Die Lustigkeit von Karnevalskostümen

Als ich nach Köln zog und Karneval kennenlernte, war ich von der Lieblosigkeit mancher „Verkleidungen“ überrascht.  Verrutschte Blauhaarperücke auf besoffenem Kopf, sonst nix. So traut sich in Hannover keiner zu Fasching auf die Straße. Inzwischen habe ich aber eine gesunde Distanz zu diesem analfixierten Überehrgeiz in der Kostümgestaltung erlangt und schätze das basisdemokratische Element, welches der Toleranz  gegenüber auch dem allereinfallslosesten Gewand ja innewohnt. Nur ganz manchmal macht mich der Anblick eines verdreckten Polyester-Zebras noch ein bisschen traurig und ich denke still resigniert vor mich hin: „Musste es wirklich wieder „Biene“ sein?“.

Karnevalskostüme können Originalität und Witzigkeit auf verschiedenen Stilebenen erlangen. Zum Beispiel, weil sie lustig aussehen. Sehr gut gefiel mir bis zu ihrem Tod „Amy Winehouse“.  Aus irgendeinem Grund erheitert mich auch das Modell: „Zuhälter mit einer Gruppe Nutten“.  Dann gibt es die Variante „Anspielung auf aktuelles politisches Geschehen“, vor ein paar Jahren ging jeder zweite Herr in Köln als „Guttenberg“.  Billiges Kostüm, es kostete nur eine Tube Haargel. („Edathys“ werden wir wohl diese Saison nur wenige sehen.) Manche Verkleidungen funktionieren über Wortwitz oder andere Abstraktionen. Das Lieblingskostüm einer Freundin ist „Werft“, einzig und allein, um Männern sagen zu können: „Willst Du bei mir andocken?“ (Das war noch im überformalisierten Hannover, wo dem Sex mit fremden Leuten ein Anmachspruch vorauszugehen hat).  Mein momentaner Favorit (Dank an Nörgelvid für die reizende Idee) in dieser Reihe ist „Forscher, kurz nach einem schiefgegangenen Experiment“. Ich prognostiziere, das wird dieses Jahr nicht zu steigern sein, aber wer weiß, vielleicht schickt mir ja jemand noch andere gute Beispiele.

Advertisements

11 Kommentare zu “Die Lustigkeit von Karnevalskostümen

  1. ja, sehr lustig
    tolle kostümidee: zeugin jehovas, wollen wir das morgen nicht spontan auch machen? du besorgst ein paar wachtürme und wir stellen uns auf den neumarkt? (karnvalsversandhandel sollten alte wachturm-exemplare im angebot haben).

  2. aktuelles kostüm heute morgen in der ubahn: „dänische giraffe“

    und kollegin erwähnte, dass ihre freundin als „schwangere frau, von ihrem mann verlassen“ geht. mit bauch und zerlaufenem makeup …
    ein kontroverses kostüm 🙂

    • „Dänische Giraffe“ finde ich großartig – eignet sich auch sehr gut als Gruppenkostüm.
      „Schwangere Frau, von ihrem Mann verlassen“, ja, schon kontrovers. aber schnell hergestellt, auch irgendwie gut.

  3. Mir sind in meiner Funktion als Aushilfs-Karnevals-Mandolinenspieler gestern auffallend viele Menschen mit SEK/SWAD Kostümen aufgefallen. Vor allem beim dritten Auftritt im Karnevalsdiscozelt in Köln Heimersdorf. Sind die bei Deiters im Angebot? Die waren auch nur schwer vom überall präsenten privaten Sicherheitspersonal unterscheidbar, welches bei meinem letzten Versuch Karneval an Weiberfastnacht erfolgreich in Köln zu feiern (1993) noch nicht da war. Und selbst damals fand ich das karnevalistische Treiben bereits als Zuschauer sehr anstrengend.

  4. Oh, das ist aber interessant.Das ist auch noch mal eine ganz neue wichtige Kategorie von Karnevalskostümen: Verkleidungen, die zu organisatorischen Verwirrungen/Gefährdung der Sicherheitslage führen, weil eine Gruppe von Macht- oder Würdenträgern nicht mehr eindeutig identifizierbar ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s