Die Ehe für alle und wahltaktische Überlegungen

Die „Ehe für alle“ ist gar keine Ehe für alle. Bitte nennt sie ab sofort „Ehe für ein paar mehr“. Danke. Eigentlich möchte ich kurz einen anderen Gedanken anreißen. Wie es scheint, wird die Ehe für ein paar mehr jetzt doch noch in dieser Legislaturperiode beschlossen. Für die paar mehr freut mich das. Zum Beispiel im Adoptionsrecht kann das einen großen Unterschied machen und schwerwiegende Ungleichbehandlungen beheben. Aber eigentlich möchte ich auf etwas anderes hinaus. Wenn das nun beschlossen wird, letztlich das Resultat einer verzweifelten Aktion von Martin Scholz (oder so ähnlich), dann ist die AfD die letzte Partei in Deutschland, die geschlossen gegen die Ehe für paar mehr steht. Ich fürchte, dass könnte ihr viele Wählerinnen und Wähler  in die Arme treiben. Denn es gibt leider viele Menschen in Deutschland, die gegen die Ehe für ein paar mehr und überhaupt gegen eine zeitgemäße Sexualität sind. Ich finde das nicht gut, aber es ist so. Da die AfD in den Umfragen gerade Richtung 5% und vielleicht darunter sinkt, finde ich das richtig schade. Und auch wenn ich eigentlich gegen Taktiererei bin, an dieser Stelle hätte ich mit mir reden lassen. Das hätte auch noch nach der Bundestagswahl beschlossen werden können.

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9 Kommentare zu “Die Ehe für alle und wahltaktische Überlegungen

  1. Eben genau nicht. Merkel hat hier recht großartig ein Wahlkampfthema eliminiert. Gewonnen in der pro Fraktion (immerhin eine Mehrheit in D) hätten da nur Grüne, FDP und vielleicht ein wenig die SPD, bei der Contra nur die AfD und die CSU. Da hätte die CDU nicht wirklich gewinnen können. Bis zur Wahl ist die Ehe für alle schon wieder vergessen. Man wird sich vielleicht erinnern, dass Merkel dagegen war, aber auch Kompromisse gegen ihre Überzeugung eingeht. Das passt imho.

      • Und falls ich auch noch soll (Ich will vor allem Benachrichtigungen für die Diskussion hier abonnieren.): Rassismus ist, andere Menschen ohne stichhaltige Gründe nach ihrer (wahrgenommenen) rassischen Zugehörigkeit zu beurteilen. Also Beispiel: Dass schwarze Menschen viel Melanin haben, ist keine rassistische Annahme. Dass sie grundsätzlich sportlicher sind als weiße, schon. Und dass sie alle kriminell sind, auch. Dass sie im Schnitt häufiger wegen Straftaten verurteilt werden, hingegen wieder nicht. Panta rhei. Man kennt das.

  2. Schon mal eine gute Frage (nicht überheblich gemeint). Vorweg vielleicht: Ich glaube, dass wir alle rassistisch wahrnehmen und denken. Einfach weil wir alle so sehr davon geprägt sind. Es kommt halt darauf an, sich damit auseinanderzusetzen. Das Argument, „wenn wir alles rassistisch nennen, verharmlosen wir Rassismus“ finde ich albern. Natürlich gibt es Abstufungen, das kann ja benannt werden.

    Also, wo fängt das an? Immer dann, wenn ich einem Individuum Eigenschaften zuschreibe, die nichts mit ihm selber zu tun haben, sondern mit Eigenschaften, die ich einer Gruppe zuschreibe, und der ich dieses Individuum wiederum zuordne.

    Für ein Beispiel nehme ich mal mich selber: Es kommt mir so vor, dass ich junge Flüchtlinge, die aus dem nahen Osten kommen, durch eine gewisse Brille wahrnehme, manchmal negative Gefühle für sie habe, die nicht unbedingt was mit ihnen selber zu tun haben.

