Heute im Laden

Eigentlich gehe ich ungern einkaufen. In der Regel bin ich schnell gestresst und ärgere mich sehr. Scheiß Kapitalismus! denke ich nach kurzer Zeit in einem Laden meistens. So auch heute wieder. Ich bin zu Strauss Innovation gegangen, um schicke Unterwäsche zu kaufen. Schicke Unterwäsche ist eigentlich nicht mein Ding. Wem soll die nützen?, dachte ich. Meistens ist man angezogen und keiner sieht sie. Beim Sex hat man, wenn es gut läuft, die Unterwäsche wiederum auch schnell ausgezogen. Wozu also der finanzielle Aufwand? Das Geld für Dessous kann ich mir sparen und stattdessen den Kindern in Afrika spenden, sagte ich mir lange Jahre. Aber heute war es dann soweit. Ich bin sowieso gerade in „Gönn Dir mal irgendwelchen überflüssigen Quatsch“-Stimmung. Außerdem musste ich mir eingestehen, dass ich niemals je das ganze an Reizwäsche eingesparte Geld nach Afrika gespendet habe. Und so tigerte ich zu Strauss Innovation. Die machen gerade pleite und hauen alles billig raus. Das wollte ich ausnutzen (da bin dann auch nicht besser als die anderen Raubtierkapitalisten).

Dort angekommen, musste ich zu meinem großen Ärger feststellen, dass alle sexy BHs, die Strauss Innovation im Angebot hat, ausgestopft sind. Oder wie man das nennt, Push up? Ich fange innerlich an zu zetern. Ich habe wirklich überhaupt keinen Bedarf an einem ausgestopften BH. „Titten, die größer wirken sollen, sind überhaupt nicht mein Problem, Kapitalismus!“, schimpfe ich. „Wieso bist Du bloß so dysfunktional?“ Ich stelle es mir unglaublich unbequem vor, diesen ausgestopften Kram anzuziehen. Wie soll das denn nun wieder überhaupt funktionieren, wer soll denn von BHs, die die Brüste größer wirken lassen, beeindruckt werden? Wenn der BH seinen Zweck erfüllt, dann ist er doch wiederum schnell ausgezogen und dann? Ist die Enttäuschung doch groß. Gleichzeitig kann ich mir aber nicht vorstellen, in noch einen weiteren Laden zu gehen, da ich mich in Läden immer so viel ärgere. Ich probiere also die ausgestopften BHs an und kaufe drei. So unbequem sind sie gar nicht. Innerlich wüte ich die ganze Zeit über den Kapitalismus. An irgendeinem Punkt meines inneren Gemeckers denke ich dann: Hä, aber der Kapitalismus ist doch gar nicht schuld. Der würde ja unausgestopfte BHs bereithalten, wenn noch jemand außer mir danach verlangte. Es sind die tittenfixierten Männer oder Frauen oder wer auch immer. Andererseits, wer ist es, der uns einredet, es wäre so wichtig, große Brüste zu haben? Ich weiß es nicht und habe jetzt drei BHs, die ich vermutlich nie anziehen werde.

 

 

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10 Kommentare zu “Heute im Laden

  1. *lol* – über all die Stopf-BHs hab ich mich auch schon fürchterlich geärgert, weil sie die Auswahl so extrem verkleinern. Wahlweise auch über die Geschenkverpackungs-Anmutung mit Schleifchen, Spitzen und so. Sowas mag ich nicht, weder an Unter- noch an Oberwäsche….
    „Schlicht“ aber ist schwierig, wenn frau keinen Standard-Busen hat.
    Mein Umgang damit: die Verkäuferinnen annörgeln und mich zuhause dafür schämen.
    Und ein weiteres Jahr das nun schon fadenscheinige Triumph-Modell tragen, das ich mir gleich mehrfach gekauft hatte, weil’s paßte, und das es inzwischen (natürlich) nicht mehr gibt.

    • Ja, die Verkäuferinnen können nichts dafür, aber ich habe schon innerlich sehr gehadert, kann es also nachvollziehen 🙂 Ich glaube ich bleibe auch bei meinen alten Modellen. Dann wird aus mir halt nie mehr Typ „fantasievolle Verführerin“, geht auch so.

  2. Ich finde ja schöne Wäsche, die frau nicht ganz und gar auszieht ziemlich – ähm- schön, bzw. hot.
    Wenn die gesamte Verpackung fällt, ist man idealerweise auch schon blind vor Lust und merkt den Unterschied zwischen vorher nachher gar nicht.

    Der Pfau macht das auch nicht anders. Erstmal angeben.

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