Traurige Nachrichten

Heute morgen hatte ich eine Bronchoskopie. Vorher teilte mir der sehr schnell sprechende ausführende Professor Oberarzt seine Einschätzung zur Situation meiner Lunge mit.
Da ich sehr schnell zuhören kann, weiß ich jetzt, dass diese nicht gut ist: „Die Löcher in Ihrer Lunge sind in den letzten drei Jahren größer geworden. Es wird schwer, diese operativ zu flicken. Daneben bringt so eine Operation voraussichtlich insgesamt wenig.“, sagte der Doktor sinngemäß. Mir flossen ein paar Tränen. Die Bronchoskopie verlief dafür völlig nebenwirkungsfrei. Hier im Klinikum Mehrheim scheinen die Narkosen ohne Pferdebetäubungsmittel durchgeführt zu werden. Ich wachte auf und es fühlte sich an, als wäre nichts passiert. Leider konnte ich mich an das Arztgespräch noch erinnern.

Ich wurde zurück auf mein Zimmer geschoben und ein Physiotherapeut kam. Er fragte, warum ich so traurig schaute und sagte, dass der Doktor immer so schnell reden würde, was nicht immer gut sei. „Sie werden in den nächsten zwei, drei Jahren nicht sterben“, versicherte er mir glaubhaft auf mein Klagen über die desolate Situation meiner Lunge hin, (schwacher Trost), und fügte hinzu, dass ich da da jetzt durch müsse aber am Ende auch wieder mehr Klarheit hätte (etwas besserer Trost, weil ich denke, dass es genau so ist). Der Physiotherapeut sagte mir, wie ich mich besser hinlegen solle und ob es okay sei, wenn er mir am Oberkörper für die Atemgymnastik mal das Hemd zur Seite schieben würde. „Na sicher, Sie sehen ja hier ständig nackte Leute und einige davon sind bestimmt spannender als ich“, entgegnete ich mit der Gleichgültigkeit von jemand, der gerade dringendere Probleme hat, als die Frage, ob er möglicherweise gerade nackt auf fremde Physiotherapeuten unsexy wirken könnte. „Och, sieht doch gut aus“, meinte er mit Blick auf meine rechte Brust (schwacher Trost, aber geschmeichelt fühlte ich mich trotzdem, es ist ein hübscher Physiotherapeut). Er legte mir seine Hände auf verschiedene Stellen am Bauch und ließ mich dagegen atmen. Erstaunlich, wie tröstlich ein paar freundliche Worte und Berührungen sein können.

Nun bin ich traurig, ängstlich und enttäuscht und fürchte, dass der befreundete Onkel vielleicht sogar noch trauriger sein könnte. Was dann wiederum traurig sein würde. Andererseits: Ohne Traurigkeit keine Fröhlichkeit. Und wir Kölschen sagen ja bekanntlich „Es hätt noch immer jotjegange!“, was in seiner völligen Falschheit ja doch auch wieder richtig ist.

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9 Kommentare zu “Traurige Nachrichten

  1. Das gefällt mir aber gar nicht.
    Löcher in der Lunge? Fällt sie dann nicht in sich zusammen, so pneumothoraxmäßig? Kann man das nicht aufhalten und überhaupt ist das doch Mist. Das Gute ist ja, wie Du richtig schreibst, dass es immer gut geht, und dass der befreundete Onkel und Du erst mal traurig sein und Euch dann trösten könnt, was ein schönes Gemeinschaftsgefühl schafft.
    Ich, jedenfalls, drücke mal die Daumen, was wahrscheinlich hilft, weil ich das ziemlich gut kann.

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