Meine zweite Filmkritik

Ich habe Moonlight gesehen. Um es mit Donald Trump zu sagen: Tremendous film, so sad.                 – Ende –

(Auf die Idee gekommen, etwas darüber zu schreiben, bin ich nur wegen dieses Zeit-Artikels von Tanja Witte. Die Autorin thematisiert, dass in Moonlight ausschließlich schwarze Schauspielerinnen und Schauspieler vorkommen. Erst dies mache seine Geschichte zu einer außergewöhnlichen: „Und plötzlich ist der Großteil des durchschnittlichen deutschen Zuschauerraums unsichtbar. Weil keiner von ihnen ein Identifikationsobjekt geliefert bekommt, dass den Nenner „weiß“ teilt.“  

Mir ist der „rein schwarze“ Cast beim Anschauen des Films nicht aufgefallen. Die Geschichte spielt in einem afroamerikanischen Ghetto in Miami. Sie erzählt in drei Abschnitten – Grundschulzeit, Highschoolzeit, junger berufstätiger Erwachsener (Drogendealer ist auch ein Beruf) – das Leben von Chiron. Chirons Mutter ist nicht liebevoll und kümmert sich nicht gut um ihn. Von den anderen Jungs in der Schule wird er geärgert und verprügelt. Aber er will nicht zurückschlagen und hält alles aus ohne sich zu wehren: Die universelle Geschichte von Einsamkeit und Ohnmacht des ungeliebten Kindes, das nicht so ist wie die anderen Kinder. Des ungeliebten Kindes, dass stark genug ist, sich nicht anpassen, allerdings. Warum wehrt er sich nicht, fragt man sich beim Zuschauen. Er könnte es doch. Ist es hierbei wichtig, welche Farbe das Kind hat? Auf den ersten Blick würde ich meinen: Nein.

„Kein weißer Mensch kann je in die Schuhe einer person of colour schlüpfen, und kein weißer Mensch wird je erfahren, wie es sich anfühlt, schwarz zu sein.“ schreibt Tanja Witte dazu. Es geht ihr insbesondere um das Problem der Unsichtbarkeit. Davon betroffen seien nicht nur schwarze, sondern auch rollstuhlfahrende Menschen , dicke oder homosexuelle Frauen. Ich fremdele mit dem Text und finde, dass die Autorin eine Jammertante ist. Es stimmt natürlich, ich werde nie wissen, wie es ist, „schwarz“ oder von Rassismus betroffen zu sein. Aber sind wir (bis auf die nicht-alten, gesunden, weißen, nicht-arbeitslosen heterosexuellen Männer) nicht alle „anders“? Chiron leidet doch nicht darunter, dass er schwarz ist. Sein Problem besteht darin, dass er nicht ist, wie die anderen schwarzen Jungs, also, dass er kein „normaler“ Schwarzer ist. Sollten sich die ganzen „anderen“ nicht zusammentun, weniger über die Differenzen als über die Gemeinsamkeiten sprechen?

Naja, ich denke, dass ich das wohl nicht entscheiden kann und sollte. Vielleicht geht ja auch beides gleichzeitig. „Ich weiß, dass ich Dir keine Liebe geben konnte, als Du sie brauchtest. Aber ich liebe Dich jetzt.“, sagt Chirons Mutter zu ihm, als er sie, inzwischen erwachsen, in der Entzugsklinik besucht. Er kann jetzt überlegen, ob er das annehmen, sich versöhnen will, ob das reicht. Wieder so ein universelles Problem.)

 

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