Rechtzeitige Sprachkritik

Nikolaus Blome (wäre ich heute nicht so sehr unkreativ, würde ich sämtliche negativen Adjektive, welche die deutsche Sprache beherbergt, in optimaler Weise kombinieren, um diesen XXX XXX XXX maximal niederzumachen) ist ja von der Bild-Zeitung zum Spiegel gewechselt. Er soll natürlich kein Heimweh haben, deswegen macht sein neues Heimatmagazin heute mit Herrn Tebartz-van Eltz auf und bezeichnet letzteren gleich mal als den „umstrittenen Protzbischof“. Eigentlich gehört zu meinen Schreib-Prinzipien ja: „kein englischer Quatsch im Blog“, heute aber mal: THIS IS WRONG ON SO MANY LEVELS! Muss ich noch näher erläutern, wieso? Naja, na gut, barrierefrei, für alle: Erstens: Also, ich hatte ja nie normalen Schulunterricht, aber auf Eliteschulen sozialisierte Gesellen wie Neffe 1falt (guter Blog, immer lesen!) oder naturschlaue Vögel wie Schwuppen-Jupp (der gerade neben mir sitzt und die Eichhörnchen in der aktuellen Stunde beschimpft: „Kein Wunder, dass sich der Hoppel-Poppel nicht durchgesetzt hat!“) würden jetzt sagen: „‚umstrittener Protzbischof‘ – das ist ein Pleonasmus!“ Und, sie hätten Recht! Es dürfte wohl für jeden maßlos verschwenderischen katholischen Kleriker gelten, dass er Kontroversen hervorruft. Ein „unumstrittener Protzbischoff“ ist dementsprechend nur schwer vorstellbar.

Doof genug. Aber noch viel döfer: diese Häme ad personam! Herr Tebartz-van Eltz ist allem Anschein nach ein lupenreiner Idiot. Da muss ja nicht drüber diskutiert werden. Aber alle Schuld auf diesen einen Typen und keine Schuld auf „Das System“ zu schieben, finde ich intellektuell unbefriedigend und demokratietheoretisch unterkomplex. Was ist mit dem „Protzaufsichtsgremium“, das das alles mit gemacht hat, der „Protzkatholischen Kirche“ (inklusive des „Protzpapstes“), die solch ein Treiben anscheinend sehenden Auges akzeptiert, dem „Protzkatholischendeutschensteuersystem“, das immer das Geld für diese Onkel einsammelt, dem „Protzdeutschenvolk“, das immer Parteien wählt, die diese „Protzpennersteuer“ nicht abschafft? Och ja. Ne? Aber ich bin ja selbst protzdoof (die bereits erwähnten Depressionen, aber sonst auch).

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7 Kommentare zu “Rechtzeitige Sprachkritik

  1. Oh, da muss der Neffe mit Apostelverteidigungshintergrund nun doch einmal widersprechen, ist der aktuelle Papst doch gerade für seine nahezu brüskierende Bescheidenheit bekannt (Selberputzen, Fiatfahren, Kantinenfraß, Urlaubs- und Weihnachtsmannverkleidungsverweigerung …)!

    Und so hat dieser bescheidene Supersparpapst in weiser Voraussicht Deiner ja durchaus berechtigten Bedenken jüngst ein bis dato noch gar nicht existierendes Antiprotzaufsichtsgremium zur Zügelung der vatikanischen Finanzen gemacht (ja genau: selbstgebastelt, quasi aus dem protzanfälligen Nichts heraus fabriziert!): http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-02/vatikan-wirtschaftssekretariat-franziskus

  2. jaja, der neue Papst hat ja auch nicht so viel Glitzer an der Jacke, wie seine ganzen Vorgänger. Aber ich glaube, die katholische Kirche Köln ist immer noch der reichste Verein weit und breit.Vielleicht verändern die ja wirklich was in ihrer Kultur, so gesehen sind meine Ausführungen etwas schlecht getimt (da ja der Supersparpapst den Protzbischof ja auch gerade erlaubt hat, zurückzutreten).

  3. Darf ich auch noch anregen den Artikel zusätzlich mit „Papst“ zu tagen? Dann stünde in Deiner Schlagwolke „Papst Peter Neururer“ und das wäre doch sehr hübsch, gell?

  4. ich glaub‘, protzbischof ist garkein oxymoron. auch wenn er protzt, bleibt er ja bischof. anders als z.b. der … errr … Nonnengatte.
    ausserdem dient das doch alles natürlich zur huldigung des katholischen herrgotts, der freut sich, wenn seine mannschaft ordentlich angezogen ist und es nicht durch’s dach regnet.
    euer protestanten-gott gönnt euch das ja nicht, der gönnt euch eigentlich aber auch garnix, ich stelle ihn mir eher knurrig vor, den katholen-gott immer leicht besoffen und mit etwas irrem blick.

    und wie mag eigentlich der protestanten-himmel aussehen?
    üppig und schwelgerisch kann er ja eigentlich nicht sein, das würde ja heissen, dass der evangele zu lebzeiten das wahre schöne verleugnet.
    also müsste der protestanten-himmel karg sein. und ohne sitzkissen.

    ich beneide euch nicht, protestanten.

    • Lieber St. Jupp,
      es bewahrheitet sich immer wieder: Dont drink and blog! Ich wollte nicht „Oxymoron“ sondern Pleonasmus gesagt haben. So dröge karg sind wir evangelisch Sozialisierte dann ja vielleicht doch nicht – Immerhin genehmigen wir uns ein lecker Bier und hauen dann feuchtfröhlich hanebüchenen Quatsch in die Tasten.

  5. *räusper* Äh..Hallo. First oft all (jaja, ich weiss, Anglizismen sind out) : toller Blog. Formschön, ansprechend und auch noch was zu lesen dabei.
    Allerdings das Eichhörnchen im Text, also das geht so nicht! Von einem befreundeten Ingenieur wurde ich ausführlich darüber informiert, dass „Eichen“ sowohl amtlicher Begriff als auch Vorgang ist. Man solle doch besser auf Kalibrierhörnchen ausweichen – wegen Amtsanmaßung und so.

    Allerfreundlichste Grüße
    Lil

    • Liebe Lil,

      herzlichen Dank für Deine freundlichen Worte – habe auch schon auf Deinem schönen Blog herumgeklickt, Anglizismen finde ich voll okay. Das mit dem „Eich“-Hörnchen kann ich leider nicht ändern, es handelt sich ja um ein Originalzitat aus der „Aktuellen Stunde“.

      Beste Grüße von Maike

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