    Gewissermaßen ist es ja auch normal zu verallgemeinern. Und es ist ja harmlos, solange wir das alles reflektieren.

    Vielleicht noch mal zurück zu unserer Diskussion auf Twitter. Ich habe keine Antwort auf die Fragen der Flüchtlingskrise. Ich persönlich finde, dass wir noch mehr Flüchtlinge aufnehmen könnten, wenn wir wollten. Insbesondere, da ich auch noch finde (was aber den Themenkreis der Diskussion ins Unendliche erweitert), dass wir so einiges an Ursachen für die Krise gesetzt haben.

    Wenn wir aber realpolitisch diskutieren, kann man vielleicht fragen, hm, vielleicht brauchen manche Menschen unseren Schutz mehr als andere. Andererseits verlassen Menschen doch ihre Heimat nie freiwillig Als Geflüchteter hat man es hier doch nicht gut. Es sind alles Menschen, die sich ein normales Leben wünschen. Allein aus der Perspektive kann ich nicht nachvollziehen, wie Leute sich damit beschäftigen können „Abschiebungen“ zu fordern. Dazu kommt, dass, was wir ja schon auch etwas besprochen haben, ich überhaupt nicht glaube, dass Abschiebungen unser Kriminalitätsprobleme lösen. Die ganzen Leute, die Anschläge verübt haben, waren doch polizeilich erfasst – Da hätte also was getan werden können, was nicht unbedingt mehr Abschiebungen bedeutet. Warum also wird es dennoch gefordert? Ich kann es mir halt nur so erklären, dass dahinter sehr ablehnende Menschenbilder stehen. Das wird transportiert über Kritik an „Dem Islam“. Das greift nicht die Menschen in ihrer genetischen Verfassung an, vermittelt aber doch letztlich eine rassistische Haltung. Der Islam hat die Leute halt so gemacht.

    Oh je. lange Rede, trotzdem nur sehr grob alles.

