Trump

Wir schauen momentan jeden Abend die us-amerikanischen Latenight-Shows des Vortags: Die Daily Show mit Trevor Noah, Steven Colbert, Bill Maher (einmal die Woche) und jetzt ist ja auch John Oliver zurück. Es fühlt sich an, wie der Geschichte beim Passieren zuzusehen: In den Talkshows versammelt sich das liberale Amerika und schwelgt in Entsetzen über Trumps neueste – Es gibt noch kein Wort: Untaten?, Streiche?, Absurditäten?, Angriffen auf den Rechtsstaat und die Vernunft? – Raum für eigene Ideen -. Es ist furchtbar und hochunterhaltsam zugleich. Die Pressekonferenz mit Benjamin Netanjahu ist toll: „Eigentlich war ich mal für die Zweistaaten-Lösung“, sagt Trump, „Aber jetzt denke ich, es ist das am besten, was beiden Parteien gefällt, Ein-Staaten-Lösung, Zweistaaten-Lösung, egal, wir werden einen großartigen Deal schließen, großartiger als sich die Menschen hier im Saal vielleicht vorstellen können“.
Als israelischer Ministerpräsident kann nur arbeiten, wer nicht allzu schnell die Contenance verliert. So auch Bibi. Er verzieht das Gesicht kaum, egal, wie bizarr und verblüffend das ist, was Trump sagt. Trotzdem lese ich aus seiner Mimik eine profunde Irritation heraus. Was denkt er wohl?, dass das Unvorstellbare geschieht, und er doch anfängt, sich Herrn Obama zurückzuwünschen? Muss er sich auch das Lachen verkneifen?
Der neue Präsident der USA scheißt schlicht auf alle Konventionen. Er sagt einfach, was ihm so einfällt (ob absichtlich und von Steve Bannon oder wem auch immer gesteuert oder nicht, ist eigentlich unwichtig). Wäre das nicht im Kern derartig zerstörerisch, läge darin sogar eine Chance, die Dinge aufzubrechen und zum Besseren  zu verändern. Mir als Vulgär-Poststrukturalistin gefällt diese neue Form von Realitätsdekonstruktion – zumindest aus künstlerisch-ästhetischer Perspektive. Der Titel „Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika“ verliert gerade durch Trumps Performance für immer seinen Nimbus. Der grenzwertige George W. Bush wurde darin (und von Condoleezza Rice) noch irgendwie aufgefangen. Das wird jetzt anders: Wenn jeder verrückte Opa ohne erkennbare Qualifikation dieses Amt ausüben kann, ist seine Machtfülle offensichtlich nicht zu rechtfertigen. Ich finde das gut.

Und in den Latenight-Shows machen Trevor Noah und seine Kollegen (es sind hauptsächlich Männer) Witze über „alternative Fakten“  und sezieren die, nennen wir es „argumentativen Strategien“ von Kelly-Anne Conway und Konsorten. Das ist lustig, aber natürlich auch eine geschlossene und leider eindimensionale Veranstaltung.
Gegenstand von Kritik und Scherzen ist die Person Donald Trump und sein Umfeld. Es wird nachgewiesen, was nicht mehr nachgewiesen werden muss, nämlich, dass alles, was die machen, gruseliger, gefährlicher Unfug ist. Dabei ist das ausreichend bekannt und gewissermaßen egal. Wir sollten uns anderen Fragen und Personenkreisen zuwenden:

– Zum Beispiel Trumps Wählerinnen und Wählern: Die kann ich ja von allen Verantwortlichen noch am besten verstehen. Sie wollten einfach mal so richtig sagen: „In Deine Fresse, liberales Establishment!“, und das hat ganz wunderbar geklappt. (Leider auf Kosten der Unterwerfung unter das rechte bis rechtsradikale Establishment, aber man kann nicht alles haben.)

– Oder der Republikanischen Partei: Leute, Ihr könnt doch nicht wegen dem bisschen Macht jeden Scheiß mitmachen. Ernsthaft, dass von Euch nicht mehr Widerstand kommt,  wundert mich mehr als Trump selbst.

