Eine philosophische Frage

Ich frage mich gerade Folgendes. Adorno schreibt ja in Erziehung nach Ausschwitz, dass wir alle mehr Liebe brauchen als wir verdienen („Denn die Menschen, die man lieben soll, sind ja selber so, dass sie nicht lieben können, und darum ihrerseits keineswegs so liebenswert.“). Mir scheint es auch so, dass wir, egal ob unverdient oder nicht, viel weniger Liebe bekommen als wir gerne hätten. Auch sämtliches Weltgeschehen lässt sich als scheiterndes, dysfunktionales Streben nach Anerkennung und letztlich Liebe interpretieren (siehe nur Trump). Aber woran liegt es, dass wir uns so mühen und doch so erfolglos bleiben? Sind alle Menschen so unfähig? Oder gibt es diese Liebe, die wir uns vorstellen, gar nicht?

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11 Kommentare zu “Eine philosophische Frage

      • Wenn’s aus einem selber nicht wächst, wie soll es jemand anders dann einflößen? Dabei können dann ungewollte und unzureichend geliebte Kinder entstehen. Aber gesteigerter Selbstwert ist ja eher eine sehr seltene Nebenwirkung…

      • Glaubst Du Selbstliebe ist in den Genen? Ich denke mal es ist eine Wechselwirkung. Es bedarf schon der Erfahrung, dass andere uns lieben und wir uns lieben und dann wieder andere lieben können und so weiter.
        Aber vielleicht ist ja auch die herrschende Darstellung von „Liebe“ ein Problem. So ein Mann, der zum Valentinstags der Frau was schenkt, und wenn er es vergisst, dann gibt es ein Liebesproblem. Das ist möglicherweise sehr irreführend.

      • Der Fromme Erich hat da schon viel erbauliches zu geschrieben. Aber ich glaube die Philosophen sollten erstmal, ganz entgegen ihrer Standesehre, ein wenig Biologie lernen. Wir sind halt Gruppenwesen, Hund und Krähe sind uns wahrscheinlich näher, als die – auch in Gemeinschaft lebenden – Affen. Was meines Erachtens wichtiger, wenn auch schmerzhafter Fakt der Selbsterkenntnis ist: Wir suchen Gemeinschaft und deren Anerkennung. Ohne fühlen wir uns leer und unvollständig. Aber in der Gemeinschaft werden wir nie Befriedigung finden, sondern suchen immer mehr und sind gestresst von der Vorstellung, jemand anders könnte mehr haben.

      • Warum sind uns Hunde näher als Affen?
        Zu „in der Gemeinschaft werden wir nie Befriedigung finden“: Ich dachte immer, es gibt eine Form von Liebe, die gibt es nur in der Gemeinschaft, von außen und dann eine Form von Liebe, die gibt es nur von innen, aus uns selber. Das Ungerechte daran schien mir noch, dass je mehr Liebe ich von innen zu mir selber habe, desto mehr kriege ich auch von außen (aber vielleicht brauch ich das dann auch nicht mehr? keine ahnung). Aber das ist nur lame Hobbypsychologie.

      • Nur meine private Meinung: Weil die Hunde mit uns leben und mit uns kommunizieren. Und weil sie ihr Futter nicht von Bäumen pflücken, sondern, genau wie wir, gemütlich gehend und trabend stöbern und hetzen können.
        Zum lieben: Sachlich stimme ich Dir absolut zu. Aber soll man Liebe mit den Kategorien von Gerechtigkeit zusammen denken? Und gibt es wirklich zwei verschiedene Arten der Liebe? Ist das eine nicht eher Anerkennung und mehr mit Neid als mit Liebe verwand? Weshalb es auch als weniger wertig empfunden wird? Klar, irgendwie ungerecht. Bzw der christliche Kern der CDU-Ideologie: Wer hat, dem wird gegeben werden. Aber wo wolltest Du das Defizit einklagen? Das sind schon Fragen, die auch Profi-Psychologen, Theologen und Revolutionäre bisher nicht zufriedenstellend lösen konnten.

      • Nein, das war eher flapsig formuliert mit der „Gerechtigkeit“. Im Griechischen werden meines Wissens lexikalisch sogar drei Formen von „Liebe“ unterschieden (Eros, Phileos und Agapae – Ich habs gerade gegoogelt). Phileos ist die „menschliche Liebe“ und Agapae ist die echte, göttliche, sich aufopfernde Liebe. hm. Egal.

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