    • „Vorweg vielleicht: Ich glaube, dass wir alle rassistisch wahrnehmen und denken.“
      Jup. Ist tatsächlich ja auch ne valide Überlebensstrategie. Wir tendieren dazu, Dinge zu gruppieren. Längliches Viech ohne Beine? Vermutlich giftig, passen wir auf. Das Blindschleichen Ding ist dann schon wieder bewusst.
      So ergeht es uns auch bei Menschen. Typen in Thor Steinar Klamotten sind mir suspekt, genauso wie Typen, die mit ACAB Shirts rumrennen. Und ja, auch wenn ich viele Kopftuchträgerinnen kenne und mag, laufen auch hier Gruppierungen in mir ab. Ich würde denen zum Beispiel nie normale Gummibären anbieten.
      Für mich wird das dann toxisch oder problematisch, wenn man Gruppenmitglieder für die Taten von Individuen verantwortlich macht. Beispiel Köln, Flüchtlinge = Rapefugees. Das war für mich rassistisch. Einen Menschen, der keinen Anspruch auf Asyl hier hat abzuschieben, das ist für mich eben nicht rassistisch.
      „Vielleicht noch mal zurück zu unserer Diskussion auf Twitter. Ich habe keine Antwort auf die Fragen der Flüchtlingskrise. Ich persönlich finde, dass wir noch mehr Flüchtlinge aufnehmen könnten, wenn wir wollten. Insbesondere, da ich auch noch finde (was aber den Themenkreis der Diskussion ins Unendliche erweitert), dass wir so einiges an Ursachen für die Krise gesetzt haben“
      Ich habe auch nicht auf alles eine Antwort. Dass wir noch deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen und versorgen können, klar, sehe ich auch so. Und zwar auch ohne dass wir wieder Zeltstädte aufbauen müssen. Aber ich würde mir da auch eine ehrliche Debatte wünschen. Die Facharbeiter von morgen Nummer trifft halt so nicht wirklich zu. Die Versorgung der Flüchtlinge, und auch der ein oder andere Terroranschlag sind nichts, worüber ich mir ernsthafte Sorgen mache. Ich mache mir aber Sorgen darüber, wie sich die Gesellschaft hier an der Frage spaltet und zerreist. Eine zweistellige AfD. Das war bis vor kurzem noch undenkbar. Und das für mich Schlimme ist, dass viele der AfD Sympathisanten eigentlich nur eine CDU von vor 20 Jahren wollen. Und aber dafür einen Höcke mit in Kauf nehmen. Weil echte Alternativen fehlen. Ich schau mir ganz viele Diskussionen an und sie laufen fast immer in die Richtung: Du bist Nazi, Du bit ein linksgrünversiffter Gutmensch. es gibt kein dazwischen mehr. Wieso gibt es keine sachlichen Diskussionen, wo wir was verbessern können? Der ThomasMichael twitterte (sinngemäß, finde es nicht mehr) Junge Männer ohne Arbeit und ohne Perspektive in eine Flüchtlingswohnheim.. ein Versuchsaufbau für Kriminalität. Damit hat er Recht. Wenn ich mir anschaue, was für Unsinn ich schon in der Bundeswehr getrieben habe… Wir brauchen hier Dinge. Flüchtlinge brauchen recht schnell eine Arbeitserlaubnis. Bildungsangebote. Und, wir müssen unsere liberalen Werte eben auch offensiv vertreten.
      Bei den Fluchtursachen.. die 15er Welle wurde ja hauptsächlich durch die Kürzung der Nahrungbudgets in den UNHCR Camps verursacht. Wir könnten da vor Ort deutlich mehr erreichen. Und wir müssten den Menschen eben nicht die gefährliche Flucht zumuten.
      Andereseits..
      „Als Geflüchteter hat man es hier doch nicht gut. “
      Doch, hat man es. Ich habe 2 Jahre auf den Philippinen gearbeitet und war dort täglich mit absoluter Armut konfrontiert. Ich hab da mal bisschen was zu geschrieben:
      https://tom174.wordpress.com/2013/11/23/privillegienverzicht/
      Wenn du Hunger hast, wenn du Angst hast, jederzeit verhaftet und gefoltert zu werden, dann ist die EU im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen doch schon ein Paradies. Nicht nach deinen Maßstäben, aber eine meiner Mitarbeiterinnen auf den Philippinen musste sich vor ihrem Job prostituieren um genug Geld für die Babynahrung zu haben. Ich glaube, die allermeisten Menschen auf der Flucht wollen zu allererst Sicherheit und Nahrung. Ein normales Leben mit Arbeit… das schon etwas schwieriger. Und, was ist denn ein normales Leben für einen Afghanen, der vielleicht mal (Klischee) Ziegenhirt war.. können wir ihm das in Deutschland bieten? Können wir verhindern, dass er von der Unnormalität von Frauen in Miniröcken verschont bleibt? Können und dürfen wir erwarten, dass auch Flüchtlinge ihre Vorurteile reflektieren? Wenn ja, wie können wir dabei helfen? Reicht es sich da auf die Männer und unser Sexualverhalten zu konzentrieren?

      “ Da hätte also was getan werden können, was nicht unbedingt mehr Abschiebungen bedeutet“
      Die Frage ist,was? Gedankenverbrechen gibt es hier gottlob noch nicht. Rund um die Uhr Observation ist nicht dauerhaft praktikabel, und es bleibt eben noch die innenpolitische Komponente, dass wir eben Menschen bei uns Schutz und Hilfe gewähren, die unsere Gesellschaft verachten. Das ist nicht wirklich vermittelbar, gerade wenn die nächste Flüchtlingswelle bereits quasi vor der Tür steht.
      Ich will keine Massenabschiebungen, schon gar nicht in das unsichere Afghanistan. Ich will aber schon, dass wir alle Möglichen rechtsstaatlichen Mittel ausschöpfen, um die Menschen hier zu schützen. und die Abschiebung von Gefährdern ist da eine Möglichkeit. Ebenso will ich, dass es eine legale Einwanderungsmöglichkeit abseits des Asyl und Flüchtlingsrechts gibt. Aber was wir halt auch nur schwer leisten können (und damit meine ich nicht mal so sehr finanziell als vielmehr kulturell) ist eine unbegrenzte Armutseinwanderung. Hier muss sowohl an den Fluchtursachen wie auch hier bei den Verfahren und der Ablehnung gearbeitet werden..

