Nationalhymnen umdichten

Die Gleichstellungsbeauftragte des BMFSFJ, Kristin Rose-Möhring, hat in einem behörderninternen Rundbrief vorgeschlagen, doch einmal zu diskutieren, ob die deutsche Nationalhymne nicht etwas gendergerechter formuliert werden könnte. Beispielsweise regte sie an, den Begriff „Vaterland“ durch „Heimatland“ zu ersetzen. Inspiriert ist diese Idee durch die Vorbilder Österreicht und Kanada, die jeweils einzelne Teile ihrer Hymnen gendergerecht umgeschrieben haben.

Hier in Deutschland: Großes Bohei, alle regen sich auf, Genderwahnsinn, Weltuntergang, ich will das gar nicht wissen. Zum Einen finde ich die Umdichtung von Nationalhymnen als Instrument einer emanzipativen Politik ungefähr so sinnvoll wie, hm, irgendetwas anderes, das eben überhaupt nicht emanzipativ ist. Zum Anderen möchte ich anregen, dass wir nicht immer nur danach schauen, wie wir mit unserer Sprache den Frauen mehr Gerechtigkeit zuteil werden lassen können. Es gibt viele andere unterprivilegierte Minderheiten, die auch mehr Sichtbarkeit und Repräsentanz im deutschen Kulturgut verdient hätten. Ich habe mir deswegen zwei von diesen Gruppen herausgesucht, die Antideutschen und die Punker*innen, und das Deutschlandlied in deren Sinne umgedichtet. Es würde mich glücklich machen, die Fußballnationalmannschaft der Männer mal eine der beiden Versionen vor einem Länderspiel singen zu hören.

 hymnen
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13 Kommentare zu “Nationalhymnen umdichten

  1. Es sollte bei Vaterland bleiben, denn die Väter werden oft genug aus dem öffentlichen Elternbild verbannt/vergessen und/oder zu den „Bösen Verlassenden Zahlungsverweigerern“ gemacht …

    (SCNR)

    • Lieber Emil,
      danke für die kritische Würdigung des Heimatland-Vorschlages. Ich würde ihn allerdings unterstützen wollen, bzw. durchaus dafür plädieren, das Vaterland zu ersetzen. Zwar würde ich Dir zustimmen, dass Väter, die sich gleichberechtigt an der Erziehung ihrer Kinder beteiligen wollen, in Deutschland teilweise diskriminiert werden. Teilweise mit dramatischen Folgen. Dennoch spiegelt sich meines Erachtens in der deutschen Sprache die Jahrtausende alte Dominanz der Männer, die Unterdrückung der Frau, das Patriarchat wider. Dass, spiegelbildlich gewissermaßen, auch Männer unter diesen Machtverhältnissen leiden, keine Frage. Anders gesagt: Trotz dass es schon immer „Vaterland“ heißt, werden Väter benachteiligt, da wird es nicht schaden, das mal zu ändern.

  2. Ich mag deine neuen Versionen.

    Ich habe das woanders schon gesagt zum Thema: Aber gibt es dann auch „Vatermilch“ und „Vaterkuchen“, der Fairness halber? Zumindest Transmänner, die noch eine Gebär* (mutter darf man das dann ja nicht mehr nennen, wenn man es mal überzieht) könnten sich ja durch „Muttermilch“ und „Mutterkuchen“ diskrimiert fühlen (und das irgendwo noch nachvollziehbarer als Frauen durch die Nationalhymne, wenn ebenfalls abwegig). Abgesehen davon, wenn ich „brüderlich“ mit jemandem teile, bekommt erfahrungsgemäß jede/r was und oft auch gerecht, was wäre wenn man das (überspitzt gesagt) durch „schwesterlich“ ersetzen würde? Zickenkrieg und dann hat keine/r was?!

