Onkel Maike muss in Laden für dicke Leute

Lange dachte ich nach, ob ich es zugeben/thematisieren soll. Aber, was solls: Ich musste in einen Laden für dicke Leute. Das lag daran, ist jetzt nicht überraschend, dass ich so dick geworden bin. In normalen Läden gibt es keine Hosen mehr für mich. Leute, die mich noch nicht so lange kennen, wird das überraschen, aber ich wurde als untergewichtiger Mensch sozialisiert und bezog lange Selbstbewusstsein aus dieser Tatsache. In den Laden für dicke Leute zu müssen, ist daher doppelt demütigend. Ich bin Weltmeisterin in Gewichtsschwankungen, den Läden für dicke Leuten entzog ich mich bislang durch erfolgreiche Crashdiäten und in zu enge Klamotten gekleidet sein. Aber jetzt kam der Punkt, wo mir dafür die Kraft fehlte. Wütend einerseits, resigniert andererseits begab ich mich auf die Schildergasse und fand einen „C & A – XL“. Da kaufte ich dann zwei Jeans und Shirts, die mir passten und am selben Abend im Skatverein die Frage: „Du siehst gut aus, hattest Du ein Vorstellungsgespräch?“ eintrugen. So weit so gut. Nicht gut, meine ganze Wut. Ich finde, dass Läden für dicke Leute Menschen segregieren und diskriminieren. Kein dicker Mensch hat verdient, in extra Läden geschickt zu werden. Wenn die optimale Warendistribution im kapitalistischen System das so erfordert, ist Kapitalismus scheiße. Wenn Menschen zu viel essen, hat das in der Regel Gründe. Traurigkeit und Traumata, würde ich sagen. Sie sollten nicht zur Strafe in extra Läden geschickt werden. „Jammer nicht, Blöde Maike“! mögen die schlanken unter meinen Lesenden denken, „Hätteste halt mal weniger gegessen, Gierlappen!“. Da habt Ihr natürlich Recht, dünne Leute, hätte ich machen sollen, oder, wie früher, mehr von dem Gegessenen wieder erbrechen. Ich kann da nur sagen: Stress und Erwachsen-Werden hielten mich von diesen Lösungsmöglichkeiten ab. So stehe ich nun hier, gedemütigt, und versuche mir zu sagen: Ist doch überschätzt, wie dick man ist – Und egal, wie schlank Du jemals wieder werden könntest, die Cellulitis kriegst Du eh nicht mehr weg, auch in dünn fandest Du Dich schon maximal hässlich und Deine Möpse sind in dick grandios! Allerdings würde ich lügen, wenn ich behauptete, dass die Welt jetzt wieder schön ist. Es bleibt ein (ungewinnbarer und unsinniger) Kampf.

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