Die Lustigkeit von Karnevalskostümen

Vorbemerkung: Der befreundete Onkel berichtet mir per Chat aus den Karnevalswirren des Kölner öffentlichen Nahverkehrs, da fiel mir dieser drei Jahre alte Artikel ein, der im Grunde nichts von seiner brennenden Aktualität (Kostüm „Trump“ – Totes Eichhörnchen auf den Kopf nageln, fertig) eingebüßt hat. 

Als ich nach Köln zog und Karneval kennenlernte, war ich von der Lieblosigkeit mancher „Verkleidungen“ überrascht.  Verrutschte Blauhaarperücke auf besoffenem Kopf, sonst nix. So traut sich in Hannover keiner zu Fasching auf die Straße. Inzwischen habe ich aber eine gesunde Distanz zu diesem analfixierten Überehrgeiz in der Kostümgestaltung erlangt und schätze das basisdemokratische Element, welches der Toleranz  gegenüber auch dem allereinfallslosesten Gewand ja innewohnt. Nur ganz manchmal macht mich der Anblick eines verdreckten Polyester-Zebras noch ein bisschen traurig und ich denke resigniert vor mich hin: „Musste es wirklich wieder „Biene“ sein?“.

Karnevalskostüme können Originalität und Witzigkeit auf verschiedenen Stilebenen erlangen. Zum Beispiel, weil sie lustig aussehen. Sehr gut gefiel mir bis zu ihrem Tod „Amy Winehouse“.  Aus irgendeinem Grund erheitert mich auch das Modell: „Zuhälter mit einer Gruppe Nutten“.  Dann gibt es die Variante „Anspielung auf aktuelles politisches Geschehen“, vor ein paar Jahren ging jeder zweite Herr in Köln als „Guttenberg“.  Billiges Kostüm, es kostete nur eine Tube Haargel. („Edathys“ werden wir wohl diese Saison nur wenige sehen.) Manche Verkleidungen funktionieren über Wortwitz oder andere Abstraktionen. Das Lieblingskostüm einer Freundin ist „Werft“, einzig und allein, um Männern sagen zu können: „Willst Du bei mir andocken?“ (Das war noch im überformalisierten Hannover, wo dem Sex mit fremden Leuten ein Anmachspruch vorauszugehen hat).  Mein momentaner Favorit (Dank an Nörgelvid für die reizende Idee) in dieser Reihe ist „Forscher, kurz nach einem schiefgegangenen Experiment“. Ich prognostiziere, das wird dieses Jahr nicht zu steigern sein, aber wer weiß, vielleicht schickt mir ja jemand noch andere gute Beispiele.

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5 Kommentare zu “Die Lustigkeit von Karnevalskostümen

  1. Kostüme wirken – besonders mit Alkohol im Blut – rein visuell. Ich habe die Erfahrung gemacht dass intellektuelle Kostüme falsch oder gar nicht verstanden werden. Damit ist man automatisch ausgeschlossen und geht frustriert nach Hause… Keiner versteht mich.

    • Oh Gottogott, das ist ja tragisch. Ich muss einräumen, dass diese „intellektuellen“ Kostüme mir auch eher noch aus Hannover bekannt sind. Wo ja eh alles son bissl anders ist. Hier in Köln dann lieber Gruppenkostüm „Mexikaner“, nech?

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