      So.. ich könnte noch mehr.. aber das ist schon recht lang 😉

      • Vorweg: Ich sehe nicht, wo wir irgendwo auseinander liegen, außer an einer etwas längeren Stelle, die aber gar nicht so zentral ist. Auch vorweg: Ich möchte gerne jeden aufnehmen, der sich prostituieren müsste, wenn er nicht hier wäre. Das gebietet doch die Menschlichkeit. Auch wenn das nicht als politische Verfolgung gilt. Ich finde es unterträglich, moralisch, die Abschiebung von so jemandem zu fordern. (Und da liegt auch der Grund, warum mich die Forderung nach mehr Abschiebung so ärgerlich macht. Wenn wir hundertausend Leute abschieben, sind sicherlich zehn Leute dabei, die schwere Straftaten begangen hätte, vielleicht sogar einen Anschlag – Und es sind 99tausend Leute dabei, denen wir die vielleicht einzige Perspektive nehmen und sie ins Elend, in manchen Fällen in den Tod, schicken.) Es würde dann möglicherweise recht voll hier, aber ich kann das trotzdem nicht fordern. (Aber ich weiß auch, dass das keine realpolitische Antwort ist).

        Und jetzt zitiere ich noch mal die Stelle, wo ich finde, dass wir auseinander liegen.

        „Aber ich würde mir da auch eine ehrliche Debatte wünschen. Die Facharbeiter von morgen Nummer trifft halt so nicht wirklich zu. Die Versorgung der Flüchtlinge, und auch der ein oder andere Terroranschlag sind nichts, worüber ich mir ernsthafte Sorgen mache. Ich mache mir aber Sorgen darüber, wie sich die Gesellschaft hier an der Frage spaltet und zerreist. Eine zweistellige AfD. Das war bis vor kurzem noch undenkbar. Und das für mich Schlimme ist, dass viele der AfD Sympathisanten eigentlich nur eine CDU von vor 20 Jahren wollen. Und aber dafür einen Höcke mit in Kauf nehmen. Weil echte Alternativen fehlen. Ich schau mir ganz viele Diskussionen an und sie laufen fast immer in die Richtung: Du bist Nazi, Du bit ein linksgrünversiffter Gutmensch.“

        Punkt 1: Ich sehe keine unehrliche Debatte. Vielleicht tatsächlich mancherseits eine recht optimistische Perspektive. Vielleicht haben sich manche Menschen es einfacher vorgestellt, Flüchtlinge zu Facharbeitenden auszubilden oder so. Aber ist das so ein großes Problem? Ich meine objektiv nicht.
        Aber der Hauptpunkt unserer Differenz: Du schreibst, dass Du Dir Sorgen über die Spaltung der Gesellschaft machst. Und ich verstehe Dich so, dass Du die Flüchtlingskrise kausal siehst. Und das sehe ich nicht so. Ich denke, dass die Flüchtlingskrise ein willkommener Anlass ist. Nehmen wir meinetwegen den Aufstieg des Front National in Frankreich – Der brauchte doch auch keine Flüchtlingskrise. Das hat andere Ursachen, soziale Erosion vermute ich (was jetzt für eine Linke wie mich, nicht originell ist). Die Silvesterereignisse in Köln – Sie haben m. E. die Dinge beschleunigt, aber nicht verursacht. Die Bereitschaft zum Hass, zur Ausgrenzung ist da. In Wirklichkeit unabhängig von der Anwesenheit fremder Menschen.
        Wo kommt der Hass dann her? Schwierige Frage. Es ist halt einfacher, meine Ängste auf die „anderen“ auszulagern. Es ist für ein geschundenes Selbstbewusstsein gut, jemanden zu haben, der noch weiter unten ist als ich. etc.
        Es ist doch alles irrational. Terroranschläge sind unsagbar schlimm. Aber: Wenn ich doch was gegen unnützes Sterben habe: Warum engagiere ich mich dann nicht (zumindest auch) für ein Tempolimit auf Deutschen Autobahnen, das würde so viele mehr an Leben retten. Warum fangen alle an, sich für sexualisierte Gewalt zu interessieren nach Silvester. Das ist so absurd, das Problem hatten wir nun wirklich schon vorher.