– Oder auch der Vorgänger-Regierung und ihrem Vorsitzenden: In der letzten Sendung von Bill Maher saß Obamas Arbeitsminister und gerierte sich als Teil des Widerstandes.
Das Bewusstsein einer möglichen Mitverantwortung für Wahlentscheidung und Unzufriedenheit vieler us-amerikanische Arbeitnehmer ließ er nicht erkennen.

– Oder auch alle anderen Leute, die jetzt rumjammern, wie toll es wäre, wenn Hillary die Wahl gewonnen hätte (ja, hat sie doch, nein hat sie nicht!, sie wusste ja auch, wie das Wahlsystem geht und konnte sich darauf einstellen). Ich sehe das anders. Auch das damit einhergehende Gejammere über die postfaktischen Zeiten  ist oftmals selber postfaktisch. Politik war schon immer postfaktisch, Trump hat nur eine neue Präsentations- und Kunstform ausgeprägt. Hillary hätte auch keine menschenrechtsfreundliche Politik gemacht. Ja, sie hätte nicht so offen rassistisch gesprochen und gehandelt und es hätte manche konkreten Opfer nicht gegeben. Dafür aber vielleicht andere. Es bildet sich ein „Vor-Trump-war-alles-gut“-Narrativ heraus, das vielleicht gefährlicher als Trump selber ist. Vor Trump sind die Bedingungen geschaffen worden, die zu Trump geführt haben.
Wie viele tausend Flüchtlinge sind beispielsweise im Mittelmeer ertrunken, bevor ich und die meisten anderen angefangen haben, sich dafür zu interessieren oder gar etwas dagegen zu unternehmen? Viele. Ich glaube, solche Verdrängungen und Bewertungen (so ein abgestürztes Flugzeug mit deutschen Passagieren beschäftigt auf einmal dann alle). weil wir eigentlich alle rassistische Denk- und Fühlmuster verinnerlicht haben. Damit sollten wir uns mehr beschäftigen als mit Witzen und Meckern über Donald Trump.

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13 Kommentare zu “Trump

  1. Man kann es – statt lustiger Witze und Vergangenheitsglorifizierung – so unmißverständlich sagen wie Patrick Gensing es tut: The fascist Elephant in the Room, vor dem alle Bedingungen geschaffen wurden, die zum faschistischen Elefanten geführt haben.

    Diese hausgemachten Bedingungen haben auch bereits zur Schleifung von Artikel 16 als politischer Reaktion auf die rechtsradikalen Pogrome und Morde der 1980/90er, aktueller zu Orban und zur PiS-Partei geführt, zum Brexit, zu Le Pens und Wilders Erfolgsaussichten usw.usf. und zur Festung Europa in immer größerer Ausdehnung, in der auf die Festungsränder geschissen wird, die nur noch dafür mißbraucht werden, „Kerneuropa“ eine der Folgen kerneuropäischer Wirtschaftspolitik – Armutsflucht – vom Hals zu halten. In „Kerneuropa“ wohnen wir: Sie, ich, alle.

      • Ach ja, Carolin Emcke, ich bin ja nicht totale fanin. Und ich hab noch eine Frage bezüglich des Faschismus. Warum ist es wichtig, das, was Trump tut, als „Faschismus“ zu definieren? (Ich sehe auch, dass viele Elemente der Defintion passen). Reicht es nicht, zu beschreiben, was passiert, ohne dieses Label zu verleihen? (Und, wenn Sie möchten, können Sie mich duzen).

      • (vielen Dank für das freundliche Angebot…;-)… aber ich sieze jede/n im www, selbst langjährige Freunde. Ist eine Art Tick – bitte nicht persönlich nehmen)

        Carolin Emcke hangelt sich an Umberto Eco entlang, der uns die Berlusconi-Erfahrung voraus hat und im Mussolini-Faschismus aufwuchs. Von Eco wiederum finde ich seinen Text über den Urfaschismus überaus lesenswert, in dem er die Unterschiede zwischen den verschiedenen historischen Regimen beleuchtet und sie schließlich auf 14 gemeinsame Nenner herunterkocht, von denen fast alle auf Trump zutreffen (beim Traditionalismus bin ich mir nicht sicher).

