Heute traurig

Gestern war ich noch froh. Der befreundete Onkel veranstaltete in unserem Wohnzimmer eine Spontan-Disco mit Funk- und anderer Musik für mich, ich war einkaufen, zum Essen eingeladen, tanzen in der Kneipe und sowas alles. In meinem Übermut lackierte ich mir die Fingernägel golden. Ich glaube, es sieht albern aus, aber golden ist doch schön und feierlich. Der befreundete Onkel spielte mir Musik einer Gruppe namens „childish gambino“ vor. Zwei von deren Liedern sind die besten Lieder, die ich je gehört habe. Es handelt sich um Funkmusik (sagt der befreundete Onkel, mein Wissen über moderne Musik reicht nicht weit genug, das selber klassifizieren zu können). Wenn ich dazu tanze, fühle ich Stiesel-Kartoffel mich wie James Brown oder wer auch immer sonst der beste und smootheste Funkmann der Welt sein mag. Zu dem einen Lied habe ich sogar einen eigenen Tanz erfunden. Er geht folgendermaßen: Füße als und Hände werden jeweils so aufeinandergelegt, das es aussieht wie Seerobbenflossen und dann im Watschel-Style arrhythmisch auf und ab und gegen einander bewegt (das Arrhythmische kommt meiner Tanzstieseligkeit entgegen). Der befreundete Onkel sagt, der Tanz passe gut zu dem Lied. Was will ich mehr – Ich bin der Funk!

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Beziehungsweise ich war der Funk. Heute wachte ich auf und war eher das Requiem von einem schlechten Komponisten. „Ich glaube, ich werde nie wieder froh.“, sagte ich zum befreundeten Onkel. „Ja, Maike, das dachtest Du doch schon öfter und dann bist Du ja immer wieder froh geworden.“, tröstet der mich. Ich erinnere mich, dass er recht hat, aber ich kann es nicht fühlen. Ich weiß auch, dass es gegen Traurigkeit hilft, raus und spazieren zu gehen. Aber ich bin so gelähmt und in mich versunken, dass ich bis drei Uhr nachmittags rumliege und an die Decke starre, bis ich es schaffe loszugehen. Ich nehme meinen Fotoapparat mit. Ich spaziere durch den Grüngürtel und fotografiere Baumrinde, meine Füße, den Boden, Bäume, den Park, Ampelleuchten, den Aachener Weiher durch eine Becksbierflasche, den Aachener Weiher nicht durch eine Becksbierflasche und Lichter, die sich im Aachener Weiher spiegeln. Ich habe lange nicht mehr fotografiert und während des ganzen Spaziergangs finde ich nicht wirklich heraus, wie der Fotoapparat funktioniert. (Liebe moderne Technik, ich bins nicht schuld. Du bist zu kompliziert. Danke Merkel.). Die Lichter im Aachener Weiher sehen live aufregender aus, als auf meinen Fotos. Aber das ist mir egal. Beim Versuch, die schönen Lichter zu fotografieren, bin ich ein bisschen froh geworden. Sie waren so schön bunt.

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2 Kommentare zu “Heute traurig

  1. Wenn ich wüsste, wie ich Deine Stimmung heben könnte, würde ich es gerne tun.
    Ich glaube der befreundete Onkel macht das ganz gut. Aber vielleicht muss man manchmal traurig sein, weil manches einfach traurig ist.

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