Hello Again!

Liebe Nichten und Neffen,

die Ihr so freundlich meine trübseligen Klinikberichte verfolgt habt, sollt nun auch die guten Neuigkeiten vernehmen: Gestern wurde ich aus dem Krankenhaus wieder freigelassen.

Die vielen Löcher in meiner Lunge konnten die Ärzte leider nicht stopfen und ebenso nicht die Ursache für sie herausfinden. Damit hatte ich im Grunde auch nicht gerechnet. Etwas enttäuscht war ich trotzdem. (Alle paar Jahre treffe ich neue Lungenfachärzte, die sagen: „Wir finden jetzt raus, was Sie haben.“. „You bet, bro!“, antworte ich dann innerlich, da das ja seit 20 Jahren schon nicht klappt. Ein bisschen Hoffnung schöpfe ich doch aber immer wieder, auch wenn ich versuche, es nicht zuzulassen, und bin dann immer wieder neu ein bisschen traurig). Was die Ärzte aber können, ist mir ein Medikament geben, das die Löcher am Wachsen hindert und das ist ja schon mal gut. Wie mir erklärt wurde, sind Löcher in der Lunge, auch wenn sie groß sind, nicht so schlimm, wie ich mir immer vorgestellt habe. Nicht gut ist, dass es sich bei dem Medikament um Cortison in hohen Dosen handelt, welches bekanntlich ungesunde Nebenwirkungen zeitigt, insbesondere Osteoporose. Mit 60 werde ich wahrscheinlich keine Knochen mehr haben, aber braucht man die unbedingt? Ich meine nicht.

Jetzt bin ich wieder zu Hause. Ich bin froh, aber ganz unkompliziert fühlt es sich auch nicht an. So schwierig und schrecklich es im Krankenhaus sein mag, manches dort ist auch einfacher als im echten Leben. Solange man mit einem Plastikschlauch in der Lunge an ein Gerät angeschlossen ist, können bestimmte Dinge auf keinen Fall von einem verlangt werden. Um nur die zu nennen, die mir sofort einfallen: Wohnung putzen, bessere Arbeit im Büro abliefern oder öfter zum Yogakurs gehen. Gesunde Ernährung: schlicht nicht möglich. Was für eine Erleichterung, her mit den Krankenhaus-Käsespätzle! Noch nicht einmal „Ruf öfter Deine Oma an!“ können sie jetzt fordern, Oma soll ja weder beunruhigt noch angelogen werden. Sehr schlechte Laune ist erlaubt, ohne in den Verdacht einer depressiven Verstimmung zu geraten. An allem Unangenehmen trägt die Umgebung die Schuld. Wenn man so einen Schlauch in der Lunge hat, finden alle, man sei krank  und das begründet gewissermaßen auch eine privilegierte Position. Zwar sind schmerzhafte Dinge auszuhalten, es gibt aber viele Drogen, die das abmildern und ich muss währenddessen keine Verantwortung für irgendetwas übernehmen, kann also auch keine Fehler begehen. Im Krankenhaus waren Menschen um mich herum, die dafür bezahlt wurden, fürsorglich zu mir zu sein, und sie haben das gut gemacht. Im Klinikum Merheim haben sie sich trotz angespannter personeller/finanzieller Lage eine Menge Warmherzigkeit und Professionalität bewahrt (eine Frage an die AfD an dieser Stelle: Warum macht Ihr statt einer Revolution gegen Flüchtlinge und den Islam nicht eine Revolution für die Abschaffung des Zweiklassen-Gesundheitssystems? Hm, vielleicht, weil Ihr schon ahnt, dass die CSU sich Euren Forderungen dann nicht so schnell anschließen würde.).

Jetzt bin ich im normalen Leben zurück, in der Freiheit. Und da funktioniert es wieder so, dass ich Leute finden muss, die mir Geld dafür geben, dass ich fürsorglich zu ihnen bin oder irgendetwas anderes tue, was als wertvoll erachten – ungleich schwieriger als andersherum.

Und nun brächte ich diesen Text gerne zu einem würdigen Ende und sollte die Kurve kriegen, nicht ganz so wie der wehleidige, passive Jammerlappen dazustehen, als der ich hier wahrheitsgemäß beschrieben wurde. Schwierig. Hm, ach aber, wisst Ihr – Ich bin noch etwas krank und auch schwach, ich kann das jetzt nicht.

 

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4 Kommentare zu “Hello Again!

  1. Lieber Onkel Maike. Werde erstmal gesund zu sagen wäre ja töricht, wenn nicht sogar bagatellisierend. So einer bin ich nicht, wie Du weißt. Meine alte Nachbarsfrau hatte auch diese Löcher in der Lunge und schreckliches Asthma. Die Liebe Frau Schuh. Sie hatte mit 60 auch keine Knochen mehr, aber überlebte ihren geliebten Ehemann um viele Jahre. Sie wurde 88 und war geistig und körperlich äußerst rege. Pfleg dich und hält die Hirse oben. Dein Neffe, Guido.

  2. Gegen Osteoporose hilft Vitamin D, zumindest solange man nicht zuviel davon nimmt. Ich kenn mich aus damit, ich muss es ja nehmen, wegen meines burkösen Lebenswandels.
    Soweit ich weiß, darf man als Rekonvaleszentin noch weiter jammern und erwarten betüddelt zu werden, mit einer chronischen Erkrankung sowieso, und bei Cortison darf man sogar mal Ogottogott! oder Owehoweh! rufen.
    Ich freue mich, dass Du wieder frei bist!

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