    • Liebe dergl

      danke für den Kommentar. Ich sehe das allerdings sehr anders als Du. Meines Erachtens ist es verkürzt einfach sprachliche Bilder, in denen Männer vorkommen, mit solchen zu vergleichen, in denen Frauen vorkommen. Worum es geht, ist, dass nach Ansicht vieler Menschen unsere Sprache eben die die Jahrtausende alte Machtstruktur des Patriarchats widerspiegelt. Das kommt zum Beispiel darin zum Ausdruck, dass in sprachlichen Bildern, Männern und Frauen ihre jeweiligen gesellschaftlichen Sphären zugewiesen werden. Das „Vaterland“, der Staat ist eben männlich konnotiert. Das weibliche, die Mutterschaft, die Familienarbeit, wird den Frauen zugeschrieben. Dass kann mensch für richtig halten oder eben, wie ich, auch nicht. Damit will ich nicht sagen, dass mit der Umdichtung eines Liedes tatsächliche Ungleichheiten beseitigt wären. Natürlich nicht. Aber ich glaube auch nicht, dass es irgendwem schadet.

      • Liebe Maike (oder lieber, je nachdem), man kann das unterschiedlich sehen und es ist völlig in Ordnung. Es wäre doch sehr merkwürdig wenn es alle gleich sehen würden, weil alle Menschen je individuell geprägt sind). Ich habe vielleicht das „Glück“ (bewusst in Anführungszeichen), dass mir als behinderter Frau eben fast nie die weiblichen Attribute oder so etwas wie Familienarbeit und Mutterschaft zugeschrieben wurden, so dass ich für mich solche Worte wie Vaterland etc. neutral besetzt sehen kann. Vielleicht liegt das auch daran mit, dass es in meiner Hauptsprache, kein er oder sie gibt, in Gebärdensprache gibt es das neutrale Index, vielleicht so ähnlich zu sehen wie das Englischt they und zum Beispiel „Verb + Person“ für eine Berufsbezeichnung, so dass man wenn man in der Sprache denkt und kommuniziert wie ich da vielleicht auch noch einmal eine Distanz hat, was solche Sphären angeht. In der Familienarbeit wäre das dann im generell gesprochenen zum Beispiel auch neutral „Person, die in der Familie arbeitet“ (zumindest in den Kreisen, mit denen ich zu tun habe), erst wenn man speziell auf eine Person oder Familie bezogen spricht, kommt zum Beispiel „die Mutter“ oder „der Vater“. Das soll nichts rechtfertigen, sondern erklären, warum sich für mich persönlich was woher leitet, falls es wichtig sein sollte.

      • Oh, vielen Dank für die interessante Erklärung. Natürlich kann ich gut damit leben, wenn Menschen eine andere Meinung zur gendergerechten Sprache haben als ich. Was mir wichtig ist, dass wir versuchen, die unterschiedlichen Positionen zu verstehen und nicht, sie abzuwerten, was leider oft passiert. Aber das ist ja zwischen uns nun nicht das Problem 🙂
        Dass Sie (oder Du?) beschreiben, eine „genderneutralen Sprache als Hauptsprache zu haben, finde ich spannend. Es wäre ja auch denkbar, dass Ihnen Sprachen, die anders sind, unangenehm/diskriminierend vorkommen.

      • Sie oder Du liegt in deinem Ermessen. Ich Sieze in Artikeln auf meinem Blog, weil ich mir das so angewöhnt habe, mit den meisten, mit denen ich in Kommentaren rede bin ich aber per Du. Es sei denn die Person hat eine andere Präferenz. Da bin ich nicht eigen (in Gebärdensprache ist auch beides eins, wie im Englischen).

        Ich käme nicht auf die Idee eine Ansicht nur weil sie anders ist als meine abzuwerten. Das bräuchte schon gewichtigere Gründe.