        In Deutschland wird Faschismus meist mit dem 3. Reich gleichgesetzt, was so nicht zutrifft und das ein so großer Zivilisationsbruch war, daß die berühmten Anfänge, deren man zu wehren hat, in dessen Schatten unbedeutend erscheinen und zu verschwinden drohen. Und das wiederum halte ich für extrem gefährlich, zumal nicht nur mit Trump, sondern auch in Europa die Vokabel ‚Anfang‘ längst nicht mehr zutrifft, in Deutschland seit den frühen 90ern nicht mehr. Für mich war der „Asylkompromiss“ als politische Reaktion auf rechtsradikale Pogrome, Brandstiftungen und Morde mit dem Resultat national befreiter Zonen und dem NSU der Punkt, nicht mehr von ‚Anfang‘, sondern von einem Prozeß zu sprechen, gegen den ich das Wehren und die Verteidigung der Menschenrechte für essentiell halte. Dazu gehört für mich auch die Benennung von Faschismus. Ein Label wäre für mich, Trump einen Nazi zu nennen – wäre unzutreffend, oberflächlich und auf Schockwirkung aus und das wäre die Richtung von Emckes Lärm.

        Ich finde nicht jede ihrer SZ-Kolumnen gut (manche sind mir zu bemüht), diese aber schon und bin nachhaltig beeindruckt von ihrem Buch Von den Kriegen. Und bevor ich Sie weiter in links ersäufe, mache ich mich mal lieber davon!

  2. Ah, dann sieze ich Sie natürlich gerne. Man kriegt mich in Links nicht so schnell ersäuft, ich freue mich vielmehr über die substantiierte Antwort. Ich teile Ihre Ansichten, soweit Sie sie darlegen. Meine Frage nach der Notwendigkeit des Faschismusbegriffs richtet sich nicht gegen ein (vermeintliches) Labelling. Ich selber labele immer alles als „neoliberal“ und ich sehe auch im Neoliberalismus (Austeritätspolitik, Lohndumping, Sozialabbau, die damit einhergehenden Diskurse etc.), ohne, dass ich den Begriff je für mich ordentlich ausdefiniert hätte, die Wurzel allen Übels. Formal haben wir noch ein demokratisches System aber praktisch sind die Menschen zunehmend außer Stande an ihm zu partizipieren, zumindest tun sie es zunehmend nicht mehr – Meines Wissens sind es ja beispielsweise weit überproportional die Menschen mit den geringsten Einkommen, die nicht mehr zur Wahl gehen.

    • Das liegt an der protestantischen Arbeitsethik, die ich für die Ursache allen Übels halte und die das Durchregieren des Neoliberalismus überhaupt erst möglich machte. Wenn sich der eigene Wert am Kontostand mißt und jede/r höchstselbst daran schuld ist, wenn ersiees arm, arbeitslos, ausgegrenzt, unterprivilegiert ist, ist jede/r ein sehr einsames Einzelschicksal. Schuldgefühl und Scham verhindern jede Solidarisierung miteinander, begünstigen Buckeln nach oben/Treten nach unten, letzteres als Schuld/Scham-Abwehr. Es gibt keine Partei in Deutschland, die dem grundsätzlich entgegen tritt, auch die Linke mit ihrem Lafo/Wagenknecht-Nationalismus nicht.

      Die sinkende Wahlbeteiligung steht einer Reihe mit dem Wegfall anderer vermeintlicher Selbstverständlichkeiten, wie Gemeinsinn, Minimalhöflichkeit, Utopien, Ideale, Zuversicht, genug Arbeit, bescheidener Wohlstand, bezahlbarer Wohnraum – man stellte fest, daß es auch ohne geht. Nur eben nicht gut, für viele nicht. Eine Rolle dabei spielt auch, daß sich viele von unseren Berufspolitikern weder verstanden noch repräsentiert fühlen, auch, weil deren Worthülsen nichts mit der eigenen Sprache und Realität zu tun haben. Es liegt auch daran, daß Glauben einfacher ist als Denken und bequemer als Tun. Demokratie ist aber ein Tu-Wort. Achachach.

      Kennen Sie eigentlich Genovas Blog? Der schreibt unausgesetzt gegen den Neoliberalismus als angeblichem Naturgesetz an, gern am Beispiel Wohnraum.

