Der Penis des Saunameisters

Vielversprechender Titel, nicht wahr? Ich habe länger über ihn nachgedacht, als man meinen sollte. „Penis“ finde ich nämlich gar nicht so ein gelungenes Wort für das männliche Geschlechtsorgan. Allerdings immer noch besser als eben „männliches Geschlechtsorgan“. Fast hätte ich lieber „Pimmel“ geschrieben, also „Der Pimmel des Saunameisters.“ Aber „Pimmel“ klingt immer ein Bisschen so als nähme man den beschriebenen Gegenstand nicht ganz ernst. Gerade in unseren heutigen turbulenten Zeiten jedoch sollten wir den Männern und ihren Eigenschaften den nötigen Respekt zollen, alles andere verunsichert sie noch mehr und erhöht die Gefahr, dass sie anfangen, AfD zu wählen. „Schwanz“ wäre eine weitere Alternative, das finde ich allerdings ein wenig pornographisch konnotiert und eher für den Privatgebrauch denn für eine seriöse Publikation geeignet. Einigen wir uns also auf „Penis“. Mit der Frage der Anordnung von Substantiv „Saunameister“ und Genitivattribut „Der Penis“ habe ich mich hingegen nicht lange aufgehalten. Dabei gäbe es auch hier Spielräume: „Des Saunameisters Penis“ hätte Turgenjew es wahrscheinlich formuliert. Hier in Köln würde ich hingegen mit „Dem Saunameister sein Penis (sing Jemäscht)“ auf Verständnis stoßen. Aber einigen wir uns doch auf „Den Penis des Saunameisters“, von dem ich nun berichten möchte:

In der Sauna des Ossendorfbades in Köln, in die ich manchmal gehe, gibt es einen Saunameister mit einem langen Penis. Gestern war ich mal wieder in dieser Sauna und sah besagten Saunameister dort herumlaufen. „Ach, da ist doch der Saunameister mit dem langen Pimmel“, sagte ich zu mir (wenn ich mir mir selber rede, sage ich „Pimmel“ nicht „Penis“). „Da könnteste doch einen kurzen Blogeintrag zu verfassen“, überlegte ich (der Penis ist wirklich phänomenal), vielleicht interessiert das die Nichten und Neffen. „Wäre gut, wenn ich noch mal sehen könnte, wie lang genau der Penis ist, dann kann ich ihn plastischer (und journalistisch seriöser) beschreiben.“, dachte ich weiter. Die letzte Begegnung mit dem Saunameister liegt schon über ein Jahr zurück und an genaue Maße kann ich mich nicht mehr erinnern, nur noch, dass ich sehr beeindruckt war.

Und während ich so in der Liegelandschaft der Sauna herumlümmelte und sinnierte, wie ich den Penis zu sehen bekommen könnte (der Saunameister trägt ja während der Arbeit in der Sauna grundsätzlich ein um die Hüften gewickeltes Handtuch, zumindest gestern), erinnerte ich mich daran, wie oft der Saunameister schon mit mir geschimpft hat. Zum einen, weil ich früher ab und an meinen Schlüssel für die Umkleidekabine in der Sauna verlegte, der dann zum Glück aber immer beim Saunameister abgegeben wurde, der ihn mir dann, wie gesagt, schimpfend, zurückgab („Den Schlüssel rumliegen zu lassen, ist Anstiftung zum Diebstahl“, meckerte er einmal, was Quatsch ist, aber ich war nicht in der Position, ihn darüber zu belehren). „Wie konntest Du denn nur immer Deinen Schlüssel in der Sauna verlegen?“, frage ich mich ernsthaft verwundert, der Schlüssel hat ja ein Band, mit dem man ihn sich um den Arm oder auch das Bein binden kann. Außerdem rügte mich der Saunameister mindestens einmal streng, weil ich mit dem Salz für die Dampfsauna irgendetwas Falsches angestellt hatte. Wiederum lässt mich hier das Gedächtnis im Stich, ich weiß nicht mehr genau, worum es sich bei der Verfehlung gehandelt hat, ich glaube, ich hatte nach Benutzung geduscht, was anscheinend nicht gerne gesehen ist. Der Saunameister hat eine sehr, sehr dicke Frau und war früher mal Eigentümer eines Rennpferds. Ersteres weiß ich, weil die Frau auch einmal in der Sauna war und allen stolz verkündete, sie sei die Frau des Saunameisters (würde ich auch machen, wenn mein Mann der mit dem größten Schwanz weit und breit wäre), das mit dem Rennpferd erzählte er mal einem Badegast, als ich daneben auf einer Liege lag (es hat sich auf die Dauer finanziell nicht gelohnt).

Als ich den Penis zum ersten Mal gesehen hatte, und aus der Sauna nach Hause kam, berichtete ich begeistert meinem Freund davon. Denn es ist ja so: Wenn man einen sehr langen Penis hat, ist die Sauna der optimale Arbeitsplatz. Der einzige optimale Arbeitsplatz, wohlgemerkt. Ich freue mich aufrichtig für den Saunameister, dass er eine so gut passende Arbeitsstelle gefunden hat (ja, er schimpft viel, aber ich bin ja auch schwierig). Bei keinem anderen Job kann der Penis (außer in der Pornofilmbranche, aber das ist nun wiederum ein gesellschaftlich schlecht angesehener und infektionsträchtiger Arbeitsbereich) so selbstverständlich herumgezeigt und Bewunderung dafür eingeheimst werden. Und je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Wir müssen uns den Mann mit einem langen Penis als einen unglücklichen Menschen vorstellen. Im Gegensatz zu einem schnellen Auto, einem Trophy-Wife, dem Doktortitel, den frisch gebleichten Zähnen oder auch der Flüchtlingsfamilie, die man ehrenamtlich betreut und ähnlichen Angebegegenständen, kann man einen langen Penis nicht ständig offen herzeigen. Das hat die Gesellschaft so festgelegt. Einerseits wünscht sich jeder einen langen Penis (einfach nur um keinen kurzen zu haben, glaube ich), andererseits profitieren dann aber die, die tatsächlich damit gesegnet sind, nicht davon. Paradox. Somit sind alle unglücklich, die Männer mit den kurzen und die mit den langen Penissen.

