Je suis Sepp!

Jaja, schon klar, keine Überraschung. Wer Onkel Maike etwas kennt, weiß, dieser Mann ist immer auf der Seite der Unpopulären und Outlaws. Und um des lieben Frieden willens einfach mal die Klappe halten, obwohl er eigentlich natürlich Recht hat, ist keine seiner Kernkompetenzen. Harmoniebedürftige ZeitgenossInnen sollten ihn niemals auf eine mit politisch korrekten Gästen bestückte Party einladen, das führt nur zu Dissonanzen (neulich wurde ich von einem homosexuellen Herren fast gelyncht, weil ich die, selbstverständlich ausschließlich mit Premium-Argumenten unterlegte,  Auffassung äußerte, unsere schwache Geburtenrate und ein damit verbundenes potentielles Aussterben des deutschen Volkes seien doch gar nicht so ein großes Unglück).
Lüde man mich aktuell auf eine Geburtagsfeier oder ein Grillfest ein und gäbe mir einige Biere und käme, was ja wahrscheinlich ist, die Rede auf die FIFA, ihren Präsidenten und dessen Imageproblem würde ich, abhängig davon, wie viele Biere genau man mir gegeben hätte, eine mehr oder weniger feurige Verteidigungsrede zu deren Gunsten schwingen. Bis zum zwölften Prosecco würde ich noch vorsichtig fragen: „Leute, seid Ihr sicher, dass Sepp Blatter und die FIFA das einzige Problem sind? Ist es nicht eher eine Frage des gesamten Systems und all seinen verschiedenen Akteur*innen. Sind wir Fußball-Konsument*innen, die das alles widerspruchslos mitmachen, nicht auch ein bisschen mitursächlich?
Nach dem zwölften Prosecco würde ich dann die Zurückhaltung aufgeben und den Leuten vorhalten, dass mich die Verunglimpfung und Gleichsetzung des FIFA-Präsidenten mit dem Vorsitzenden einer Mafiaverbindung doch sehr an das Verhältnis des deutschen Volkes zu seinem ehemaligen Führer gemahnt. Wir erinnern uns: 1933 ergriff ein teuflischer Österreicher namens Adolf Hitler die Macht, was 1945 mit dem Verlust des zweiten Weltkriegs und dem Holocaust endete. Alle Deutschen, bis auf vielleicht Hermann Göring, konnten von dem, was da vor sich ging nichts ahnen, bzw. wenn doch versteckten sie so viele Jüd*innen, mit denen sie ja auch unheimlich gut befreundet waren, wie sie konnten bei sich in der Dachkammer und auch unsere Armee verließ nie den Pfad der soldatischen Tugend. Wer sich das noch mal genau vor Augen halten möchte, dem empfehle ich den wunderbaren dreiteiligen Fernsehfilm „Unsere Mütter, unsere Väter“.
So weit, so angenehm. Jetzt regen wir uns alle über Sepp Blatter auf, hach wie schade, dass er nicht zurücktreten musste. Ich kann gar nicht glauben, dass irgendwer das ernst meint. Die Fifa ist korrupt, ach so. Ich dachte ehrlich gesagt, das sei seit langem bekannt. Und selbst, wenn wir nur die legalen Aktivitäten betrachten, beispielsweise die Bedingungen, die Brasilien im Zusammenhang mit der Ausrichtung WM 2014 gestellt wurden (mein persönliches Highlight: die Aufhebung des Bierverbotes in den Stadien), wäre das noch alles schlimm genug. Ich sage nur: Franz Beckenbauer, der Sportbotschafter von Gazprom, welcher noch nie einen Sklaven gesehen hat und merkwürdigerweise immer noch im deutschen Fernsehen auftreten darf. Die FIFA mag ja scheiße sein, aber noch viel scheißer finde ich alle anderen: Von den Mitgliedsverbänden, den Vermarktern, den Fernsehsenderinnen, über die Sportlerinnen und Sportler und nicht zuletzt uns Konsument*innen. Die FIFA wäre ohne die freiwillige Mitwirkung aller an ihren Machenschaften nix. Niemand hat Brasilien gezwungen, eine Fußball-Weltmeisterschaft auszurichten. Niemand zwingt ARD und ZDF über 400 Millionen Euro für Fußballübertragungsrechte zu zahlen. Niemand zwingt den deutschen Fußballbund an einer WM in Katar teilzunehmen. Warum jubeln wir beispielsweise einer deutschen Fußballnationalmannschaft zu, von deren Mitgliedern man noch nie ein einziges kritisches Wort über die politischen Verhältnisse  beispielsweise in Brasilien gehört hat? „Wir müssen uns auf unseren Sport konzentrieren, für Politik haben wir keine Zeit und Politik hat mir Sport nichts zu tun“, sagen sie. Doch, Politik hat mit Sport alles zu tun, und wer das nicht weiß, ist doof. Und wer solche Lappen bis zur Besinnungslosigkeit verehrt, ist noch doofer.
Nun gut, dieser Text wurde zum Ende hin etwas undifferenziert – Aber, wir erinnern uns an die Einleitung: Dafür, dass inzwischen das zwölfte Bier lange hinter mir liegt, doch ganz okay, oder?
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