Onkel Maike – Foodfotograf

Ich habe mir ein Kochbuch gekauft. Öfter mal kaufe ich Sachen aus den falschen Gründen. Wein, zum Beispiel, suche ich vor allem danach aus, ob mir das Etikett gefällt. Das Kochbuch kaufte ich primär wegen des skurrilen Namens des Autors. Der heißt nämlich „Ottolenghi“. Genau genommen Yotam Ottolenghi. Ottolenghi gilt als hip (oder auch schon nicht mehr – hippe Sachen kriege ich eigentlich immer erst mit, wenn sie nicht mehr hip sind). Er ist jüdischer Herkunft, hat eine italienisch und eine deutsche Oma, wuchs in Jerusalem auf und zog dann nach London. Da lernte er dann den, ebenfalls aus Jerusalem stammenden, palästinensischen Koch Sami Tamimi kennen. Schon wieder so ein schöner Name. Die beiden warfen ihre Kochstile und -traditionen zusammen, kreierten eine neue west-östliche aufregende Küche und gründeten vier inzwischen sehr berühmte Restaurants. Außerdem schrieben sie einige Kochbücher, die allesamt sehr hohe Auflagen erreichten. Eines dieser Kochbücher, es heißt „Genussvoll Vegetarisch“, wurde erfolgreich (die Geschichte ist aber auch zu schön) an mich vermarktet. Viele Rezepte verlangen Zutaten, die ich gar nicht von selber Zuhause habe und erst kaufen musste. Zum Beispiel „Sumach“ oder „Zatar“. Nachdem ich daher gestern lange beim Einkaufen unterwegs war, zitierte ich heute den befreundeten Onkel in die Küche, um die beiden Rezepte „Gemüsesuppe mit Petersilienklößchen“ und „Gebackene Auberginen mit Buttermilchdressing und Granatapfelkernen“ mit mir zu kochen. Er trat auch freundlich den Dienst an, ließ lediglich beiläufig fallen, dass vegetarisch Kochen ja nun nicht gerade sein Kerninteressengebiet sei und es kam nur zu wenigen unfreundlichen Wortwechseln. Um die Geschichte abzukürzen: Ottolenghi ist sicher ein guter Koch, ich möglicherweise eher nicht so. Nach ungefähr vier Stunden (mein Assistent war nach zwei Stunden gegangen), kündigte ich kleinlaut an, wir sollten vielleicht besser eine Pizza bestellen. Der zum Boyfriend zurückbeförderte Ex-Gehilfe kam zum Trösten herbeigeeilt und aß tapfer Gemüsebrühe mit albernen Klößchen. Die Suppe war nicht schlimm, aber wohl keine vier Stunden Aufwand wert. Über das zweite Gericht soll hier lieber der Mantel des Schweigen gedeckt werden. Dafür hatte ich in der langen Zeit des Auberginenbackens und Kloßteig-Gehenlassens etc. viel Muße, mich meinem neuen Hobby, der Foodfotografie, zu widmen. Lebensmittel haben oft schöne Farben (und sehen, wenn ein guter Ausschnitt gewählt wird, manchmal richtig unheimlich aus).

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