        Nein, dass mir Sprachen, die nicht genderneutral sind als unangenehm oder diskriminierend vorkämen, das wäre ein ganz neuer Gedanke. Ich habe da nie drüber nachgedacht. Als Kind habe ich zwar Deutsch gesprochen, meine Eltern sind Deutsche, mein Vater hatte aber schon die Eigenschaft alle möglichen Leute zu duzen und meine Eltern überdies keinen großen Wortschatz, später habe ich dann fast immer an englischsprachigen Schulen gearbeitet und zumindest bei mir ist dann so was wie Du/Sie oder auch Er/Sie in den Hintergrund gerückt, weil ich es einfach nicht mehr brauchte. Damals habe ich mir im Sprechen das „they“ angewöhnt, weil wir Schüler aus sehr vielen Ländern hatten (International Schools) und ich oft anhand der Namen auf dem Papier nicht gewusst habe ob ein/eine/ein (wie in neutral) Schüler/Schülerin/Schüler gemeint ist. Mein eigener Vorname ist wenn man ihn falsch schreibt auch Unisex und es kursierte damals irgendwas mit der Falschschreibung, so dass in einer Schule auch sich auch auf mich mit „they“ bezogen wurde, weil die gesehen habe, sieht aus wie eine Frau, trägt aber Männerkleidung und der Name ist nicht eindeutig und folglich nicht wussten mit wem sie es zu tun haben könnten. (Ich werde auch im Bloggen erstaunlich oft für Herr dergl gehalten, so dass einige das penetrante Bedürfnis haben FRAU dergl zu schreiben, obwohl das Pseudonym bewusst neutral gewählt ist).

        In der Deutschen Gebärdensprache (so weit ich weiß in anderen auch, aber da ich nicht alle kann., kann ich auch nicht für alle sprechen) gibt es gerade auf Geschlechter von Personen bezogen viel Neutrales: Bruder und Schwester ist gleich, Cousin und Cousine, je nach Dialekt Tante und Onkel, Ehemann und Ehefrau, Freund und Freundin etc. und entsprechend denke ich das. Wenn ich da was vorsetzen muss, eben das gebärdete „Index“. Wenn ich also zum Beispiel dem bei mir im Blog erwähnten Kind erzählen würde „Ich habe bei einem Blogger gelesen“, dann wäre das „Blog+schreiben+Person“ gebärdet. Er – ein Junge – könnte dann zurück fragen: „Mann oder Frau?“ um das Geschlecht zu erfahren. So ist das in der Sprache meistens, oder es wird nach dem Namen gefragt. (Was auch nach Hinten losgehen kann.) Wie Berufsbezeichnungen gebärdet werden habe ich schon gesagt.

  3. Danke noch mal für die spannenden Erklärungen. Ich habe öfter schon mal gedacht, dass es schade ist, dass ich nichts über Gebärdensprache weiß. Es ist doch so interessant, zu vergleichen, wie unterschiedlich Sprachen so funktionieren. Aber dann war ich immer zu faul, mich mal zu informieren.

    Die These von „uns“ Genderleuten wäre ja die folgende: Menschen, die als Hauptsprache eine genderneutrale Sprache sprechen, werden davon (auch) in ihrer Wahrnehmung geprägt und nehmen Wirklichkeit dann auch neutraler wahr als Menschen, die mit „gendersegregierenden“ Sprachen aufgewachsen sind. Das ist aber natürlich schwer empirisch zu belegen.

    Das mit dem Siezen und Duzen ist schon spannend. Es kann ja durchaus auch mal als unfreundlich empfunden werden, wenn man Leute siezt, im Internet zum Beispiel, da wird es dann als unfreundlich-distanziert angesehen. Mir persönlich ist es egal, ich brauche kein „Sie“ um Respekt oder Hierarchien abzubilden, das geht auch anders.

  4. „Vaterland“ ist nur ok, wenn die Heimatsprache zum Ausgleich „Muttersprache“ genannt wird. Ach, wird’s ja. Ok, weitermachen.

    Aber man könnte ja die zweite Strophe reaktivieren, oder wäre das reaktionär?

    Refrain, bzw. Kehrvers (das ist das DEUTSCHlandlied, nix französisch):
    Deutsche Frauen, deutsche Treue,
    Deutscher Wein und deutscher Sang!

    (Männer und Bier sind natürlich mitgemeint.)

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