Alles ist relativ

Heute fühle ich mich wie die vollendete Hausfrau. Denn: Ich habe zum ersten Mal seit zig Jahren selber Eiswürfel hergestellt. Sonst kaufe ich die immer im Supermarkt. Die Gründe für den Entschluss zur Handarbeit sind allerdings weniger tugendhaft-hausfräulich. Ich hatte schlicht nicht mehr genug Tragekapazität für Eiswürfel, da ich so viel Schnaps und Sekt aus dem Supermarkt nach Hause schleppen musste.

Dies nun wiederum ist nicht meinem grassierenden Alkoholismus, sondern meinen und meines Freundes divergierenden Einkaufsrhythmen geschuldet. Während ich einmal durch den Laden schlurfe, alles mitnehme, was mir brauchenswert erscheint und dann so schnell wie möglich wieder weggehe, zelebriert der Lebensabschnittsgefährte das Ereignis sorgfältig. Den regelmäßigen Höhepunkt stellt das Schäkern an der Käse- und Wursttheke dar: „Boahr, ich hab wieder so toll mit der Wurstverkäuferin herumgeonkelt.“, erzählt er mir danach und präsentiert Onkel/Verkäuferin-Dialoge erster Güte. So weit so gut, aber während mein Freund sich mit den Käsefrauen und -männern vergnügt, tigere ich beschäftigungslos und aus meinem natürlichen Takt geworfen Runde um Runde durch den Rewe. Und jedes Mal, wenn ich am Schnapsregal vorbei komme, entdecke ich ein neues attraktives Getränk. Nun steht im Schrank unter anderem eine Flasche Aperol, auf die ich doch keinen Appetit habe und auf dem Küchentisch eine halbleere Flasche Gin für 40 Euro (mir war halt sehr langweilig und ich wollte mal was machen, was ich noch nie gemacht hatte), die mir überhaupt nicht schmeckt, aber dafür meinem Freund, der sich eigentlich gar nicht für Alkohol interessiert.

 

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5 Kommentare zu “Alles ist relativ

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