        Aus dem, was ich von Dir bis jetzt gelesen habe, könnte hier unsere Differenz liegen und auch, warum Du vielleicht findest, warum ich aggressiv und überheblich wirke. Aufgrund dieser meiner beschriebenen Weltsicht nehme ich halt sehr viele Äußerungen als latent rassistisch war. Dass es nichts bringt, Menschen vorzuwerfen, sie seien rassistisch, weiß ich bei kühlem Kopf selber. Sie nehmen sich ja selber gar nicht so wahr. Was Dr. Atom betrifft, ich mag gerade nicht mehr auf sein Profil, um nach Beispiel zu suchen, aber ich finde ihn wirklich ziemlich hasserfüllt und rassistisch – weil ich zum Beispiel halt diese klassischen Diskurse über kriminelle Flüchtlinge auch rassistisch finde. Und, ich glaube, Frauen mag er auch nicht so.

        Zu „Die Leute wollen nur eine CDU von vor 20 Jahren“. Hm. Warum hat sich die AfD dann so radikalisiert? Und warum wollen die das? Warum sind diese Menschen den Weg der CDU nicht mitgegangen? Irgendwie ist die Welt doch trotz eingetragener Lebenspartnerschaft nicht untergegangen. Ach, alles so Fragen.

        Kannst Du was damit anfangen?

      • Ich glaube auch nicht wirklich, dass wir weit auseinanderliegen, ich bin ja per se auch ein optimistischer Weltverbesserer. Und wie du sagst, auch ich war selten stolzer Deutscher zu sein, als damals, als wir den March of Hope aufnahmen. Die Teestunden in den Erstaufnahmestellen.. das war schon recht cool.
        Ich halte die Flüchtlingskrise an sich auch nicht für ursächlich an der Spaltung, sondern die Art der Debatte drumherum. Und das ist vermutlich das, was uns unterscheidet.
        Es gab kein Grau, es gab nur Schwarz und Weiß. Und Weiß war in den Medien halt auch noch grob überrepräsentiert.
        Mit Köln auch da ein typisches Ding „Alle Flüchtlinge sind Vergewaltiger“ „Sexualisierte Gewalt ist in Deutschland doch ganz normal, (ihr Nazis findet es nur doof, das andere „eure“ Frauen nun antatschen“). Es gab erschreckend wenige Beiträge, die Köln jenseits dieser beiden Pole darstellten- Und nein, was in Sylvester auf der Domplatte passierte ist nicht das gleiche was an jedem Oktoberfesttag passiert. Das lief gehörig aus dem Ruder. Viel erschreckender als dass Frauenschützer aus allen Ecken hervorgekrochen kamen fand ich allerdings, dass unsere feministische Avantgarde sich eben gerade nicht traute, etwas zu sagen. Das Ziel der Empörung war eben nicht der WHM sondern unterprivilegiert. Manspreading wurde gehypted, aber Köln wurde relativiert. Auch unsere Medien schwiegen die ersten Tage.
        Ich finde schon, dass man hier auch anerkennen könnte, dass es für jemanden, aus einer muslimisch geprägten Gesellschaft, der „anständige“ Frauen nur verschleiert kennt, vielleicht nochmal ganz andere Problemstellungen gibt als auf einem traditionalisierten Alkoholgelage in München. Flüchtlinge sind Menschen, weder per se gut noch per se schlecht. Ihre (übrigens unterschiedlichsten) Sozialisierungen bringen die unterschiedlichsten Artefakte hervor. Nur wenn wir das akzeptieren, können wir die unerwünschten Verhaltensweisen auch versuchen zu ändern. Die meisten Syrer, die ich inzwischen kennenlernte, easy peasy, sehr sekular, sehr gebildet Bei den Afghanen (da kenne ich aber auch nur wenige und die auch nicht wirklich gut), sieht das anders aus. Eriträer sind dann auch nochmal ganz anders…
        Wir tun da viel zu wenig, imho. Klar, die Kinder bekommen wir in den Schulen und Kindergärten hin. Die Eltern? Nur über Sprachkurse? Kaum. Eine der Mitarbeiterinnen aus den Philippinen hatte sich in nen Deutschen verliebt, sie bekamen ein Kind, leben nun hier. Sie hat einen Bachelor in Computerscience, wir haben uns über Nietzsche unterhalten. Hier zählt das alles nix, sie macht gerade ein FSJ in der Pflege. Und die Philippinos sind uns kulturell und bildungsmässig deutlich näher als die meisten Flüchtlingsherkunftsländern. Hierfür gibt es keinerlei Lösungsansätze, die ich bislang sah. Im Gegenteil. Will ich einen Spieleinteressierten Flüchtling einstellen, muss ich zunächst belegen, dass ich für den Job keinen EU Bürger finde.. das ist ultraaufreibend.