Nur eins gibt mir noch zu denken: Dafür, dass er gemäß dieser scharfsinnigen Analyse der einzige glückliche Mann der Welt sein müsste, ist der Saunameister erstaunlich griesgrämig.

 

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11 Kommentare zu “Der Penis des Saunameisters

  1. That´s why I love your Blog!!

    Kleiner Tipp: Du kannst dich ja mal „versehentlich“ versprechen: „Wurde mein Schwanz … ähm Schlüsselbund hier abgegeben? Falls ja, könnten Sie ihn rausholen und mir geben“ und dann ganz Onkelmäßig verlegen drein gucken. :-)))))

  2. Ich frage mich ja immer noch bei welcher Gelegenheit der Saunameister seinen Penis vorgezeigt hat, oder ist dieser stets so erigiert, dass sich daran wie weit das Handtuch, das er um seine Hüften gebunden hat, absteht erkennen kann, wie lang sein Penis ist?
    Ich hörte einmal von der Unterscheidung zwischen Blut- oder Fleischpenissen. Auch darüber könnten mehr Informationen hilfreich sein. Dass er früher mal ein Rennpferd hatte überrascht mich gar nicht.

    • Ganz ehrlich, das frage ich mich auch. Es muss eine unverfängliche Situation gewesen sein, mein Freund liest das Blog ja auch. Ich glaube, dass er sich das Handtuch neu gewickelt hat oder sonst etwas sehr unschuldiges. Ja, und wieviel „Luft nach oben“ in so einem Penismodell steckt wäre eine weitere interessante Frage. Aber ich sehe kaum Ansatzmöglichkeiten, das herauszufinden.

      • Wir werden es wahrscheinlich nicht herausfinden, es sei denn Du befreundest Dich sehr eng mit seiner Frau. Und selbst da wüsste man nicht, ob sie nun über- oder untertreibt in ihren Ausführungen.

        Ich las mal über den Rekordhalter in diesen Dingen, der bei jeder Erektion ohnmächtig wurde.
        Vielleicht macht eine solche enorme Größe also doch unglücklicher, als man zunächst glauben würde.

  3. Der sogenannte Aufguss

    Wir hier in Osnabrück haben Saunameister, die in Dienstkleidung antreten.

    In orangener Uniform ( Polohemd oben, untenrum kurzbehost).

    Aber!
    Sie sind SaunameisterINNEN.
    Sie gehen mit großer Vehemenz vor.
    Sie sind streng.
    Und immer! Immer! denke ich: Ppppffft.
    Solange wie du halt ich es eh aus, schließlich bin ich nackt!

    ( mich mit den brutalen Profis jenseits der sechzig messen zu wollen, die neben mir erwartungsfreudig dem Aufguss und der nachfolgenden Handtuchwedlerei entgegen sehen ziehe ich null in Betracht).

    Gerne würde ich über die Brüste der Saunameisterinnen berichten und wie interessant sie unter ihren nassgeschwitzten orangenen Poloshirts sich abzeichnen.

    Wenige wissen aber, dass diese Frauen bereits als Kinder unter den besten Jener ausgewählt wurden, deren Wiege neben einem Hochofen stand, weil der Vater ein alleinerziehender Stahlwerker war.

    Ich, weil ich mich im Internetz natürlich informiert habe, weiß das. Und erwarte also nicht mehr, dass die schwitzen.

    • Sehr interessant: Ein interkultureller Saunameister(innen)-Vergleich. Im freizügigen Rheinland geht es halt in allen Lebensbereichen etwas lockerer zu als im formaleren Niedersachsen. Hier bei uns haben die Saunameisterinnen sogar Cellulitis, was aber keinen stört, was Polohemden sind, wissen sie gar nicht.

      • Sie KÖNNEN es garnicht wissen, natürlich, weil sie leichtfertige Katholikinnen sind.
        Pffft.

        Wir wissen alles über euch.
        Locker den Rosenkranz um die nackten Hüften gegürtet, schreiten auch Unverheiratete in den Dings, wie hieß es gleich, wo sich alle verkleiden und hinterher schwanger sind, wenn er nicht geholfen, der Obige.

        Wir Protestanten wissen um die Gefahren die drohen. Auch so seelemäßig.
        Weil das Wetter hier schlechter ist, KÖNNEN wir nach Gelagen nicht einfach im Straßengraben unter den Zitronenbäumen liegen bleiben, wie ihr.

        Wir würden erfrieren.

  4. Das ist soweit schlüssig, bis auf die Tatsache, dass Karneval bekanntlich im Winter veranstaltet wird und da ist es auch im norditalienischen Köln sehr kalt (da muss man auch erstmal drauf kommen, das Fest, wo es darum geht möglichst besoffen und unbekleidet zu sein, im Winter anzuberaumen).

  5. Aktmodell wäre doch auch ein angesehener, zumindest nicht all zu despektierlicher Beruf. In Finnland heißt der Saunameister Dosenbier. Und wird nicht nach Länge sondern anhand Volumenprozent bewertet.

    • Das stimmt, Aktmodell wäre eine Ausweichmöglichkeit. Meines Wissens verdienen Aktmodelle aber nur einen sehr niedrigen Stundenlohn und Modell-Stehen ist ziemlich anstrengend. Den Lebensunterhalt kann man damit nicht sichern.

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