  3. Interessanter (wahrscheinlich sogar naheliegender) Gedanke – protestantische Arbeitsethik als Voraussetzung für die neoliberale Ideologie. Ist sicher was dran – Erklärt aber nicht, warum letztere sich in den letzten 20 Jahren so ausgeprägt und zum alles vernichtenden Siegeszug angesetzt hat, oder?
    Ich selber bin auch protestantisch sozialisiert, was ich aber lange nicht wusste, da ich „atheistisch“ erzogen wurde. Dass die Antireligiosität meiner Mutter dabei von einem ziemlichen protestantisch-eifernden Furor getragen war, ist mir erst später aufgefallen, im Zweifel erst, als ich im Erwachsenenalter von Hannover ins katholische Köln migrierte und mir über die Unterschiede katholischer und protestantischer Kultur bewusst wurde. Ich persönlich fremdele schon auch sehr mit dem Katholizismus.

    Für mich ist ein wichtiger Punkt bezüglich Wahlbeteiligung und Demokratie der Folgende: Laut unserer Verfassung ist die BRD ja ein demokratischer und sozialer Rechtsstaat. „Demokratie“ kann dabei aber nicht rein formal, also das Recht zur Wahl, begriffen werden. Es muss materiell auch beinhalten, dass die Menschen auch das Wissen und, nennen wir es das Selbstbewusstsein oder ein Sinnbewusstsein, oder wie auch immer es genannt werden könnte, zur Ausübung ihrer demokratischen Rechte vermittelt bekommen.
    Um unser kompliziertes Wahl- und Staatssystem zu verstehen, braucht es ja tatsächlich einen Haufen Bildung. (Wer kapiert schon, was die EU eigentlich ist und soll?) Und wenn ich nicht verstehe, was Angela Merkel da redet – Oder es vielleicht verstehe, aber es für totalen sinnentleerten Quatsch halte, brauche ich das Selbstbewusstsein zu sagen, dass das an ihr liegt und nicht an mir.
    Und, anderer Punkt: Um mich demokratisch einzubringen, brauche ich ja ein Mindestmaß an Hoffnung, Vertrauen darin, dass das, was ich tue auch eine Wirkung hat, jemanden interessiert. All dies wird vielen Menschen ja ausgetrieben oder gar nicht erst vermittelt.

    Genovevas Blog kannte ich noch nicht, danke für den Tipp!

    • Erklärt aber nicht, warum letztere sich in den letzten 20 Jahren so ausgeprägt und zum alles vernichtenden Siegeszug angesetzt hat, oder?

      Mir kommt es eigentlich so vor, als ginge jede menschliche Entwicklung immer schneller und zwar wie die Reiskörner auf dem Schachbrett schneller. Viele Jahrtausende haben Menschen unmittelbar für Nahrung, Unterkunft, Kleidung, Wärme gearbeitet, dann gab’s Städte mit immer spezialisierterer Arbeit und Handel, dann die industrielle Revolution mit ihrer Sogwirkung in die Städte, inzwischen gibt’s Automatisierung und Überflüssigerklärung menschlicher Arbeitskraft, außerdem die immer weiter zunehmende Entkontextualisierung der Arbeit. Jemand, der den ganzen Tag Pixel schubst oder Waren über den Scanner zieht, sieht mangels anfassbarem Produkt nicht mal, was ersie den ganzen Tag gearbeitet hat und woraus Selbstbewußtsein und Sinnbewußtsein entstehen könnte. Jemand, der arbeitslos ist, kann nicht mal die Räder mittels starkem Arm stillstehen lassen. Das alles ist Ent-, nicht Ermächtigung.

      Dem Katholizismus kann ich schon was abgewinnen (bin streng protestantisch-religiös erzogen), z.B. die Tilgung der Erbsünde durch die Taufe, während sich die Evangelen immer schuldig fühlen oder das psychologisch Kluge der Beichte (mit überschaubarer Sühne), das bei Evangelen gar nicht existiert. Diese Prägungen funktionieren auch ohne religiöse Inhalte. Sympathisch ist mir auch der heidnische Polytheismus (mit Göttinnen!), der unter dem weiten Mantel der katholischen Kirche in Form der Heiligenverehrung fortbesteht – dazu muß man nur nach Italien oder Spanien, wo viele eher an Maria glauben als an Gott oder gar den hl Geist.

