen der Ehrenfelder Zentralmoschee die ersten Klimastreikenden sitzen sahen. Hunderte von Metern vor und hinter dem Versammlungsort, Hans-Böckler Platz, waren die Straßen mit Demonstrierenden verstopft, die Anreisenden blieben in den U-Bahnstationen stecken und die Auftaktkundgebung musste wegen des großen Menschenandrangs abgeblasen werden. Links und Rechts vor dem Hans-Böckler Platz breiteten sich die Leute in den Grüngürtel aus. Hunderte fröhliche Menschen saßen mit selbstgemalten Schildern im Rasen in der Sonne und wir dachten an Woodstock.

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Wir laufen durch den Park durch Hunderte von Leuten aller Altersklassen, staunen und sind aufrichtig ergriffen. Das könnte ein historischer Moment sein. Hier hat sich das aufgeklärte, menschen-, umwelt- sowie faktenfreundliche Köln zusammengefunden und es sind viele.

Wir setzen uns auf den Rasen, Mrs. Columbo checkt ihr Handy und wir erfahren, dass sich die Demo inzwischen, weit entfernt von unserem Standort, mit einer Stunde Verspätung in Gang gesetzt hat. Die Mrs. schlägt vor, die Demo von außen zu umrunden, um uns in der Stadt eine schöne Stelle zu suchen, an der wir den ganzen Zug an uns vorbeiziehen lassen und uns an seinem Anblick erfreuen können. Wir laufen in die Stadt, stellen uns in der Krebsgasse an die Ecke, wo er Richtung Neumarkt abbiegen wird, und sehen froh dem Spektakel entgegen. Um 12:55 trifft die Spitze des Zuges ein und erst zwei Stunden später wird der letzte Teilnehmer an uns vorbeigelaufen sein. In der Zwischenzeit beobachten wir eine bunte, gutgelaunte, friedliche Demo, lesen lustige Sprüche auf den Schildern („The climate is getting hotter than my boyfriend“) und sind buchstäblich zu Tränen gerührt.

Wir gehen was essen und dann nach Hause und das Internet verrät uns, dass die Veranstalter*innen von 70.000 Kölner und deutschlandweit insgesamt 1,4 Millionen Klimastreik-Teilnehmenden ausgehen. Gleichzeitig werden die Eckpunkte des Klimapakets der Bundesregierung veröffentlicht. Sie sind enttäuschend. Eine C02-Steuer wird es nicht geben, stattdessen Zertifikate, deren Preis mit 10,- Euro pro Tonne viel zu niedrig angesetzt ist. Fragen, wie nach dem konkreten Ausbau der Windenergie, werden nicht beantwortet. Ein Kommentar der Tagesschau spricht vom „kleinsten gemeinsamen Nenner“.

„Das Klimapaket ist total enttäuschend!“, rufe ich Mrs. Columbo ins Wohnzimmer zu, „Und jetzt?“ – „Nachlegen!“, ruft sie zurück, „Morgen Demo mit doppelt so vielen Leuten.“

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