        Die CDU ist unter Merkel (die ich für eine sehr gute Politikerin halte) sehr weit nach links gerückt. Das machte den Platz für eine (zunächst noch gemässigte Lucke AfD)
        Dass die AfD sich dann noch weiter radikalisierte.. tja nun, natürlich haben wir Rassisten in Deutschland. Und auch im Suchen von Sündenböcken sind wir groß. Aber, wäre die CSU, die ihmo zwar auch rassistische Züge hat, aber zumindest demokratisch verwurzelt ist, bundesweit wählbar, käme die AfD niemals in den Bundestag.

  3. Ja, die Syrer, die ich kenne, sind tatsächlich sehr angenehme Gesellen. Da bin ich nur in Sorge, wie sie alle eine Freundin finden sollen, weil es mir doch viel mehr Jungs als Mädchen scheinen (kenne aber die Zahlen nicht.)

    Was Silvester anbelangt, bin ich sehr anderer Meinung als Du. Ich bin ja schon so in feministischen Netzwerken unterwegs. Relativierend habe ich die Reaktionen nicht empfunden. Ich fand, dass eben sofort der Rassismus losging und jede vernünftige Feministin (die natürlich auch Antirassistin ist), sich dagegen verwehrt hat. Ich finde vielmehr, dass die Auseinandersetzung über Köln von einer unterirdischen Oberflächlichkeit geprägt war. Das waren ja zuächst mal gar keine Flüchtlinge, das waren hauptsächlich illegalisierte kleinkriminelle Marokkaner und Tunesier. Das ist eine Gruppe, mit der wir in Köln ein spezifisches soziales Problem haben. Ein Kriminalitätsproblem. Kein Flüchtlingsproblem. Um das zu lösen, könnten wir die Grenzen schließen oder die Polizei besser ausstatten. Sonderlich muslimisch können sie nicht gewesen sein, denn sie waren ja alle betrunken. Aus einer patriarchal geprägten Gesellschaft kommen sie schon, und das wird ihr Verhalten an Silvester auch geprägt haben. Aber da gilt doch wie immer: Es greift das deutsche Strafrecht, wie bei nicht-Migranten auch. Und ja, so ein Ereignis hatten wir noch nie. Trotzdem: Wenn wir uns die Situation von Vergewaltigungsopfern anschauen bei uns, dann sind die Zahlen von Opfern, die unter einheimischen patriarchalen Strukturen leiden doch viel höher, und es gäbe viel zu tun, was Feministinnen und andere Leute seit Jahren fordern.

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