Onkel Maike verreist.

„Oh je.“, denkt nun der Teil, der Bloglesendenschaft der mit mir persönlich bekannt ist. Denn diese Menschen wissen, dass Onkel Maike auf Wanderschaft häufig mit tatsächlichen oder zumindest gefühlten Kalamitäten verbunden ist. Das bedeutet dann, dass ich entweder gerettet oder doch zumindest getröstet werden muss. Das hat unter anderem mit meiner etwas ungesunden Abenteuerlust zu tun. Eine typische Onkel Maike-Reise ist ein Trip, der geplanterweise nach Kopenhagen gehen soll, unterwegs dann aber, irgendwie war die Idee so spannend, über einen Abstecher nach Sumatra führt. Dort gerät der Onkel in Probleme, da er vorher nicht recherchiert hat, dass er auf sumatrische Gräser allergisch reagiert und seine empfindliche Lunge kollabiert. Während Freunde, Verwandte und Verlobte Anstrengungen zur Rettung entfalten und sehr beunruhigt sind, aber doch noch mal alles irgendwie gut geht, knüpft der Onkel Freundschaft zu zwei Berggorillas, mit denen er ein veganes Aktivistinnenkollektiv gründet und vor lauter Aktivismus drei Wochen lang vergisst, zu Hause anzurufen. (Wer jetzt findet, dass das übertrieben klingt, dem sei versichert, es ist erschreckend nah an der Wahrheit).

„Fahren Sie nur noch nach Teneriffa, da gibt es deutsche Ärzte“, sagte einst ein Lungenfacharzt zu mir, dem ich von sehr ernsthaften Schwierigkeiten berichtete, in die ich in den chinesischen Ausläufern des Himalaya geraten war und die zu meinem ersten (Rettungs)hubschrauberflug führten. „Gewiss, Herr Doktor“, sagte ich und dachte bei mir: Im Leben nicht, Bro. Viele Jahre später führte mich diese Uneinsichtigkeit dann in das Militärkrankenhaus von Tomsk (gerade wollte ich schreiben: „war gar nicht so schlimm, wie es klingt“, war es aber vielleicht eigentlich doch).

Inzwischen bin ich erwachsener und vernünftiger, meine letzte längere Reise verbrachte ich wandernd in Deutschland, auf dem Rheinsteig von Bonn nach Wiesbaden. Das war ein schönes, aber streckenweise einsames Abenteuer. Abends lag ich so manches Mal erschöpft und betrübt in der Pension und der befreundete Onkel musste mich per Handy trösten.

Heute abend nun soll es losgehen mit dem Zug nach Italien und dann nach Griechenland. Einmal zum Colosseum und die Akropolis hinauf und ein wenig Mittelmeer schnuppern. Den Abstecher nach Albanien werde ich versuchen, mir zur verkneifen. Ich habe meinen Kindle mit ca. 20 Büchern vollgeladen, alle Asthmamedikamente, die der Markt hergibt und genügend Sonnenmilch dabei. So könnte ich nun frohgemut meine Wanderschaft beginnen, heiter der Dinge harrend, die da kommen werden. Aber irgendwie ist mir bei dem Gedanken, jetzt aufzubrechen, etwas eng ums Herz, warum auch immer. Vielleicht geht die Zeit des Alleinereisens irgendwann ja mal vorbei.

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