Beeinflusst weder Fahrverhalten noch Verbrauch…

Der VW-Skandal: Meines Erachtens nach verschiedenen in Betracht kommenden Sichtweisen eine feine Sache. Zunächst sei festgehalten, dass ich mich schon lange nicht mehr so gut unterhalten fühlte. Daneben: Falls es noch eines gerichtsfesten Beweises bedurfte, dass der Kapitalismus NICHT funktioniert, dann ist der doch hiermit erbracht: Der VW-Konzern, welcher bekanntlich zu einem Fünftel dem Bundesland Niedersachsen gehört, hat in, so der aktuelle Kenntnisstand, 11 Millionen der von ihm produzierten und verkauften Autos eine Software eingebaut, die verhindert, dass deren tatsächlicher Abgasaustoß, zum Beispiel von amerikanischen Umweltbehörden, gemessen werden kann. Weswegen die USA inzwischen auch strafrechtliche Ermittlungen gegen VW betreiben. Moralisch verkommener kann doch kaum gehandelt werden. Und nichts spricht dafür, dass die inkriminierten Manipulationen ohne Wissen der VW-Führung hätten erfolgen können. Sehr böse. Profitmaximierung steht über allem. Es wäre ja ein Allerleichtestes, Autos herzustellen, die weniger Emissionen produzieren und ebenso ihren Zweck erfüllen, wird aber nicht gemacht – Und wir haben es nicht mit Einzeltätern zu tun, die aus eine Außenseiterposition heraus handeln, sondern im Gegenteil, die Akteur*innen kommen von der Spitze, aus der Mitte des Unternehmens.

Nun aber genug geklagt, wenden wir uns wieder den fröhlichen Aspekten des Skandals zu: Was für eine nicht nur enorme sondern auch kreative Energie hinter diesen Manipulationen steht. Der deutsche Ingenieur – Seinem Ruf zufolge ein tüchtiger Techniker, aber ansonsten eher von eindimensionalem Naturell und sicherlich kein raffinierter Trickbetrüger: Hier entfalten sich ganz neue Potentiale. Insgesamt scheint unser Volk gerade seinen Markenkern zu ändern. Wir sind keine plumpen Rassistinnen und Rassisten mehr, sondern verwandeln uns in flüchtlingsbekuschelnde Gentlemenkriminelle. Mit diesem Image-Wechsel kann ich leben. Auch das Krisenmanagement des Konzerns weiß bislang zu überzeugen. Natürlich wissen sie bei VW, dass es sich der Begriffe zu bemächtigen gilt und das klappt gut. Häufig ist von der VW-„Affaire“ zu lesen und zu hören. Das klingt doch gleich viel besser als der handfeste und doch etwas unromantische „Betrug“. Daneben ist gerade die ganze Zeit auf dem Phoenix Live Ticker zu lesen, VW versichere, dass die Manipulationssoftware „weder Fahrverhalten noch Verbrauch“ der mit ihnen ausgestatteten Autos beeinflusse. Das ist schön und wird die unmoralischen unter den Eigentümern letzterer auch freuen, aber ja auch schlicht und ergreifend nicht der Punkt.

Im Übrigen hat mir der befreundete Onkel die Umsetzung meines genialen Plans, nämlich jetzt VW-Aktien zu kaufen, untersagt. Das wird ihm noch leid tun.

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