Kalter Krieg

Sowohl Bild.de als auch Jakob Augstein vom Partnerorgan Sponline.de berichten, der kalte Krieg sei wieder ausgebrochen. So ganz überraschend kommt es ja nicht, aber ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, als er ein für allemal überwunden schien. Ich erinnere mich sogar noch an den (ersten) kalten Krieg selbst. Zwar war ich noch ein Kind, aber meine Angehörigen fanden, für politische Bildung könne es nie früh genug sein: „In Amerika, da haben sie diese Plastikkarten, damit können die Leute überall alles kaufen und bezahlen, obwohl sie das Geld weder dabei noch auf ihrem Konto haben. Weil viele damit nicht umzugehen wissen, überschulden sie sich und landen im Elend.“, erklärte mir meine Mutter als ich sechs war. Sie berichtete auch von einer schwangeren Afroamerikanerin, die mangels Krankenversicherung nicht behandelt wurde und deren Kind deswegen starb. Im Westdeutschland der beginnenden Achtziger, als sogar noch Kassenpatienten beim Zahnarzt Goldfüllungen ohne Zuzahlung bekamen, unvorstellbar. Meine Oma zeigte mir dafür einmal eine Weltkarte und die darauf liegenden verfeindeten Staaten UdSSR und USA: „Schau, die beiden liegen im Streit miteinander und sie könnten einen Krieg mit Bomben und Soldaten anfangen. Diese Auseinandersetzung wird dann aber nicht in diesen Ländern, sondern in denen, die dazwischen liegen, geführt werden – Das wäre dann ungefähr hier.“, sagte sie und zeigte auf Deutschland.

Das Schöne am kalten Krieg war, dass er die Welt in einer einfachen, stabilen Ordnung erscheinen ließ. Die Dichotomie mag schon damals eine Fiktion gewesen sein, beruhigend war sie trotzdem. Das Schlechte am kalten Krieg war, dass alle immer etwas Angst hatten, er würde von kalt zu heiß wechseln. Mit der Geographiestunde meiner Großmutter im Hinterkopf war das ein bedrohliches Szenario. Das Ende des Ost-West Konflikts wurde daher freudig aufgenommen. „Wind of Change“ quakten die Scorpions und viele Leute glaubten ihnen. Was dann kam, war nicht unbedingt eine friedlichere, sondern vor allem eine unübersichtlichere Welt. Viele Bürgerinnen und Bürger der ehemaligen Ostblockstaaten nutzten ihre neuen Freiheiten kreativ und produktiv, manche bekamen nie eine Chance dazu und ein paar veranstalteten Pogrome gegen Flüchtlinge. Die Krisenherde und Kriege wurden nicht weniger, aber komplizierter. Grund zur Angst gab es weiterhin. Die ganzen hochqualifizierten russischen Atom- und Raketentechniker waren nun arbeitslos, hatten gleichzeitig Reisefreiheit erlangt und wollten sicher auch ein wenig an den Segnungen der kapitalistischen Konsumwelt partizipieren. Ein bisschen Ordnung und Orientierung verhießen dann die erstarkenden islamistischen Kräfte. Osama bin Laden und Al Quaida, nicht angenehm aber vielleicht identitäts- und gemeinsamkeitsgefühlsstiftend für den Rest der Welt? Fast schien es so, als würde es dank des IS soweit kommen können, kürzlich las ich zum Beispiel von einer Annäherung des Iran und der USA. Bevor wir aber diese Frage abschließend beantworten müssen, haben wir jetzt erst einmal den kalten Krieg zurück. Dazu wäre viel zu sagen, ich beschränke mich auf ein kurzes Zitat von Jakob Augstein aus der oben verlinkten Kolumne: „Putin hat lange zugesehen, wie ihm Nato und EU immer näher rückten. Bei der Ukraine war Schluss. Der Westen musste das wissen.

Advertisements

2 Kommentare zu “Kalter Krieg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s