      Aber ich komme vom Thema ab, will sagen: Religiosität hat früher die Welt geordnet und war nicht nur Herrschaftsinstrument, sondern auch für Hoffnung und Sinn zuständig. Seit der Aufklärung sind ein paar politische Utopien an diese Stelle getreten und nach deren Scheitern ist nichts nachgewachsen. Und da sitzen wir jetzt mit unseren religiös-kulturellen Prägungen, ohne Religion, ohne Utopie, ohne Hoffnung und ohne das süße Gefühl, unsere Anliegen würden irgendeinen der Potzöberen interessieren. Woher soll da das Selbstbewußtsein kommen, Frau Merkel zu sagen, daß die EU eine Region voller eigentlich begeisterter Europäer ist, denen Gurkenkrümmung und Bananenherkunft egaler kaum sein könnte und die sich aber von kafkaesker Bürokratie, TTIP, Datenbevoratung und -schnüffelei usw. mehr als befremdet fühlen?

  4. Ich finde am Protestantismus im Vergleich zum Katholizismus sympathisch, dass die Protestanten eher als die Katholiken das tun, was sie vorher gesagt haben (scheint mir manchmal so). Hier in Köln scheint zwischen Gesagtem und Realität schon vor Ausrufung des postfaktischen Zeitalters schon immer nur ein eher loser Zusammenhang bestanden zu haben. Wenn natürlich aber das Gesagte in Fanatismus mündet, ist es wiederum nicht gut (ich habe mich nie so wirklich mit der Kooperation von katholischer und evangelischer Kirche im Dritten Reicht beschäftigt, aber die Katholiken sollen widerständiger gewesen sein, nicht wahr?

    Woher soll das Selbstbewusstsein kommen? Ich hoffe aus der Selbstwertschätzung, sich mit der Aufklärung von der Religion emanzipiert zu haben und die Selbstsouveränität zusammen mit den damit einhergehenden Unsicherheiten ertragen zu können.
    Ich stelle es mir immer unheimlich angenehm vor, gläubig zu sein. Dann wäre da immer Jesus, der mich liebt und ich käme irgendwann in den Himmel oder so ähnlich. Ich finde es viel anspruchsvoller und schwerer auszuhalten, mir einzugestehen, dass da erstmal niemand ist und ich in Wirklichkeit nix weiß. (Womit ich nicht sagen will, dass alle gläubigen Menschen Idioten sind.)

    • Mir scheint, daß der aufklärerisch geforderte Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit und das Selberdenken den im weiteren Sinn magischen menschlichen Teil weder abdeckt noch ihn aufhebt. Fehlt eigenständiges Denken und ein selbsterarbeitetes Wertegerüst – aus Bequemlichkeit, fehlender Bildung, Entmächtigung, mangelndem Mut, widrigen Umständen – haben die Prediger à la Trump und Höcke leichtes Spiel. Weil: denen wird geglaubt. Deren Inhalte basieren nicht auf Wissen oder auf Fakten, sondern sprechen Gefühle und die Leerstelle an, die nach Religionen und gescheiterten Utopien unbesetzt geblieben ist.

      Ich halte Unsicherheit und Heimatlosigkeit ohne Religiosität und fremd- und festgefügtes Weltbild auch für zumutbar, gleichzeitig ist aber unübersehbar, daß Menschen daran scheitern und dann oft den bequemeren Weg von magischem Denken und unhinterfragter Gläubigkeit wählen.

      Das Rheinland finde ich schon auch speziell. Fragt man dort nach dem Weg oder so, gibt’s zwar oft eine ganze Lebensgeschichte, aber nur eine bedingt wahrheitshaltige Auskunft zur gestellten Frage, macht mich manchmal rasend. Die Berliner Kürze – haste keenen Stadtplan? – ist mir bei weitem lieber, damit komme ich besser klar.

      Zu den Kirchen im 3. Reich: die evangelische Kirche hat (bis auf einzelne und die bekennende Kirche) bereitwillig mit den Nazis kooperiert, in der katholische Kirche war man zwar im 3. Reich manchmal widerständiger, sorgte aber hinterher für die Rattenlinien. Religion ohne Distanz zu Macht und Staat geht nie gut aus.

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