Wenn Onkel Maike was ins Internet schreibt…

…dann muss das ja nicht immer der Weisheit letzter Schluss sein. So zum Beispiel gestern: Das war mal wieder grober Unfug. Ich freute mich darüber, dass nun die Nichtfunktionstüchtigkeit des Kapitalismus endgültig bewiesen sei und bejubelte die Kreativität deutscher Ingenieure. Hätte ich drei Sekunden länger recherchiert, wäre  ich wohl zu einer anderen Einschätzung der Sachlage gelangt.

Auf Zeit.de lernte ich zum Beispiel, dass der Stickstoffausstoß der manipulierten Fahrzeuge das in den USA erlaubte Maß um bis zu ein 40faches übersteigt. Außerdem war zu erfahren, dass durch Stickstoffbelastung jährlich auf der ganzen Welt 3,3 Millionen Menschen sterben (unter anderem wegen Atemwegserkrankungen) und dass VW wohl nicht der einzige Autohersteller ist, der in dieser wichtigen Frage so sehr schummelt. Richtig lustig ist das ja gar nicht. Abends beim Zappen im Fernsehen hörte ich dann einer Talkshow zu. Die Diskutant*innen äußerten die Auffassung, dass die beschriebenen Manipulationen und Missstände der Bundesregierung seit Jahren bekannt seien, die Autokonzerne aber zu mächtig, als dass sie was dagegen zu unternehmen wüsste. Wenn VW eine Kritik von Regierungsseite überzogen scheint, äußerten sie immer einfach: „Wenn Ihr uns zu doll nervt, verlagern wir einfach unsere Produktion ins Ausland!“. „War ja nur ne unverbindliche Anregung, nichts für Ungut“, sage das Umweltbundesamt dann immer.“ Das klang schon sehr paranoid-verschwörungstheoretisch, was ich mir da anhörte. Und hätte es nicht um Deutschlands seriösestes Diskussionsformat (hier kann sich die Sendung angeschaut werden), mit super-duper seriösen Diskussionsteilnehmdenden, nämlich die Phoenix Runde gehandelt, hätte ich das Gesagte gar nicht ernst genommen.

Und auch meine Begeisterung über die deutsche Ingenieurskunst und -kreativität erweist sich bei näherer Betrachtung als überzogen. Wie es scheint, ist es heutzutage ein Leichtes (ich bin echt beeindruckt), Autos so zu programmieren,  dass sie immer wissen, wo sie sich gerade befinden, zum Beispiel auf der Straße oder im Emissionsmesslabor, und dann ihr Verhalten, zum Beispiel ihren Abgasaustoß darauf hin ausrichten können. Fazit: Die Welt ist noch etwas schlechter als ich eh schon dachte – Aber es bleibt interessant!

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